CEREMONY

Zoo

„Der Schritt wird ein genauso großer sein wie der von ,Still Nothing Moves You‘ zu ,Rohnert Park‘. Die Punk-Wurzeln werden weiterhin klar erkennbar sein, aber wir erkunden auch viel neues Terrain.“ Das sagte CERREMONY-Gitarrist Anthony Anzaldo letztes Jahr auf meine Frage, wie sehr sich das kommende (und hiermit vorliegende) Album von dem davor unterscheiden werde – ein Album, mit dem sich die Band aus dem Hardcore-Biotop Bridge Nine in die Indie-Welt von Matador hinausgewagt hat.

In diesem Kontext denkt man automatisch an FUCKED UP, denen der Wechsel zu Matador zwar mehr Aufmerksamkeit brachte – seltsam, dass eine bestimmte Sorte ignoranter Musikjournalisten Bands immer erst wahrnimmt, wenn sie auf bestimmten Labels veröffentlichen –, diese Aufmerksamkeit sich aber bislang nicht in einem anderen, gar zahlreicheren Publikum bei den Konzerten auswirkt.

Aus ganz egoistischen Gründen hoffe ich, dass das auch bei CEREMONY der Fall sein wird. Ähnlich wie bei FUCKED UP macht sich der Labelwechsel in seltsam ahnungslosen Sprüchen im Presseinfo bemerkbar, es wird schwadroniert, „der Hardcore feiert mit CEREMONY seine Wiederauferstehung“.

Äh ... ja klar. Und von einem „Manifest des modernen Hardcore“ ist da die Rede. Nun ja. In einer Welt, in der LA DISPUTE ernsthaft als „Zukunft des Hardcore“ bezeichnet werden, mag man solche Sätze äußern können, auch wenn die sinnfrei sind.

„Zoo“ wurde produziert von John Goodmanson, der unter anderem auch BIKINI KILL, PAVEMENT und DEATH CAB FOR CUTIE aufgenommen hat, und er hat CEREMONY einen seltsam luftigen, aber auch recht trägen Sound verpasst, mit dem sich die Band in der Tat von jeder Hardcore-Knalligkeit verabschiedet hat und eher im Midtempo-Bereich, ja, herumeiert.

„Zoo“ ist ein durchaus interessantes Album, aber auch ein recht spannungsarmes, gleichförmiges, was auf Ross’ Gesang zurückzuführen ist. Ross leiert hier beinahe schon Johnny Rotten-like mit verzerrter Stimme herum, und das übt eine gewisse Faszination aus, ermüdet aber über die Dauer der zwölf Songs auch etwas.

Ein Geniestreich wie FUCKED UP mit „David Comes To Life“ ist CEREMONY nicht gelungen, aber zumindest ein neue Wege aufzeigendes Album, mit dem die Band sich live wird beweisen müssen. „Video“ etwa könnte auch da Gänsehaut verursachen, ist ein gelungener Versuch, sich an JOY DIVISION heranzuschleichen.