HATEBREED

The Divinity Of Purpose

Auch abseits des Mainstreams gibt es Superstars. In der Metalcore-Szene sind das eindeutig HATEBREED. Seit ihrer Gründung 1994 gehören sie zu den erfolg- und einflussreichsten Bands des Genres. Frei nach dem Motto „haters gonna hate“ stößt man mit Grammy-Nominierungen und Major-Plattendeals in der Anti-Everything-Subkultur jedoch nicht nur auf Zuspruch.

Erfolg schadet der Credibility und so was, weiß ja jeder, ist gleichbedeutend mit Sellout. Entgegen allen Vorwürfen legen die Herren aus Connecticut jedoch viel Wert darauf, ihren Wurzeln treu zu bleiben.

So ist die Entwicklung vom ersten Album „Satisfaction Is The Death Of Desire“ (1997) bis zum mittlerweile sechsten Studioalbum, exklusive dem Coveralbum „For The Lions“, doch eine klar nachvollziehbare.

Nur mit dem selbstbetitelten Vorgänger ist man rückblickend nicht so zufrieden beziehungsweise mit der Reaktion der Fans. Die konnten nämlich mit dem etwas melodischeren Sound nicht so viel anfangen, wobei „melodisch“ bei HATEBREED natürlich ein dehnbarer Begriff ist.

Auf dem neuen Album beugt sich die Band nach eigenen Aussagen dem Willen ihrer Hörer und verzichtet weitestgehend auf Experimente, stattdessen gibt es das volle Brett. Und an dieser Stelle könnte man eigentlich mit einem beliebigen Review eines ihrer anderen Alben fortfahren.

HATEBREED machen kein Geheimnis daraus, dass sie versuchen, möglichst wenig an ihrem Sound zu ändern und sich bei neuen Songs sehr an den bereits veröffentlichten Alben orientieren. Für manche Bands ist das das Todesurteil, für die Band um Alphamännchen Jamey Jasta ist jedoch genau das ihr Erfolgsrezept.

Mit „Put it to the torch“ gibt es gleich einen knackigen Opener, der mit voller Geschwindigkeit und ohne Umwege nach vorne geht. Songs wie „Own your world“ und „Bitter truth“ stehen mit ihren Breakdownparts, Gangshouts und eingestreuten metallastigen Riffs exemplarisch für HATEBREEDs Musik und eben auch für dieses Album.

Aber ein bisschen Melodie hat sich vor allem in der Mitte des Albums doch eingeschlichen. Tatsächlich hebt sich gerade der Titelsong mit seinem etwas gedrosselten Tempo und den Sprechparts von Jamey ziemlich von den anderen Songs ab.

Ich finde ja, dass der Gute nicht nur jeden Gegner an die Wand shouten kann, sondern auch sonst eine gute Stimme hat, und freue mich somit über jedes gesungene Wort. Von der gewohnten Aggression der Band geht dabei nichts verloren.

Auch textlich gibt man sich kämpferisch wie eh und je. Zeilen wie „Sometimes standing for what you believe means standing alone“ oder „End the fight before the fight ends you“ sind nicht gerade der Gipfel der Tiefgründigkeit, aber verdeutlichen gut, wofür HATEBREED stehen.

Irgendwie ist also alles beim Alten im „HATEBREED-Land“, aber weit entfernt von Stillstand. Bei jedem Durchgang entdecke ich neue Aspekte an den Songs und die Momente, in denen ich denke „Ja, Mann!“.

Mit „The Divinity Of Purpose“ haben die Metalcore-Urgesteine ein dynamisches Album geschaffen, das einen in einer halben Stunde komplett überrollt. Es mag beim ersten Hören nicht gleich außergewöhnlich klingen, aber es wächst, Freunde, es wächst ...