MUTTER

Text und Musik

Die wilden, zornigen Zeiten scheinen für MUTTER mit dem neuen Album „Text und Musik“ endgültig vorbei zu sein. Live waren sie schon davor eine Enttäuschung, dann bitte gleich einen Laden mit Bestuhlung buchen.

Vor zwei Jahren beim Vorgänger „Mein kleiner Krieg“ gingen mir allerdings noch Begriffe wie Noiserock und sogar Punk über die Lippen, auf „Text und Musik“ kommen einem solche Assoziationen erst beim neunten, letzten Track.

Radikalität ist einem lyrischen Diskurspop gewichen, der nicht ganz das schlagerhafte Grauen von Jochen Distelmeyer erreicht, aber sich sehr deutlich Max Müllers – Sänger und Bandkopf, und neben Schlagzeuger Florian Koerner von Gustorf das einzige verbliebene Urmitglied – Bemühen unterordnet, MUTTER zur gepflegten Popband mit barockem Anstrich und nachdenklichen, empfindsamen Texten zu machen.

Das mag jetzt gehässiger klingen, als es eigentlich gemeint ist, denn im Gegensatz zu anderen um künstlerischen Anspruch bemühten deutschen Liedermachern kann ich MUTTER auch in dieser weichgespülten Form noch einiges abgewinnen.

Die Beschäftigung mit Müllers Texten lohnt sich eigentlich immer, und auch musikalisch haben MUTTER noch einiges zu bieten, wie etwa beim tollen, knapp siebenminütigen Instrumentalstück „Qui?“.

Früher kamen MUTTER vorbei, um ordentlich Radau zu machen, heute wollen sie lieber deine Seele streicheln, und auch das ist eigentlich völlig okay.