Reviews : NATHANIEL MAYER / I Just Want To Be Held CD :: ox-fanzine.de

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CDs/LPs/Singles - Reviews

NATHANIEL MAYER

I Just Want To Be Held CD

Fat Possum Records


Matthew Johnson ist ein Genie! Dieser Begriff mag aufgrund seiner inflationären Verwendung mittlerweile zwar völlig bedeutungslos sein, dieses eine Mal aber ist er angebracht. Beim ersten Betrachten der Soundcheck-Liste hatte ich noch geglaubt, es müsse sich um einen Tippfehler oder eine bizarre Namensduplizität handeln.

Nichts dergleichen! Es handelt sich wirklich um Nathaniel Mayer. DEN Nathaniel Mayer! Mr. Village of Love! Stilprägende Stimme des frühen Detroit Soul/Doo-Wop und in den 60er Jahren neben Andre Williams das Aushängeschild des mit Talent reich gesegneten Fortune-Labels, selbst wenn sein Label-Aufenthalt von eher kurzer Dauer war.

Ich gebe zu, dass ich Nathaniel Mayer eher auf einer Wolke neben Otis Redding und Smiley Lewis vermutet hätte, dabei versüßt er mir in schöner Regelmäßigkeit den Sonntagmorgen, wenn er mit glasklarer Stimme Klassiker wie "My little darling", "Work it out" und "A place I know" intoniert, und jetzt ist er nach einer vorübergehenden kreativen Pause von 35 Jahren wieder da.

Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass dieses Review nicht unter der Rubrik "Rereleases" abgefasst ist. Fat Possum Records beschert uns also im Jahr 2005 das erste offizielle Nathaniel Mayer-Album, nachdem bislang nur auf Zusammenstellungen seiner Sixties-Singles zurückgegriffen werden konnte, von denen die musikalisch makellose, jedoch etwas dürftig aufgemachte Gold-Dust-Compilation noch einmal allen wärmstens ans Herz gelegt sei.

Kritiker mögen bemängeln, es seien vor allem Nathaniel Mayers einzigartige Gesangsqualitäten als Kopf der FABULOUS TWILIGHTS gewesen, die ihn aus der Masse hervorhoben, und dass seine Stimme zwischenzeitlich doch etwas gelitten habe.

Zweifelsohne hat der Herr in den letzten 35 Jahren nicht nur mit Kamillentee gegurgelt, und so muss man schon etwas genauer hinhören, um jenes 18-jährige Pancake-Face mit Pompadour auszumachen, welches einem vom "Village of love"-Cover entgegenlächelt.

Mag die Stimme auch etwas verändert klingen, sie hat an Ausdrucksstärke kaum eingebüßt und ergänzt auf ideale Weise den auf "I Just Want To Be Held" zelebrierten Soul-Stomp, der vor allem eines ist: NASTY! Nathaniel Mayer ist mittlerweile jenseits der 60.

Ich weiß nicht, was dein Großvater in seiner Freizeit tut, aber ich kann mich noch gut erinnern, dass Opa Johannknechts Optionen seinerzeit eher "Kirche oder Kukident" lauteten, nicht "Stick it or lick it"! Interviewgeneigten Angehörigen des weiblichen Geschlechts sei daher gesagt, dass Nathaniel Mayer keinen Deut weniger horny ist als Andre Williams.

Es hilft der Musik, die eine einzige Aufforderung zum Bootyshake ist. Ein Ende des kollektivem Siechtums, in dem sich die Black Music Community seit nunmehr dreißig Jahren befindet, ist gegenwärtig nicht abzusehen - ganz im Gegenteil.

Umso begreiflicher ist das wiedererstarkte öffentliche Interesse an Soul- und Funk-Ikonen wie Andre Williams, Solomon Burke und Isaac Hayes, ebenso wie die wachsende Popularität musikalischer Erben wie den DIRTBOMBS und DETROIT COBRAS.

Letztere hatten Nathaniel Mayer ja bereits auf ihrer Human-Fly-7" ein Denkmal gesetzt. Matthew Johnson erweckt diese einzigartige Stimme des Souls nunmehr endgültig zu neuem Leben, was man ihm nicht hoch genug anrechnen kann.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dies ist kein Album der Marke "Nicht schlecht für das Comeback eines alten Herrn" und es bedient auch keinen mediengespeisten Retro-Schick. Es könnte problemlos bestehen, wenn es aus der Feder eines 25-jährigen Newcomers stammte.

Weil es das aber gerade nicht tut, ist es so gut. Wer seine musikalische Sozialisation durch New Edition und Whitney Houston erfahren musste, ist nahezu zwangsläufig dazu verdammt, 15 Minuten seines Daseins als Qualitätsvakuum bei MTV zu fristen, um anschließend für immer in der Versenkung zu verschwinden.

Die Tatsache, dass nach Andre Williams mit "Silky" nunmehr die zweite stramm auf das Pensionsalter zugehende Fortune-Legende den Beweis angetreten hat, wie Soul-Musik moderner Prägung zu klingen hat, erzeugt ein Grinsen auf meinem Gesicht, das ich mir operativ werde entfernen lassen müssen.

(35:36)

Norbert Johannknecht

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #58 (Februar/März 2005)

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