OVAL

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Als Markus Popp mit seinem Projekt OVAL Mitte der Neunziger durch Veröffentlichungen auf dem Frankfurter Label Mille Plateaux das erste Mal einen größeren Bekanntheitsgrad erlangte, hätte man wohl noch von intelligentem Techno geredet, heutzutage wären Vergleiche mit dieser Form von Kirmesmusik eher beleidigend.

Denn Popps Ding ist eine deutlich avantgardistischer umgesetzte Elektronik-Kompositionskunst, eine streng akademische Abfolge von scharfkantigen Klängen, die gerade auf der zweiten Disc dieser Platte mit ihren 70 Stücken selten mehr als abstrakte Fragmente sind.

Aber auch auf der ersten Disc mit „nur“ 20 Stücken wird Popp den Anruch des verkopften Soundtüftlers nicht los, wobei sich hier zumindest wiedererkennbare Strukturen mit gewissen melodischen Momenten ergeben.

Elektro-Akustik mit Einflüssen von Pop und Jazz, die durch ihre konkret rhythmischen Aspekte etwas zugänglicher sind. Wird man sich Disc 2 kaum noch mal freiwillig anhören wollen, zeigt Popp auf Disc 1, warum er mal zur Elite der intellektuellen Techno-Crowd der Neunziger gehört hat, wobei jemand in diesem Zusammenhang mal süffisant anmerkte, dass „OVAL are perhaps more well-known for how they make their music than for the music they actually make“.

Und da macht mir doch etwa das letzte Album von CLUSTER oder die ebenfalls nicht ganz einfache Musik, die David Sylvian auf seinem Label veröffentlicht, inzwischen deutlich mehr Spaß als Popps unterkühlte Bits & Bytes-Sound-Architektur.