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CDs/LPs/Singles - Reviews

MARC & THE MAMBAS

Untitled

Format: CD

Label: Some Bizarre

Genre: Indie/Alternative

Webseite

Wertung:


Wenn man Antony Hegarty von ANTONY AND THE JOHNSONS fragt, woher eine seiner größten Inspirationen stammt, was bis hin zur Entlehnung des eigenen Bandnamens geht, wird er mit MARC & THE MAMBAS antworten und deren zweites Album „Torment And Toreros“ (1984) als seinen wichtigsten Einfluss überhaupt zitieren, also jenes Bandprojekt von Marc Almond, das zwischen 1982 („Untitled“) und 1984 zwei Studio-Alben und zwei Live-Alben veröffentlichte, und zu dessen eher unregelmäßiger Besetzung Matt Johnson (THE THE), Annie Hogan (bereits 1985 gastierte Nick Cave als Sänger bei ihrem Song „Vixo“) und – wenn er gerade die nötige Zeit dafür fand – auch schon mal James George Thirlwell aka FOETUS und einige andere zählten (im Studio für den einen oder anderen Song Robert Smith oder Steven Severin).

Zwei Alben, auf denen Marc Almond bereits, bevor es ernüchternd en vogue wurde, Jacques Brel und Georges Bizet zitierte und coverte, und das war legitim und passend. Die Musik ist hier nicht der gefällige und tanzbare Synthie-Pop wie bei SOFT CELL, sondern Marc Almond nahm mit seinem dunklen Mix aus französischem Chanson, Vaudeville, traditionellen spanischen Instrumentals und orchestralem Gothic-Touch bereits viel dessen vorweg, was sein Bruder im Geiste Gavin Friday (ex-VIRGIN PRUNES) zu einem späteren Zeitpunkt mit GAVIN FRIDAY & THE MAN SEEZER perfektionierte, und ein Song wie „You’ll never see me“ geht genau in diese Richtung: ein Schifferklavier in einer dunklen Bar und Marc Almond, der die Untiefen der unerfüllten Liebe zelebriert, was er ohne jedweden Zweifel gut konnte.

Einst auf seine thematische Affinität zu Drogen, Strichern und muskulösen Seemännern von einer hinsichtlich seiner Musik eher nicht verständig zugewandten deutschen Wochenzeitung im Interview angesprochen, antwortete er: „Ich habe einfach immer die Unvollkommenheit geliebt.

Die Welt des Rotlichts, über die ich so oft geschrieben habe, ist bevölkert von Außenseitern und dysfunktionalen Menschen. Es gibt Verlierer, die tragen ihr Ausgestoßen-Sein mit einer solchen Grazie, dass sie zu wahrhaft schönen Menschen werden.“ Und genau dies verkörpert Marc Almond auf beiden Alben extrem gekonnt.

Und genau dies schätzt und verehrt Antony Hegarty an Marc Almond. Zwei Alben perfekt für die rotweingetränkten Barflies in dunklen Nächten. Eigentlich mutet es verwunderlich an, dass Jim Jarmusch diese Musik noch nicht für seine Filme entdeckt hat: sheer poetry, angst, anger and depravity.

Markus Kolodziej

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #96 (Juni/Juli 2011)

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