WILLOWZ

Talk In Circles CD

Sehr selbstverliebt, diese drei Herren und die eine Dame aus L.A.: Auf Cover, Inlaycard und Booklet finden sich insgesamt sieben Bandfotos, und auf allen sehen sie genauso schrecklich aus: langhaarige Neofolk-Hippies, gerade mal Anfang zwanzig.

Seit Jahren von den Majorlabel-A&Rs gejagt, die für vermarktbares Frischfleisch einen Riecher haben wie Hyänen für Aas - und am Schluss, und dafür allergrößten Respekt - bekamen die großen Labels alle den Stinkefinger gezeigt und die WILLOWZ gingen zu Sympathy For The Record Industry.

Dort erschien unlängst eine Zusammenstellung der frühen Releases, die ja unter anderem auf Wanker(!) und Dionysus erschienen, und nun eben das erste richtige Album, mit erstaunlichen 20 Songs, coproduziert von Paul Kostabi.

Die sind wie schon die bisherigen Aufnahmen eine Mischung aus Musik, die längst aufgenommen war, als die vier WILLOWZ Anfang der Achtziger geboren wurden: ungestümer, rauher L.A.-Punk mit nöligen female vocals (hat teilweise auch was von Kathleen Hanna), NYC-Seventies-Punk, aktueller Garage-Rock und VELVET UNDERGROUND, all das verbindet sich hier zu einem spröden Sound, der einerseits total undergroundig ist und klingt, andererseits - ganz sträubt man sich also doch nicht gegen die Vermarktungsdollars - den Weg fand in einen europäischen Renault-Werbeclip.

Eine erstaunlich facetten- und kontrastreiche Platte, die gefällt, wenn sie punkrockig und übersteuert lärmt, aber auch, wenn zuckersüße Popsongs angesagt sind. Doch, man kann sich vorstellen, wie gerne sich A&R-Leute wie Keith Morris von den CIRCLE JERKS, der für V2 arbeitet, sich im Erfolg der WILLOWZ gesonnt hätten (so beschränkt sich seine Beteiligung auf Chorgesang bei "We live on your street").

Der ist zwar auch jetzt nicht ausgeschlossen, aber die Hype-Maschinerie ist eben doch eine andere, wenn das über die Majorkanäle läuft. Eine außergewöhnliche Band, die man im Blick behalten sollte.

(62:08) (8)