VIOLENT FEMMES

We Can Do Anything

Eine aus Zeiten des 2000 erschienenen VIOLENT FEMMES-Albums „Freak Magnet“ stammende Live-Coverversion des Dylan-Songs „Positively 4th Street“ kündigte Bassist Brian Ritchie damals mit den weisen Worten an: „We are never to old to rock’n’roll ...

and if you suck, being young ain’t gonna help you.“ „Freak Magnet“ war das bis dahin letzte Album der Femmes, das schon 1998 erscheinen sollte, doch die Band wurde vom Label Interscope vor die Tür gesetzt.

Bedauerlich, denn nach dem extrem schwachen Werk „Rock!!!!!“ von 1995 hatten die Femmes mit „Freak Magnet“ beinahe wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Teilweise klang man sogar regelrecht RAMONES-artig, passend zum Stempel „Folk Punk“, der der Band seit ihrer Gründung Anfang der Achtziger aufgedrückt wurde.

Nach nahezu 16-jähriger Sendepause haben Ritchie und Sänger/Gitarrist/Songwriter Gordon Gano (der ursprüngliche Drummer Victor DeLorenzo stieg 2013 aus) jetzt mit „We Can Do Anything“ tatsächlich ein neues Album eingespielt.

Aufgelöst waren die Femmes allerdings nie, trotz einer kleineren Pause zwischen 2009 und 2013. Auch wenn es 2007 so ausgesehen hatte, als ob ein Rechtsstreit zwischen Ritchie und Gano wegen der Nutzung des Songs „Blister in the sun“ durch die Schnellrestaurant-Kette Wendy’s den Femmes endgültig den Todesstoß versetzt hätte, der erst zwei Jahre später für ein kurzzeitiges Ende der Band sorgte.

„We Can Do Anything“ hört man solche persönlichen Differenzen jedenfalls nicht an. Gleichzeitig haben sich die beiden Ur-Femmes und der neue Schlagzeuger John Sparrow wieder auf die Qualitäten ihres bahnbrechenden selbstbetitelten Debüts von 1983 besonnen.

Das gilt inzwischen als eine der besten Platten der Achtziger, mit der die Femmes in den Augen einiger Kritiker klassischen Rock’n’Roll quasi neu erfunden haben. Darauf klang man zwar aufgrund des akustischen Sparinstrumentariums mehr wie eine amateurhafte Folk-Band als eine ernsthafte Rock-Combo (deswegen auch das Punk-Etikett), sorgte aber für einen sofort wiedererkennbaren Sound und grandiose Songs wie eben „Blister in the sun“.

Die weitere, acht Alben umfassende Karriere der Femmes war dann eine nicht immer erfolgreiche Selbstfindungs-Odyssee. So waren die beiden direkten Nachfolger, „Hallowed Ground“ (1984) und „The Blind Leading The Naked“ (1986), kreativ unbefriedigende Versuche, plötzlich wie eine richtige Band klingen zu wollen.

Ein Fehler, den man mit dem schwer unterschätzten vierten Album „3“ (1989) dann glücklicherweise revidierte. Ritchies Aussage „We are never to old to rock’n’roll ...“ scheint jedenfalls immer noch Bestand zu haben, denn der spezielle Femmes-Charme ist auch auf dem neunten Album „We Can Do Anything“ erhalten geblieben, ohne dabei allerdings die songwriterische Brillanz des Debüts zu erreichen.