(((S)))

Phantom

Ein junger Musiker aus Dänemark treibt die oft erprobte künstlerische Idee der vollkommenen Anonymität bis zum Anschlag. Keine Namen, lediglich verschwommene Bilder in Schwarz und Weiß und einem Debütalbum namens „Ghost“, das von der UK-Death- und Gothic-Rock-Ikone Mick Mercer zum besten Album 2009 geadelt wurde, folgt nun ein noch besseres Album mit dem – nicht mehr ganz so überraschenden Titel – „Phantom“.

Kristalliner Wave-Rock, frei von jedweder simpler Retro-Adaption, mit elektronischen Elementen, der dem Geist von THE CHAMELEONS, THE SOUND und den SAD LOVERS & GIANTS folgt, ohne die elektronischen Pop-Elemente von NEW ORDER völlig zu ignorieren.

Die nordische Melancholie ist in jedem Song manifest und (((S))) hat ohne Zweifel eine sehr gute Hand für packende Hooklines und Melodiebögen, die einerseits Tiefe und andererseits das kleine gelebte Drama in sich tragen (vielleicht auch für den ganz persönlichen „Hamlet“-Abend mit Rotwein: Drama und Tragik), aber dennoch in der Lage sind, den Dancefloor zur frühen Morgenstunde zu füllen: wabernde Bässe, fiebrige Gitarren, elegische Synthies und eine Stimme, die ein wenig an Mark Burgess von THE CHAMELEONS erinnert, und diese Analogie liegt deutlich über dem Ritterschlag der Queen.

Die gekonnte Handschrift der intelligenten Variante von Wave-Rock und Wave-Pop, ohne für nur einen Moment dem schlichten und plakativen Kitsch eines breiten Gothic-Publikums gerecht zu werden.

„Phantom“ hat das Potenzial, eines der wirklich guten Alben für 2010 zu werden. Es ist grundsätzlich auch keine Schande, sich beide Alben, „Phantom“ und „Ghost“ zuzulegen.