SINKING CITIZENSHIP

Broadcasting Germs CD

So muss das sein: Die besten Platten erscheinen vermeintlich aus dem Nichts, es gibt keinen albernen Hype um eine ach so hippe Band, auf den die Mainstream-Presse aufspringt, und genau deswegen kriegt das tumbe, trendhörige Gesocks nichts davon mit.

Schade für die Band, gut für mich, muss ich mir sie doch nicht mit den ganzen Idioten teilen. Dabei entspricht der Sound der Australier THE SINKING CITIZENSHIP schon irgendwie dem Zeitgeist, ist aber wohl doch zu sperrig, zu unberechenbar und auch einfach zu gut, um die Massen anzusprechen.

"Broadcasting Germs" ist das Debütalbum des 2002 gegründeten Trios aus Melbourne, erschien in Australien bereits Ende letzten Jahres via UXB Recordings und wurde jetzt für Europa von Sweet Nothing nochmals aufgelegt.

Und wie schon erwähnt, sind THE SINKING CITIZENSHIP mit ihrer Musik eigentlich zur richtigen Zeit aktiv, bedienen sich am Noise- und Indierock als auch an New-Wave-Elementen, sind so richtig schön "retro", aber eben zu vielschichtig für den schnellen Erfolg.

In ihrer Herangehensweise sind sie den A-FRAMES nicht ganz unähnlich, ihr Sound ebenso düster und melancholisch, aber wo die A-FRAMES ihre Musik extrem reduzieren, sind THE SINKING CITIZENSHIP komplexer.

Von einem stark im Vordergrund stehenden Bass und einem sehr groovigen Schlagzeugspiel getrieben und mit einer mal noisigen, mal sehr akzentuierten Gitarre pendeln THE SINKING CITIZENSHIP auf "Broadcasting Germs" zwischen leiser, hoffnungsloser Traurigkeit und lauter Wut.

Unterstützt durch die großartige Stimme des Sängers, der ein Vibrato besitzt, bei dem sogar ein Jello Biafra neidisch werden würd, und der alle Facetten von melancholischem Lamento bis hin zu verzweifeltem Wutausbruch abdeckt, entwickelt sich eine Atmosphäre, die sogar die erwähnten A-FRAMES wie Anhänger des Positiven Denkens erscheinen lässt.

Wer bei der Vorstellung einer Mischung aus JOY DIVISION, frühen KILLING JOKE, aber eben auch BIG BLACK und BUTTHOLE SURFERS und - was den Gesang angeht - PIL und den experimentelleren Songs der DEAD KENNEDYS ins Schwärmen gerät, sollte sich auf THE SINKING CITIZENSHIP einlassen.

Enttäuschung ausgeschlossen. (9)