JÓHANN JÓHANNSSON

Prisoners

Für knapp vierzig Minuten war man bei Denis Villeneuves Film „Prisoners“ aufgrund seiner bedrückenden Intensität und den dazugehörigen düsteren Bildern gewillt, die Meisterwerk-Karte zu zücken, bevor das Ganze dann in einem Mahlstrom aus schwachsinnigen Drehbucheinfällen unterging.

Was für eine Enttäuschung! Normalerweise habe ich immer viel übrig für interessante Filmmusik, die des Isländers Jóhann Jóhannsson – dessen beide auf 4AD erschienene Platten „IBM 1401, A User’s Manual“ und „Fordlandia“ ich in der Vergangenheit sehr gelobt hatte – ging anscheinend vor lauter Ärger über den geballten Unsinn von „Prisoners“ unter.

Allerdings handelt es sich auch nicht um die stärkste Arbeit des Neo-Klassik-Komponisten, der dabei allzu sehr zu elegischen, recht repetitiven Arrangements neigt, die echte Höhepunkte vermissen lassen.

Jóhannsson unterwirft sich deutlich den Vorgaben des Films, was zwar zu äußerst atmosphärischen aber nur bedingt charakteristischen Ergebnissen führt, ein Problem der meisten größeren Hollywood-Produktionen.

Zumindest gibt es bei „Prisoners“ jetzt wenigstens doch noch etwas, an das ich mich gerne erinnere. Eine CD-Version des Soundtrack gibt es ebenfalls, die ich jederzeit vorziehen würde, denn bei dermaßen ruhiger Musik treibt einen auch nur der kleinste Knackser sofort in den Wahnsinn.