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California über alles

"California über alles - Dead Kennedys Wie alles begann" ist das erste umfassende Buch über die DEAD KENNEDYS. Es konzentriert sich auf die Gründungs­phase der Band in der Szene von San Francisco bis zum Erscheinen des ersten Albums "Fresh Fruit For Rotting Vegetables". Autor Alex Ogg sprach dafür mit vielen Zeitzeugen.

 

Kochen ohne Knochen

Das Ox-Kochbuch 5 & Kochen Ohne Knochen #23

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Kochen ohne Knochen #23: Die neue Ausgabe des veganen Magazins ist jetzt im Handel und bei uns erhältlich.

 

Webreviews

2 BACK TO BLACK
Remember And Follow

CD // 26:13 // Ein Trio aus Berlin, das wohl schon zwölf Jahre existiert. Der Sänger lebte von 1973 bis 1980 in England und Schottland, was musikalisch nicht unentdeckt bleibt. Schräg angelegte punkartige Vocals kommen einem entgegen, was kurzzeitig Vorfreude auslöst. Auf mich wirkt aber alles unrund und fast völlig uninspiriert. Es plätschert einfach so dahin. Punk-Gesang auf Stampfrock Rhythmus, wo ich echt nicht mitmuss. Acht Songs sind es beim verspäteten Debüt dann insgesamt geworden, schade, dass mir gerade nicht einfällt, wem ich das wirklich empfehlen kann ...
Markus Franz (4)


1000 GRAM
Dances

CD // Fixe // www.www.fixerecords.com // 44:00 // Als ganz hübsch, aber ausbaufähig habe ich das Debütalbum des deutsch-schwedischen Projektes 1000 GRAM von Ende 2012 im Kopf. Mit dem Nachfolger laden die Musiker um Mastermind Moritz Lieberkühn jetzt zumindest dem Titel nach auf die Tanzfläche. Geboten wird der bereits bekannte Indiepop mit Hang zu Hymnen und manchmal auch zur Melancholie. Ein halb-veritabler Punk-Ausbruch wie „I’d pilgrim to anything“ tritt hier zwar mächtig Hintern, zum Wackeln mit dem gleichnamigen lädt das Album aber auf lange Strecke nicht wirklich ein. Toll gespielt, super produziert – alles, was fehlt, ist ein kleines bisschen Seele.
Arne Ivers (5)


16 HORSEPOWER
Hoarse

CD // Glitterhouse // www.www.glitterhouse.com // 52:36 // Im Jahr 2000 erschien mit „Secret Youth“ das dritte Studioalbum von 16 HORSEPOWER auf Glitterhouse, während die beiden Vorgänger noch beim Major A&M veröffentlicht wurden. Im selben Jahr folgte auch die Live-Platte „Hoarse“, zuerst nur als „Mailorder only“-Veröffentlichung, einige Monate später dann auch als regulärer Release. Mitgeschnitten wurde „Hoarse“ allerdings schon 1998, also noch vor „Secret Youth“, und enthält deshalb nur Songs der ersten beiden Platten „Sackcloth ’n’ Ashes“ und „Low Estate“ sowie der Debüt-EP von 1995. Die Ausnahmestellung der Band im Americana- beziehungsweise Alternative-Country-Bereich ebenso wie ihre Live-Qualitäten zeigen sich auf „Hoarse“ bereits deutlich, denn 16 HORSEPOWER erreichen dabei eine düstere Intensität, die im Bereich Folk und Country nicht weit verbreitet war. Besonderen Eindruck hinterlassen hier die drei Coverversionen: „Bad moon rising“ von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL bekommt ein schmerzhaft verzerrtes Update, mit „Fire spirit“ von GUN CLUB verbeugen sich 16 HORSEPOWER vor einem ihrer Haupteinflüsse, gefolgt von „Day of the lords“ von JOY DIVISION in einer beeindruckenden Version. Die just erschienene Neuauflage soll remastert sein (mag sein ...), besitzt ein leicht verändertes Artwork, aber keinerlei Bonustracks. Also nichts, was einen Neukauf rechtfertigen würde, eine klasse Live-Platte ist „Hoarse“ allerdings nach wie vor.
Thomas Kerpen (8)


AISLERS SET
How I Learned To Write Backwards

CD // Suicide Squeeze // www.www.suicidesqueeze.net[/url] // 31:07 // Wenn ich Sommermusik im Herbst/Winter höre, bekomme ich immer kalte Füße. Das ist alles andere als angenehm. Und der flirrende Twee Pop des dritten AISLERS SET-Albums, 2003 veröffentlicht, lange vergriffen und nun endlich wieder neu aufgelegt, ist nun mal nichts für die kälteren Jahreszeiten, sondern rein musikalisch gesehen eher die passende Untermalung für Spaziergänge durch einen warmen Frühlingsregen. Für die Bay Area, Homebase der Band, also nahezu immer passend. Aber im tristen Herbst-Winter-D? Klingt das Album auch nach dem x-ten Hördurchgang schwer, unterkühlt und unsagbar traurig. Und bei näherer Betrachtung der Texte soll das auch so sein. „At the end of the day the hours seem arbitrary after whiskey wine and apathy have their way“? Melancholie bis zum Nicht-mehr-aus-dem-Bett-aufstehen-Wollen, zwar auf ihre ganz eigene Weise schön, wirkt aber definitiv stark depressionsfördernd.
Anke Kalau (7)


ABYSMAL DAWN
Obsolescence

CD // Relapse // www.www.relapse.com // 48:00 // Auch auf ihrem vierten Album präsentieren sich ABYSMAL DAWN als eher ungewöhnliche Relapse-Band – schlicht und einfach, weil an ihnen nichts ungewöhnlich ist. „Obsolescence“ ist ein Death-Metal-Album, nicht mehr und nicht weniger. Grenzen werden keine ausgelotet. Sicher, das ist alles technisch, brutal und auch düster eingeschwärzt. Nur eben nicht auf eine Art, die 2014 noch als bahnbrechend durchgehen würde. Auch das Songwriting ist unspektakulär, die relevanten Standards werden aber alle zur Zufriedenheit erfüllt und letztlich ist das Album durchaus abwechslungsreich und qualitativ hochwertig.
Andreas Kuhlmann (6)


POPPY ACKROYD
Feathers

CD // Denovali // www.www.denovali.com[/url] // 40:54 // Die zweite Veröffentlichung der schottischen Pianistin und Violinistin Poppy Ackroyd verweigert sich jeglicher Dissonanz, um eine fragile Idee von Größe spürbar zu machen. Dadurch eignet sich die Musik für das Kinematografische, wie in der Zusammenarbeit mit dem Videokünstler Lumen auf „Escapement Visualised“ kongenial ersichtlich wird. Ihre groß angelegten Kompositionen drängen in die Natur, in epische Landschaften und ozeanische Weiten. Dabei sind die Stücke gar nicht überladen arrangiert, basieren sie doch in großen Teilen auf Geige und Klavier, unterlegt von perkussiven Momenten. In weiten Teilen der Kulturlandschaft wird der Rezipient immer wieder in die Verantwortung genommen, indem der/die Kunstschaffende das Werk zur Interpretation freigibt. Dadurch dass Poppy Ackroyd jedoch kaum andere Assoziationen zulässt als immense Erhabenheit, wird „Feathers“ eingeengt und macht diese ausladende Breitwand-Musik paradoxerweise kleiner als sie ist.
Henrik Beeke (6)


ALT-J
This Is All Yours

CD // PIAS // www.www.pias.com // 64:33 // Kaum eine Band hat es in den letzten Jahren geschafft, einen ähnlich eigenständigen Sound zu kreieren. Man muss ALT-J nicht mögen, aber die Mischung aus HipHop-Beats, Folk, einer ungewöhnlichen Instrumentierung und dem eigenwilligen Gesang steht in der aktuellen Musiklandschaft schon allein da. Der – aktuell – Dreier aus Leeds versucht nun mit „This Is All Yours“ den Anschluss ans Debüt zu bekommen. Bereits das kraftvolle Intro legt die Messlatte hoch, doch auf Albumlänge fehlt „This Is All Yours“ leider der Aspekt des Neuen, der das Debüt ausmachte. Klar ist Album Nummer zwei immer noch toll, aber die Überraschungen im Sound bleiben logischerweise aus. Insgesamt ist die Platte ruhiger und gefälliger, das Hakenschlagen von „An Awesome Wave“ fehlt ein bisschen. Nichtsdestotrotz finden sich auch auf dem neuen Album die ALT-J-Trademarks, wie zum Beispiel der polternde Knarzbass des großartigen „Every other freckle“, das sich durchaus mit „Fitzpleasure“ messen kann. Kann man machen.
Michael Schramm (7)


APHEX TWIN
Syro

CD // Warp // www.www.warp.net // 64:38 // Mit APHEX TWIN-Alben verhält es sich wie mit Heizkosten-Erstattungen: Es gibt sie nur alle Jubeljahre, aber wenn, dann freut man sich drüber. Und so ist auch „Syro“ mit dem typischen APHEX-TWIN-Soundkosmos ein herrlicher Anachronismus in Zeit von Brostep und Deep House. Denn verändert hat Richard D. James auf dem neuem Album eigentlich nichts. Auch „Syro“ ist nicht wirklich tanzbar und dennoch wie viele APHEX-TWIN-Alben eine Blaupause elektronischer Tanzmusik: Anders als in anderen Genres, ist der Bass das primäre Melodieinstrument – die flächigen Höhensounds sind nur der Sidekick für den APHEX-TWIN-typischen Klöterbass in TB-303-Manier. Nicht nur in der eigenwilligen Gestaltung der CD-Hülle blitzt dabei James’ skurriler Humor hervor, auch das geil-stumpfe „180db“ kann man nicht wirklich ernst nehmen. Ansonsten finden sich auf dem Album gewohnte Acid-Eskapaden („Circlont6a“), nostalgisch-veraltete Jungle-Beats und zu guter Letzt auch noch der obligatorische Ambient-Track. Wer mehr Aufregung will, greift zu NERO’S DAY AT DISNEYLAND, mehr Ambient gibt’s bei BOARDS OF CANADA, eine Mischung aus beidem bei THE FLASHBULB. Ansonsten: runde Sache.
Michael Schramm (8)


ASSMATIX
The Ex-Generation

CD // www.www.assmatix.de // 41:30 // Es fängt mit einem für straighten Punkrock – um den es sich hier definitiv handelt – coolen Riff an, bedient sich dann aber dazu sowohl am ALL BORO KINGS-Saxophon als auch an LIBERTINES-Indiepop-Gitarrenriffs. Als bei „Spaßbremser“ dann auch noch in die Offbeat-Schublade gegriffen wird, stellen sich dann leider auch die letzten noch liegenden Nackenhaare auf. Meine Vermutung, warum die Dortmunder seit über zwölf Jahren auf der Suche nach „dem Durchbruch“ sind und bleiben, ist, dass ein roter Faden fehlt. Sprich: auch wenn die Bandmitglieder aus sämtlichen Ecken wie Asi-Punk (IDIOTS), Reggae und Salsa sowie Heavy-Rock kommen, ist weniger oft mehr, nämlich der eingangs genannte straighte Punkrock.
Fabian Schulenkorf (5)


ANAAL NATHRAKH
Desideratum

CD // Metal Blade // www.www.metalblade.de // 41:11 // Ein klein wenig hat man das Gefühl, dass ANAAL NATHRAKH seit „In The Constellation Of The Black Widow“ zwar unangefochten den Extrem-Metal-Thron innehaben, aber seitdem musikalisch keine größeren Veränderungen wagen. Aber das ist auf dem vorgelegten Niveau okay und es sei der Band um BENEDICTION-Sänger Dave Hunt und den Ex-MISTRESS-Gitarristen Mick Kenney vergönnt, ihre zunehmende Popularität auch auf der Bühne auszukosten. ANAAL NATHRAKH liefern natürlich auch auf „Desideratum“ schwerst psychotischen Stoff, der vom mittlerweile unverwechselbaren und irgendwie bei allem Chaos doch melodischen Uptempo-Riffing Kenneys getragen wird, während Mr. Hunt den Irren par excellence abgibt und sich durch die Songs growlt, kreischt, windet und doch nebenbei jeden Refrain zu einer Hymne umgestaltet. Das Vorgehen ist hinlänglich bekannt, effektiv und Markenzeichen der Band. Aber Halt, ANAAL NATHRAKH sind diesmal eine Kollaboration mit Gore Tech eingegangen, der einen erheblichen Elektro-Anteil zu „Desideratum“ beigesteuert hat. Das wird die Seele des Metal-Puristen nicht gutheißen, da die Band aber sowieso Offenheit erfordert, wird man nicht nur auf Ablehnung gegenüber den brutalen Tastenklängen stoßen.
Ollie Fröhlich (8)


AMERICAN HI-FI
Blood & Lemonade

CD // Rude // www.ruderecorz.com // Erinnert sich jemand an die glorreichen Teenie-Movie-Tage? Als Streifen wie „American Pie“ die Kinosäle füllten? Jeder möchte jetzt am liebsten abwinkend. Insgeheim müssen sich aber alle, die um die Jahrtausendwende in der Pubertät oder in ihren Teenagerjahren waren, beschämt eingestehen, dass die Filmreihe auch sie in irgendeiner Form tangiert hat. Filme, die den realitätsfernen Wunsch nach einer Jugend in den Staaten nur untermauerten und zeitweise anfachten. Und sei es nur durch den Soundtrack, durch den Bands wie BLINK-182 oder SUM 41 einen weiteren Popularitätsschub bekamen. Schon damals in zweiter Riege des Soundtracks befanden sich AMERICAN HI-FI. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur dass sie 15 Jahre älter sind. Mit aller Herzensgüte kombiniert die Band in ihrer Wahlheimat Los Angelos jedoch weiterhin durchschnittlichen, catchy Pop-Punk mit austauschbaren „The Girl Next Door“-Texten. Ein Anflug von Alternative Rock, der in seinen besten Momenten an die weichgespülten FOO FIGHTERS erinnert. Am Ende ist „Blood & Lemonade“ ein hochglanzpoliertes, breitbeiniges Rockalbum, das mit Songs wie „Armageddon days“ keinen Rhetorikwettbewerb gewinnen und auch nicht den letzten aller Teenie-Filme (mit Endzeitstimmung) begleiten dürfte. Bleibt noch zu sagen, dass drei Viertel dieser Bande die Miley Cirus-Backingband stellen. Enough said!
Alex Schlage (5)


AVEC LE SOLEIL SORTANT DE SA BOUCHE
Zubberdust!

CD // Constellation // www.cstrecords.com // 45:53 // Bei aller Sympathie für Instrumental- beziehungsweise Post-Rock muss man auch in diesem Bereich feststellen, dass schon jeder kompositorische Kniff mehrmals gedreht und gewendet wurde und das Genre zu einer Spielweise für technisch versierte Langweiler geworden ist. Was tun also AVEC LE SOLEIL SORTANT DE SA BOUCHE, um ihren Beitrag mit dem putzigen Titel „Zubberdust!“ zu rechtfertigen? Zum einen handelt es sich hier um die Nachfolger von FLY PAN AM um Jean-Sébastien Truchy, eine der frühen Bands des kanadischen Constellation-Labels, die bereits reichlich Erfahrung in diesem Bereich sammeln konnten. Zum anderen hat Truchy die zehn Stücke, die mehr als durchlaufende Komposition funktionieren, mit einer sehr rhythmischen, leicht afrikanisch anmutenden Basis versehen, hinzu kommen zum Teil Indianer-artige Chöre und sphärische Synthiesounds. Die energetische Dynamik von „Zubberdust!“ ist dabei nicht von der Hand zu weisen, denn das Album ist ohne große Atempausen in ständiger Bewegung und fügt Post-Rock eine funky Ebene hinzu. Erst sehr spät fällt auf, woran einen das erinnert, nämlich an die TALKING HEADS und ihre exotische Aneignung von Post-Punk und New Wave. Letztendlich geht es Truchy aber nicht um klassisches Songwriting, sondern möglichst komplexe Schichtungen von Sounds und Noise. Das Post-Rock-Genre erfindet Truchy damit nicht neu, aber „Zubberdust!“ ist jederzeit ein kunstvoll umgesetzter klanglicher Hochgenuss.
Thomas Kerpen (8)


BAD ADVICE
You Suck!

CD // www.bad-advice.de // 8:08 // Zunächst war ich abgeschreckt durch das aufdringliche, pubertäre Cover, musste meinen ersten Eindruck jedoch schnell revidieren. Die drei Herren aus Leipzig liefern auf ihrer ersten, komplett in Eigenregie produzierten EP drei gelungene Songs ab. Mit ihrem energetischen Skatepunk, der bei „Chokeslam“ auch mit einigen Ska-Melodien garniert wird, können die Sachsen auf ganzer Linie überzeugen. Denn der rotzige Gesang in Kombination mit dem akkurat gespielten Instrumentartium passt perfekt zusammen. Jedoch finden sich wie gesagt nur drei Songs auf der EP ... leider. Also in Zukunft bitte mehr davon!
André Hertel (7)


THE BEEMEENEE BEES
We Work For Honey

CD // Hellskitchen // www.hellskitchen.com // 30:40// Nur zwei Songs hat die Band selbst komponiert, dennoch bin ich fern davon, mich in die Schämzelle zu begeben, denn die Scheibe bringt bluesigen Rockabilly ins Haus, der mir sehr zu gefallen weiß! Das hampelige Element fällt endlich mal weg, man ist schier angehalten, den Texten zu lauschen oder wenigstens den Fähigkeiten von Sängerin Martina K. Dass sie sich große Mühe gegeben haben, ist erkennbar und diese trägt auch Früchte, Cashs trauriges „Hurt“ schwungvoll abzuliefern, wagt auch nicht jeder, aber gerade neue Wege braucht diese Sparte einfach. Eine sonnige, pittoreske Insel namens Oberhausen ist entstanden.
Markus Franz (7)


BERNHOLZ
How Things Are Made

CD // Anti-Ghost Moon Ray // www.antighostmoonray.com // 39:56 // Musiker, Bildhauer, Filmproduzent, Jez Bernholz ist einfach ein Macher. Und so verwundert es auch nicht weiter, dass er nahezu alles auf diesem Album selbst und alleine aufgenommen hat. Zu Hause. Nur ab und an von Gastmusikern unterstützt. Schön, aber der ganz große Wurf ist ihm auf seinem Debütalbum „How Things Are Made“ dadurch noch nicht gelungen. Plattitüden wie das Madonna-Zitat in „Austerity boy“, choralartige Einlagen und durchweg recht einfallslose bis anstrengende Gesangs- und Synthieloops lassen nie dauerhaft Hörfreude aufkommen. Schade. Da hätte man mehr draus machen können. Anke Kalau (6)


BIG SKIES
CD // Half Human Half Robot // 43:35 // Das britische Quartett BIG SKIES verbinden auf gewisse Weise den Garage-Rock der Londoner Formation THE BIRDHOUSE aus den Achtziger Jahren mit dem knarzigen Sound von JOE STRUMMER AND THE MESCALEROS, um dann noch bei der Britpop-Dynamik der frühen OASIS vorbeizuschauen. Es gibt zwar etwas zu viele der klassischen Pub-Choräle und klischeebehaftete Refrains wie „Love cuts like rock’n’roll“, aber ein Song wie „Cherry coke“ hat definitiv Druck und die nötige Euphorie, um den Hörer mitzureißen. Im Titelsong „Never going home“ gibt es dann kein Halten mehr in Sachen Britpop. Aber am Ende zieht einen die musikalische Textur der Songs nicht über die gesamte Albumlänge mit. Es bleiben ohne Frage catchy Melodien und Hooks im Kopf, aber es prägt sich über den Horizont des Kurzzeitgedächtnisses hinaus nicht weiter ein. Für eine gute EP hätte es ausgereicht.
Markus Kolodziej (6)


BEAR’S DEN
Islands

CD // Communion // www.communionmusic.co.uk // Es wird Zeit für eine Pro-und-Contra-Liste. Pro: Schöne Banjos, schöne Melodien und herzzerreißende Texte. Die dürfen gern mal „I’m so scared of losing you ...“ („Agape“) für mich singen. Contra: Was BEAR’S DEN machen, diesen karohemdsärmeligen, bärtigen, soften Folk-Rock, den gibt’s schon siebentausend Mal. Sie haben dem wenig Neues hinzuzufügen. Schöne Melodien hin oder her, aber der Verdacht, dass diese Herren auf den Erfolgszug von MUMFORD AND SONS und, etwas aktueller, MIGHTY OAKS aufspringen, schreit laut. Wenn auch nicht absichtlich. „Islands“ ist um Himmels Willen keine schlechte Platte. Aber auch um Himmels Willen keine spannende.
Julia Brummert (4)


BARON ROJO
Volumen Brutal / Metalmorfosis

CD // Cherry Red // www.cherryred.co.uk // In den frühen Achtzigern waren BARON ROJO Spaniens wichtigste Heavy-Metal-Band und feierten internationale Erfolge. Ihr zweites Album „Volumen Brutal“, das 1982 herauskam, gilt zu Recht als Klassiker des Bandkatalogs: Die vom Brüderpaar Carlos and Armando de Castro angeführte Truppe mixt darauf einen räudigen Heavy-Rock-Cocktail aus JUDAS PRIEST, THIN LIZZY, ROSE TATTOO und THE DAMNED, bei dem wohl jeder andalusische Straßenköter wuschig werden würde. Damit und Dank der Texte in Heimatsprache sind sie ihren französischen Zeitgenossen TRUST nicht unähnlich, gehen indes etwas härter zu Werke. Dabei sind BARON ROJO nicht nur was für Liebhaber kultig obskurer NWOBHM-Veröffentlichung (Nietenbewehrte-Faust-durchstößt-Wand-Cover inklusive). Denn BARON ROJO haben richtig coole Songs geschrieben, die sich prima als Soundtrack eignen, um mit dem Opel Rekord D die Landstraße entlang zu brausen. Album Nummer drei aus dem Folgejahr fällt gegenüber dem Vorgänger leicht ab. Insgesamt fehlt „Metalmorfosis“ ein wenig die Originalität und Spritzigkeit. Mit dem dynamischen Opener „Casi mi mato“, der Ballade „Siempre estas alli “ und melodischeren Stücken wie „El malo“ und „Se escapa el tiempo“ enthält die Scheibe immer noch genügend Highlights, um als überdurchschnittlich zu gelten.
Felix Mescoli (8/7)


BENEDICKTUX
Pravus Musica

CD // www.facebook.com/benedicktux // 07:26 // Finnischer Hardcore-Punk mit ordentlich Dampf dahinter, sechs Kracher in Landessprache mit einer Individuallänge von weniger als zwei Minuten, frühe TERVEET KÄDET lassen grüßen. Fette Aufnahme, fiese Stimme, alles richtig gemacht.
Björn Fischer (8)


BURGER WEEKENDS
Demo Platte

CD // www.burgerweekends.bandcamp.com // 11:33 // Ein Pop-Punk-Trio aus Osnabrück, das vermutlich den ganzen Tag die poppigen Hits der QUEERS hört, sich weitgehend von Hamburgern ernährt, Chucks trägt, die eine oder andere Sixties-Rock’n’Roll-Scheibe im Plattenschrank hat und Mädels mag, die auf die Namen Ramona oder Debra Jean hören. Die Qualität ist einem Demo entsprechend, allerdings insgesamt etwas kraft- und lustlos. Gute Ansätze sind zweifelsfrei vorhanden, aber irgendwie wirkt das doch alles vorhersehbar, konstruiert und wenig authentisch. Mit ein wenig mehr Frische, Dynamik und Eigenständigkeit könnte aber was Ordentliches aus den Dreien werden.
Axel M. Gundlach (6)


CLARENCE NEEDS GLASSES
s/t

CD // Mistletree // www.mistletreerecords.de // 10:19 // CLARENCE NEEDS GLASSES – okay, dann soll er sie bekommen. Von Clarence’ Gang bekommen wir vier Mal hektisch-ruppigen Punk-Metal-Sound mit stampfenden Drumbeats, sägenden Gitarren und im Falle von „Let’s go“ einigen gelungenen Chören, na klar, ungefiltert aufs Ohr! Ist mir alles aber noch zu unausgereift, wirkt überhastet bis übermotiviert, was hier aus den bewaldeten Tälern der Südwestpfalz kommt. Ich ahne Potenzial, höre aber noch zu viel Jugendklub- und Bikerfest-Einfluss. Fuß vom Gas und noch einmal tief durchatmen, dann wird das.
Lars Weigelt (4)


DEAD BROTHERS
Black Moose

CD // Voodoo Rhythm // www.voodoorhythm.com // 42:16 // Einer der interessantesten aktuellen Releases auf Voodoo Rhythm geht sicherlich auf das Konto der Schweizer Düsterfolkies DEAD BROTHERS. Die Gebrüder, die gar nicht verwandt sind, singen schaurige Moritaten, bedienen sich dabei eines ganz antikem Instrumentariums und können den US-Country-Blues mit schweizerischer Dudelsack-Folklore in einer ganz und gar einzigartigen Manier verbinden. Das Land, in dem das Titeltier, der Schwarze Elch lebt, ist ein Land vor unserer Zeit. Der Elch an sich ist eine Art mystisches Lebewesen, das schon vor Ankunft der Menschenbrut da war, und deren Untergang mitansehen durfte. Er hält sich in den dunkelsten Winkeln des menschlichen Bewusstseins auf. Das durch und durch romantische Album bleibt in seinen tristesten Momenten auf Augenhöhe mit den Mörderballaden der BAD SEEDS. Die Texte englisch, französisch, deutsch gesungen) haben eine metaphorische Qualität, errichten einen Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Nummer eines Albums, das einer ganz eigenen Dramaturgie folgt. Merkwürdige Musik von merkwürdigen Menschen über merkwürdige Menschen, das ist der Tenor eines der stärksten Alben des Winters 2014-2015.
Gereon Helmer (9)


DEATH KOOLAID
Vol. 1

LP // www.deathkoolaid.bandcamp.com // Man denke sich ein dämliches Psycho-Image aus, kleide sich entsprechend, nehme ein wenig ALICE IN CHAINS-Grunge, einen Gitarrensound, der an MARILYN MANSON erinnert, packe eine Sängerin obendrauf, die nach Brody Dalle klingt und fertig ist ... ein einziger Scheiß. Die Zutaten klingen schon nicht wirklich verlockend. Wenn dazu noch Songs entstehen, die über keinerlei Hooks verfügen (Ausnahme ist das halbwegs eingängige „The second rule“), teils dissonant in den Ohren schmerzen und die Gitarren dünn wie Matthias Schweighöfers Oberarme daherkommen, hat man am Ende ein Beispiel für absolute Rohstoffverschwendung. Mir tut dieses Urteil für die Band aus London sehr leid, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich mehr als enge Freunde der Combo für diese 10“ werden begeistern können.
Christian Krüger (4)


ANTHONY D’AMATO
The Shipwreck From The Shore

CD // New West // www.newwestrecords.com // Ich erwische mich dabei, „Was a time“ mitzusingen. Beim ersten Hören. Bei „Back back back“ passiert das gleiche. Anthony D’Amato schreibt Musik nach dem Prinzip „Deutscher Popschlager“. Sobald man einen Refrain einmal gehört hat, kann man schon mitsingen. Natürlich schreibt er keine tatsächlichen deutschen Popschlager, sondern einfachen Folk-Pop mit ein paar elektrischen Spielereien. D’Amato hat ein paar schwungvolle Hits wie die beiden oben genannten und ganz nette Balladen wie „Ludlow“. Das ist wenig überraschend, aber so eingängig, dass es kaum verwunderlich wäre, wenn man D’Amato ähnlich wie seinen Kollegen PASSENGER bald täglich im Radio fernab der Indie-Stationen hören würde. Ich jedenfalls wäre bereit – das Mitsingen klappt schon ziemlich gut.
Julia Brummert (6)


DICK VENOM & THE TERRORTONES
The Monster Pussy Sessions

CD // www.jailhousemorgue.com // 13:00 // Neue 5-Track-Scheibe, die es auch als Download und Tape gibt. Die Band aus Nottingham wandelt schwer auf den Pfaden der CRAMPS. Von allem ein bisschen, Rockabilly, Psychobilly und blutgetränkter Horrorpunk. Weder durch diese CD noch beim Sichten bewegter Live-Performance im Netz verspüre ich jedoch allzu große Gelüste, mich in die Schar der Huldiger einzureihen. Seltsam, aber so steht es geschrieben und fehlbar bin ich auch.
Markus Franz (5)


DOWN TO THIS
Relentless

CD // Swell Creek // www.swellcreek.de // 17:53 // Wenn es so etwas wie eine Standard-Issue-Hardcore-EP des Jahres 2014 gibt, dann ist es für mich „Relentless“. Es gibt Doublebass-Parts à la FULL BLOWN CHAOS, schnelles Riffing à la TERROR und auch mal Singalongs à la SICK OF IT ALL – aber richtig geil gemacht ist nichts davon. Die Bassdrum wummert gern mal alles in Grund und Boden, bei den Gitarren hat man permanent das Gefühl, dass die eine oder andere Idee mehr doch ganz cool gewesen wäre, und die Texte sind dermaßen allgemein gehalten, dass es niemandem ernsthaft etwas geben kann. Insgesamt ist das so klischeehaft, dass es eigentlich eine Parodie sein müsste.
Andreas Kuhlmann (5)

THE DEAD SOUTH
Good Company

CD // Devil Duck // www.devilduckrecords.de // 47:48 // Dieses dominante Banjo im Opener „Long gone“ ist ja gar nicht meins, und ich befürchtete schon, dass mich dieses Gleichmacherinstrument das ganze Album lang begleitet. Aber dem ist nicht so, und „Good Company“ entwickelt sich zu einem abwechslungsreichen Album, an dem mir die getrageneren Titel („Recap“) viel besser gefallen als die Bluegrass-mäßig durchgejagten, mit denen ich nicht warm werden kann und die mich eher nervös machen. Sollte diese Band jedoch jemals einen Hit haben, es muss „In hell I’ll be in good company“ sein: Die Gewissheit, dass solche Lieder geschrieben werden, macht mich glücklich.
Myron Tsakas


DEATH WOLF
III: Östergötland

CD // Century Media // www.centurymediarecords.com // 42:18 // MARDUK-Gitarrist Morgan Håkansson von geht mit seiner 2011 gegründeten Band DEATH WOLF nun in die dritte Runde. Vom anfänglichen Ziel, als SAMHAIN/MISFITS-Tribute-Band durch die Lande zu ziehen, hat man sich schnell verabschiedet und spielt vielmehr eine Stilmischung aus allem, was düster ist: Horrorpunk, Hardcore, Doom, Death/Thrash. Allerdings sind die zwölf Songs meist recht simpel und bieten kaum Abwechslung – eine logische, aber wenig aufregende Weiterentwicklung. Zwar zünden vor allen Dingen die flotten Nummern, der Rest des Materials besitzt dagegen kaum Wiederhörwert und ist somit nur hartgesottenen DEATH WOLF/DEVIL’S WHOREHOUSE-Fans zu empfehlen.
Arndt Aldenhoven (5)


DEECRACKS
Adderall

CD // Delete Your Favorite // www.deleteyourfavoriterecords.com // Der Titeltrack ist die Singleauskopplung des neuen Albums „Beyond Medication“ auf Monster Zero. Wie immer erleben wir von den Kärntner Wienern Kettensägenpunk mit Reibeisen-Bassgesang. Die zwei neuen Lieder echoen engagiert die Verzweiflung der modernen Jugend, während die hohe Qualität der akustischen Neuaufnahme von „Beach 90“ (die Strandanspielung wird am Ende aufgelöst) nach den sporadischen Unplugged-Auftritten der Band in keiner Weise überrascht und kein Einzelfall bleiben darf.
Walmaul (8)


HOWARD EYNON
So What If I’m Standing In Apricot Jam

CD // Fire // www.firerecords.com // 44:02 // Der musikalische Output von Howard Eynon ist gelinde gesagt überschaubar. Eine einzige Langspielplatte brachte der Singer/Songwriter in den Siebzigern heraus, danach war und ist bis heute Sendepause. Eynon, geboren in Cambridgeshire, verschlug es in jungen Jahren nach Tasmanien, wohin seine Eltern auswanderten. Dort zog es ihn zunächst zum Theater, Howard nahm Schauspielunterricht und konnte mit namhaften australischen Ensembles eine kleine Karriere beginnen, der Höhepunkt war gewiss 1978 eine Nebenrolle im Blockbuster „Mad Max“. Neben seiner Schauspieltätigkeit widmete sich Eynon aber auch dem Songwriting, er spielte seit den frühen Siebzigern nahezu wöchentlich auf kleinen Bühnen, entweder Theater oder seine seltsamen eigenen Songs. Psychedelische Folksongs auf Augenhöhe mit Giganten des Acidfolk wie Syd Barrett, Kevin Ayers oder Nick Drake, das war sein Markenzeichen Mit der Aufnahme zu „So What ...“ hat Eynon einen in Vergessenheit geratenen Meilenstein des Genres geschaffen. Ein Dutzend verschrobener Songs voller surrealem Humor, extrem eigenbrötlerische Arrangements auf der Akustikgitarre, begleitet gelegentlich von einer Geige, einem Mellotron oder auch Klavier, Flügelhorn oder Kontrabass bestimmen das 1974 aufgenommene Album, das, obwohl sträflich übersehen und vollkommen zu Unrecht in Vergessenheit geraten, zu einem der besten Werke australischer Popmusik der Siebziger gehört. Damals brachte das kleine Label Basket/Candle Records das Werk heraus, seit vierzig Jahren ist es ein heiliger Gral der Acidfolk-Bewegung. Schön, dass es nun wieder leichter zu bekommen ist, da eine Mint-Kopie des Originalalbums schon für den Wert eines gebrauchten Kleinwagens mit sechs Monaten TÜV den Besitzer wechselte.
Gereon Helmer (7)


THE EARLY GRAVE
Be Here Before You Disapppear

CD // Delete Your Favorite // www.deleteyourfavoriterecords.com // Die Franzosen THE EARLY GRAVE machen schon seit 2009 zusammen Musik und veröffentlichen nun mit „Be Here Before You Disappear“ ihr Debütalbum. Die neun Songs klingen wie eine Mischung aus Pop- und Emo-Punk und plätschern die meiste Zeit mit monotonem Gesang und wenig kreativen Gitarrenriffs vor sich hin. Dazu kommen noch die gelegentlichen Gang-Vocals, doch das Warten auf etwas Abwechslung oder Höhepunkte bleibt erfolglos.
Hannah Lang (4)


EARN YOUR SCARS
D.F.L

CD // Schizophrenic Inc. // www.schizophrenicinc.com // 30:27 // „Fight“ dürfte wohl mit das häufigste Wort in den Texten von EARN YOUR SCARS sein, gefolgt von ähnlich kampflustigen Begriffen und dem obligatorischen „fuck“. Daraus ergeben sich Texte mit den üblichen Durchhalteparolen und zahlreichen Statements zum Hardcore und seiner Szene. Allerdings muss man sich fragen: Wenn jemand laufend oberflächliche Statements zum Thema Hardcore postuliert, aber nie klar benennt, was genau er/sie darin sieht oder damit meint, wie soll man wissen, ob da überhaupt noch was dahintersteckt? Das ist schon fast wie bei Politikern. Die Aussagen erscheinen hier völlig entleert. Ich will der Band nicht vorwerfen, dass das bei ihr wirklich so ist. Es ist aber ein Phänomen, dass sie sich mit vielen anderen aktuellen Bands teilt. Mehr Mut, vielleicht auch mal anzuecken mit seinen Ansichten, aber dafür wenigstens eine klare Aussage zu haben, wäre wünschenswert. So ist bei den Texten auf jeden Fall nix zu holen, und das, obwohl man hier noch mit zwei Sängern agiert. Inzwischen ist die Band wieder auf vier Mitglieder geschrumpft. Sieht man vom Text ab, bekommt man hier eigentlich ein paar echt solide und gute Hardcore-Songs. Ich will aber nicht davon absehen, auch wenn mir die Songs und der schnarrende Bass, der in den Breaks noch so aggressiv nachhängt, gut gefallen.
David Micken (5)


DER ENDGEGNER
Showdown

CD // Ostklotz // www.ostklotz.de // 40:08/16:00 // Deutschpunk meets NDW meets Johnny Lydon, meets RAMMSTEIN ... and a little bit of KNORKATOR. Und dies alles im angehenden Ablach-Modus, das muss man erst mal hinbekommen. Berlins Comedy-Szene hat wohl Nachwuchs erhalten, bei den eintönigen Songnamen und dem hässlichen Achtziger Pac-Man-Style Cover schwante mir Böses, doch zieht der Kelch des Verrisses deutlich an DER ENDGEGNER vorbei. Weshalb das alles auf zwei CDs gepackt wurde, bleibt zwar deren Geheimnis, aber der Unterhaltungsfaktor steht eindeutig im Vordergrund und harte Riffs textlich humoristisch zu veredeln, mag ich auch durchaus mal.
Markus Franz (6)


FAUST
Just Us

CD // Bureau B // www.bureau-b.com // 52:38 // In den letzten Jahren hatte man es mit zwei Inkarnationen von FAUST zu tun hat, die neben CAN oder NEU! zu den herausstechendsten Erscheinungen im Kontext von Krautrock gehören, wenn nicht sogar zu den legendärsten, das meint zumindest Julian Cope. Hans-Joachim Irmler scheint den Namen inzwischen an den Nagel gehängt zu haben und konzentriert sich auf sein Label und Studio beziehungsweise andere musikalische Kollaborationen. Weiterhin unter diesem Namen agieren die beiden FAUST-Gründungsmitglieder Jean-Hervé Peron und Zappi Diermaier, die zuletzt 2011 mit „Something Dirty“ ein recht schwaches, allzu konventionelles Album aufgenommen hatten. Mit „Just Us“ (eigentlich steht auf dem Cover nur „j US t“) knüpfen Peron und Diermaier wieder deutlicher an die wilden Klangcollagen der frühen Siebziger-Jahre-FAUST an, als der eigene Dilettantismus zur Kunstform erhoben wurde und die Band mit ihrem avantgardistischen Improvisations-Dadaismus das Publikum irritierte. Sieht man von einigen folkloristischsten Einlagen ab, agieren FAUST losgelöst von konventioneller Rockmusik und versuchen stattdessen, noch einmal herauszustellen, warum man in ihnen auch immer einen Wegbereiter von Industrial sah. Diese nihilistische Grundhaltung tut Peron und Diermaier aber sichtlich gut, denn „Just Us“ strahlt die faszinierende Anziehungskraft aus, die FAUST ursprünglich ausgemacht hat, immer versehen mit einem leichten ironischen Augenzwinkern.
Thomas Kerpen (8)


THE FALL
Live: Uurop VIII-XIII Places In Sun & Winter Son

CD // Cherry Red // www.cherryred.co.uk // 60:43 // Über die Sinnhaftigkeit von Live-Alben ließe sich hier wieder trefflich streiten, aber erstens gibt es von THE FALL schon soundtechnisch schlechtere Veröffentlichungen und zweitens. wird hier eine interessante Phase der Band abgebildet. Der üblichen Hire & Fire-Mentalität abgeschworen habend, arbeitet M.E. Smith seit 2008 mit einem festen Line-up! Neben dem Albumtitel gibt es im Inlay keine weiteren Angaben über Aufnahmeort und -zeit der einzelnen Songs, diese Informationen würden auch nur von der Musik ablenken, ein weiterer Pluspunkt. Ein guter Querschnitt von „Imperial Wax Solvent“ bis „The Remainderer EP“.
Kay Werner (8)


GUTTER ROMANCE
Reinventing Ian MacKaye

CD // www.gutterromance.bandcamp.com // 8:17 // Zweiter Streich des Folkpunk-Duos dieser beiden TUNGSTEN TIPS. Vier Lieder, wovon je eines von ADS und dem SV Babelsberg handeln. Während Sängerin Debby eigentlich Fan der Saints (FC Southampton) ist und einige Berliner Vereine ausprobiert hat, um nunmehr im Karl-Liebknecht-Stadion gelandet zu sein, steht Gitarrist Spider eher auf Cricket und Rugby, der feine Herr. Die Lieder selbst sind gut, eignen sich ohne zusätzliche Instrumente aber eher für eine Live-Aufnahme.
Walmaul (7)


GRAVENHURST
Flashlight Seasons / Black Holes In The Sand / Offerings: Lost Songs 2000-2004

CD // Warp/Rough Trade // www.warp.net // 50:34/58:34 // In diesem Jahr feiert der Singer/Songwriter, Produzent und Multi-Istrumentalist Nick Talbot aka GRAVENHURST sein zehnjähriges Jubiläum bei Warp Records. Aus diesem Anlass finden sich auf dieser umfangreichen Werkschau die beiden ersten Alben „Flashlight Seasons“ und „Black Holes In The Sand“ sowie bisher unveröffentlichte Songs aus der Zeit davor mit „Offerings: Lost Songs 2000-2004“ auf der Doppel-CD. Die Songs aus dieser Zeit stehen im Licht fragil instrumentierter LoFi-Produktion und erinnern mitunter an die frühen THE NOTWIST oder an TIED & TICKLED TRIO. Das hat seine Momente und viel Liebe zum musikalischen Detail, ist aber die Dauer etwas zu introvertiert und daher ermüdend. Die besseren Songs von Nick Talbot gab es eher auf dem 2007 veröffentlichten Album „The Western Lands“, das auf dieser Werkschau leider nicht zu finden ist.
Markus Kolodziej (6)


GO!ZILLA
Magic Weird Jack

LP // Beast // www.beastrecords.free.fr // Sie kommen nicht so wirklich aus dem Muspott, die Acid Punks aus Florenz. Ständig hofft man darauf, dass sie nun endlich mal das Gaspedal durchtreten würden, nur um dann doch wieder enttäuscht zu werden. GO!ZILLA machen einen fiesen, grungigen Sound, eine Art Stoner-Psychedelia, begehen also eher ein Neunziger-Revival als Neo-Sixties-Pfade mit einem experimentellen, sehr energetischen, aber leider eben auch zu ausufernden Sound. Durch diese immer wiederkehrende Ausgeladenheit und die diffusen, verhallten Vocals zerfahren sie ihre Songs und gute Ansätze – die es hier durchaus gibt, etwa wie im schön treibenden „Pollution“ oder dem Flowerpunk-Jangle in „Dazed dream“ – gehen in diffusen, orientierungslosen Midtempo-Bagatellen unter.
Matti Bildt (5)


HANDSOME JACK
Do What Comes Naturally

CD // Alive // www.alive-records.com // 38:43 // Etwas retro kommen HANDSOME JACK daher. Die Band gibt es seit 2004 und sie kommen aus Buffalo, NY. Nette Countryrock- und Indie-Sounds, die auf einem soliden Blues-Gerüst durch das Album laufen, sind die Grundlage für diesen mittelschnellen, manchmal sogar schleppenden Tonträger. Dabei sorgen die langsamen Tracks, die gut gesetzten Pausen und die lässigen Licks für eine Spannung, die dem Bboogie-lastigen Bluesrock guttut. Zehn Tracks, schön eckig und rauh, erinnern sogar ein wenig an den psychedelischen Bluesrock Anfang der Siebziger Jahre. Es ist nicht gerade ein Album wie „Blues From Laurel Canyon“, aber man kann die Wurzeln heraushören und fühlt sich auf eine seltsam rockige Art von einer cowboybestiefelten Musik getragen. Überraschend!
Thomas Neumann (6)


THE HOUSE OF LOVE
Live At The Lexington

CD // Cherry Red // www.cherryred.co.uk // 50:28 // Live-Platten, auch so ein ständiges Ärgernis, denn die wenigsten sind tatsächlich legendär oder notwendig und gehen im besten Fall als halbwegs akzeptable Ersatzbefriedigung für verpasste Konzerte durch. Auch „Live At The Lexington“ wird kaum in den Kanon wirklich bedeutsamer Konzertmitschnitte aufgenommen werden, aber wer Fan von THE HOUSE OF LOVE ist und für deren Konzerte nicht bis England fahren wollte, bekommt mit diesem CD/DVD-Package zumindest in Ton und Bild einen guten Eindruck von den Qualitäten der Band. Die hatte erst kürzlich nach der Neuauflage ihres exzellenten Debüts von 1988 mit „She Paints Words In Red“ ein erfreulich gutes neues Album aufgenommen und ist 2013 damit auch auf Tour gewesen. Und so liefert „Live At The Lexington“ mit 14 Stücken eine schöne Mischung aus alten und neuen Songs, darunter Hits wie „Christine“ oder „Road“, die den charakteristischen Sound der Band zwischen Britpop und Shoegaze gut auf den Punkt bringen. Wobei gerade der Opener, das rockige „Destroy the heart“ (eine Nicht-Album-Single von 1988), zeigt, wie viel Biss und Energie THE HOUSE OF LOVE heute immer noch besitzen, nicht zuletzt wegen ihres charakteristischen Frontmanns Guy Chadwick. Für den Rest der Menschheit eine wahrscheinlich nicht weiter bedeutsame Veröffentlichung, die aber als eine Art „Best Of“-Platte im Live-Gewand dennoch prächtig funktioniert.
Thomas Kerpen (7)


JIM KEAVENY
Ouf Of Time

CD // www.jimkeaveny.com // 61:30 // Im Alter von 19 hatte Jim Keaveny von seinem Studium die Nase voll und ist erstmal ein Jahr durch sein Land, die USA getrampt. Da es sich hier um das Jahr 1991 handelte, waren die alten Hobo-Zeiten lange vorbei, dennoch hat dieser Trip ihn wohl dahingehend stark beeinflusst, dass er heute musikalisch da ansetzt, wo in früheren Zeiten Ikonen wie Woody Guthrie aufgehört haben. Wir sprechen hier von höchst unterhaltsamer Country Music, die direkt von der staubigen Wüstenstraße kommt und nichts mit Nashville am Hut hat. Besonders gefallen mir die Tex-Mex Anleihen, die man von Bands wie CALEXICO oder auch GIANT SAND kennt.
Claus Wittwer (8)


KOMMANDO ELEFANT
Lass uns Realität

CD // Las Vegas // www.lasvegasrecords.de // „Erfind dich neu, pol dich um ... Du brauchst Veränderung“, fordern KOMMANDO ELEFANT auf ihrem vierten Album. Den Discoanzug wollen sie anziehen, die Melancholie über Bord werfen. Alles schön und gut, leider werfen sie auch sich selbst ein bisschen mit in die Fluten und werden stückweise davongeschwemmt. Denn vom speziellen eigenen Sound der drei Wiener, ihrem Charme, so wie ich die Band eben kennen lernte und sie auch mochte und mag, ist nicht mehr viel übrig. Klar, ein Song wie „Meer“ reißt mich, Dance-Beat hin, Elektro-Gefiepe her, durchaus mit und „Es geht immer ein bisschen schlimmer“ und das wunderbare „Zwei Herzen tief“ bringen Tiefgang, Schönheit und doch noch die vorhin erwähnte Melancholie mit, während Sänger Alf hier auch beweist, dass er das Singen nicht völlig verlernt und komplett gegen Sprechgesang ausgetauscht hat. „Lass uns Realität“ ist ein handwerklich gut gemachtes Album, hat seine Berechtigung, wird seine Hörer finden – wer FRITTENBUDE oder die Dance-Platte der STERNE mag, wird seine Freude haben – und die Band ihren Weg gehen. Ich gehe diesen Weg allerdings nur noch etappenweise mit und halte mich auf Langstrecke lieber an die alten Alben.
H.C. Roth (6)


KOOL STUFF KATIE
s/t

CD // www.koolstuffkatie.com // 26:37 // KOOL STUFF KATIE gehören nicht zu den Bands, die versuchen, ein neues, ganz innovatives und eigenständiges Genre mit ihrer Musik zu definieren. KSK greifen lieber auf lang Erprobtes und Altbewährtes zurück: Kopfnicker-Punkrock, knackiges Garagenrumpeln und poppige Synthieklänge. Von einem Duo bassfrei und auf das Wesentliche reduziert, mit recht nichtssagenden Beziehungskisten-Texten versehen und auf Platte gebannt. Das ist zwar nicht wirklich sonderlich originell, aber auch nicht unbedingt schlecht.
Anke Kalau (7)


KAAMS
One To Six

CD // Area Pirata // www.areapirata.com // Die KAAMS, eine vierköpfige Combo aus dem italienischen Bergamo, spielt frischen, druckvollen Garage-R&B und -Beat, der an ungehobelte Pubrock-Heavyweights wie DR. FEELGOOD, EDDIE & THE HOT RODS und COUNT BISHOPS ebenso erinnert wie an Sixties-Kapellen wie ROULETTES oder THE MERSEYBEATS und sich darüber hinaus an moody Jinglejangle-Eskapaden skandinavischer Garage-Counterfeits der Achtziger und Neunziger Jahre bedient. Ihr Sound ist sehr reduziert, bringt aber an den richtigen Stellen die richtigen Finessen zur Geltung und nicht zuletzt verfügen sie über einen sehr begabten Sänger, der mit seiner rauchigen Stimme dem Ganzen eine angenehm soulige Note verleiht, vergleichbar mit dem Glimmstängel-Geknödel der PEAWEES. Was den Songs stellenweise abgeht, ist die nötige Dosis Adrenalin, um sie so nach vorne zu bringen, wie es beispielsweise MUCK & THE MIRES können; so bleiben einige Tracks hinter ihrem Potenzial zurück und werden eher zu besinnlichen Feelgood-Schmusern als zu Bareknuckle-Boogie-Stompern, die sie mit etwas mehr Schmackes hätten werden können. Für das nächste Album wäre es also ratsam, entweder etwas aufzudrehen oder aber runterzuschreiben, um dann wenigstens die Schmachtfetzigkeit der zurückgelehnteren Nummern angemessen zur Geltung zu bringen.
Matti Bildt (6)


KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD
I’m In Your Mind Fuzz

CD // Heavenly // www.heavenlyrecordings.com // 42:03 // Um im Psychedelic-Bereich inmitten von allgemeiner Retro-Ödnis noch was reißen zu können, muss man sich schon was Gescheites einfallen lassen. Aber man muss ja nicht gleich ein komplettes Album einer altehrwürdigen Band wie den BEATLES einer grenzwertigen Rundumerneuerung unterziehen, wie es gerade THE FLAMING LIPS getan haben, with a little help of Miley Cyrus. BRIAN JONESTOWN MASSACRE aus San Francisco etwa setzen dabei vor allem auf Sophistication, während die Australier KING GIZZARD & THE LIZARD WIZARD eher auf extrem beschleunigte Weirdness setzen und sich dabei auch noch einen räudigen Garage-Charme erhalten haben. Der ganze, bereits im Bandnamen verankerte Wahnsinn von KING GIZZARD rauscht allerdings auch ziemlich schnell an einem vorbei, ohne dass man ihn wirklich zu fassen kriegen würde. Man hat allerdings dennoch das Gefühl, dass die Australier immer wieder zu fantastischen Kulminationen wahrhaftig psychedelischen Sounds kommen, so als ob einem jemand die ganze Zeit eine Lavalampe um die Ohren hauen würde. Am besten gefallen mir KING GIZZARD aber, wenn sie die Flöte auspacken und sich beim viel zu kurzen Song „Hot water“ vor „Ruckzuck“ von KRAFTWERK verbeugen. Ralf und Florian wären stolz auf euch ... obwohl, die mögen ihr altes Zeug ja nicht mehr.
Thomas Kerpen (6)


LOUVIN BROTHERS
My Baby’s Gone

CD // Righteous // www.cherryred.co.uk // 63:16 // Bereits dem jungen Hank Williams rannen die Tränen ins Bier, wenn er an die verflossene Liebe dachte. 1960, zehn Jahre nach Williams Tearjerker, trieben die LOUVIN BROTHERS es dann mit einer Art von Konzeptalbum zum Thema „Weltschmerz“ auf die Spitze. Zwölf tieftraurige Country/Western-Songs, die sich ausschließlich mit dem Komplex „Frau weg, Geld weg, soll ich mir die Kugel geben oder den Strick nehmen?“ befassen. Dabei gehen die Brüder, wie bereits auf dem Christen-Country-Klassiker „Satan is real“ mit gewohnter Inbrunst zur Sache. Ihre Harmoniegesänge hatten bereits die EVERLY BROTHER (und indirekt also auch die BEATLES) inspiriert, hier perfektionieren sie ihren Paargesang, dabei wirken sie manchmal schon so völlig übersteigert, wie eine Seifenoperversion des Bluegrass. Dass sie acht der zwölf wirklich starken Nummern selber geschrieben haben, zeichnet das Brüderpaar aus. Das relativ junge Label Righteous hat dieses zu Unrecht vergessene Gothic-Frühwerk ausgegraben, und um zwölf ähnlich trostlose Weltschmerznummern ergänzt. Künstler wie Porter Wagoner, Warner Mack, Eddy Arnold, Stonewall Jackson oder Claude Gray besingen die Tristesse des Verlassenwerdens, die Endgültigkeit der Trennung sowie die unbeholfenen Versuche, als Sitzengelassener die Contenance zu bewahren. Ein wahrhaft winterliches Album, das Heiterkeit und Sonnenstrahlen gleichermaßen abweist.
Gereon Helmer (7)


MASCOTS
Your Mascots / Ellpee

CD // RPM/Cherry Red // www.cherryred.co.uk // In den Sechzigern besaßen nur wenige Bands aus Schweden so ein unglaubliches Talent wie die MASCOTS. Andere namhafte Combos hingegen hatten die dicken Hits. TAGES, SHANES oder die ABBA-Vorläufer HEP STARS heimsten weitaus mehr Chartplatzierungen ein, verkauften sich unglaublich gut. Doch diese Bands waren Profi-Mucker, die MASCOTS hingegen drückten noch die Schulbank. Allerdings handelte es sich um eine der angesehensten Musikschulen des Landes, Stefan Ringbom, Anders Forsslund, Rolf Adolfsson und Gunnar Idering waren dort in der gleichen Klasse, und setzten sich dort gegen die versnobte Jazz-Schickeria durch. Ihre ersten Singles zeigen sie direkt mit beeindruckendem Songwriting und sehr starken musikalischen Fähigkeiten, ihr teils dreistimmiger Harmoniegesang, ähnlich dem der HOLLIES, ist schlich atemberaubend. Das britische Reissue-Label RPM hat nun die beiden ersten LPs der Stockholmer ausgegraben, und mit allen Singles der Jahre 1964 bis 1968 in einer umfassenden Werkschau wiederveröffentlicht. „Your Mascots“, das Albumdebüt, ist gewiss eines der stärksten Alben der Periode. Wenige andere Künstler, allenfalls die BEATLES, konnten Anfang 1964 ein Album mit ausschließlich selbst geschriebenem Material vorweisen. Man darf sich bei den Credits allerdings nicht verwirren lassen: „Fair“ ist ein Akronym aus den Nachnamen der Band! Die vier Singles der Jahre 1964 und 1965 sind bei der „Your Mascots“-CD als Bonus enthalten. Noch umfangreicher ist die Wiederauflage der „Elpee“-LP geraten, die gleich als Doppel-CD daherkommt. Zum einen gibt es auf CD1 die originale 1966er LP zu hören, auch hier wieder nur Eigengewächse der Band, ganz zeittypisch geht der Trend weg vom reinen Beat hin zu eher folkigen Nummern, Akustikgitarren stehen im Vordergrund, die Arrangements werden immer komplizierter, man merkt schon, dass „Fair“ schwer von „Rubber Soul“ beeinflusst sind. Dennoch beweisen die MASCOTS durch und durch ihre eigene Handschrift, Songs mit dieser Tiefe schrieben damals allenfalls die ZOMBIES. Was die Bonustracks betrifft, da überschlägt sich RPM förmlich: Gleich eine zweite CD liegt bei, enthalten sind die kompletten Non-Album-Tracks der Jahre 1966 bis 1968, in der Summe stolze 22 Titel! Leider, so kann man feststellen, sind die Veröffentlichungen ab 1967 nicht mehr so stark wie die frühen Beat-Nummern. Soul steht den Herren überhaupt nicht gut zu Gesicht, und auch mit psychedelischen Untertönen tun sie sich schwer. Mit ihren schwedischsprachigen Songs liefern sie sogar absolut unhörbare Totalausfälle, „Sâg mej var är blommorna“, „Sag mir, wo die Blumen sind“, ist leider eine ultrapeinliche Nummer. Allerdings ist unter den Bonus-Songs wohl auch der stärkste Song der MASCOTS, „Words enough to tell you“ hatte unbedingt das Zeug zu einem Welthit von BEATLES-Niveau, wurde allerdings unverständlicherweise nur als Flexi-Disc-Beilage einer Illustrierten veröffentlicht. Mit diesen beiden CDs jedenfalls werden die Songs der MASCOTS nun zum ersten Mal in angemessener Form komplett neuaufgelegt, das war absolut überfällig, vielen Dank, RPM!
Gereon Helmer (9/8)


MASTON
Opal Collection

CD // 360 Degree // www.360degreemusic.com // 24:50 // Die Kompilation der beiden vergriffenen (tape only) MASTON-EPs „Voyages“ und „Opal“ mit „Shadows“ zu vergleichen, käme wohl einem Sakrileg gleich. Ich mache es trotzdem, schließlich haben einige „Voyages“-Tracks es ja auch auf „Shadows“ geschafft und sind daher nicht auf „Opal Collection“ zu hören: Auch hier erzeugen Gitarren, Orgel und Percussion genial entspannte Gelassenheit mit wehmütigen Momenten. Das hätte locker ein paar Jahrzehnte früher erscheinen können – wenn Brian Wilsons psychische Probleme das nicht verhindert hätten. Einziges Manko: Der rote Faden fehlt etwas. Aber so ist das eben mit Kompilationen.
Anke Kalau (8)


MIND TRAP
Life Among Liars And Thieves

CD // Refuse // www.refusemusic.net // Ganz neutral mal gefragt: Wieso? Wieso veröffentlich man eine 7“ mit Songs, die klingen als wären sie ein Mitschnitt von einer Live-Show, es aber wohl nicht sind, sonst stünde es ja sicher dabei? Wieso nimmt man sich nicht etwas mehr Zeit und ein paar Euros oder von mir aus auch einen Austausch von Leistungen und lässt da noch mal wen ran? Wieso nimmt man eine Kopiervorlage für das Artwork, die viel zu dunkel ist, so dass man kaum etwas darauf erkennen kann? Wieso? Ich bin ja total für D.I.Y und kostengünstige, selbstorganisierte Lösungen, aber nur wegen des Vintage-Charakters und einer Liebe zum Oldschool-Style muss ich das hier trotzdem nicht gut finden. Nein, das ist nur halbherzig. Sieht man mal vom Sound ab, sind die Songs von MIND TRAP okay: straight auf die Zwölf, mit eindimensionalen Texten. Sie haben eben eine wünschenswert klare, absolut eindeutige Message. Berlin Straight Edge Hardcore, den man durchaus unterstützen kann.
David Micken (5)


NATCHNIONY TRAKTOR
Antena Singles Club

CD // Antena // www.schizophrenicinc.com // 64:00 // Die NIMBWITS sind die neue Band vom ehemaligen ARTILLERY-Schlagzeuger Carsten K. Nielsen, Dänemarks Antwort auf BAD NEWS, SPINAL TAP und ANVIL in Personalunion. NIMBWITS klingen wie Leute, die nach zwanzig oder dreißig Jahren wieder mitmischen wollen. Also setzen sie dort an, wo sie einst aufhörten, und produzieren prolligsten Asi-Punk. Die beteiligten Ex-Mitglieder von Hardcore-Bands wie ILLEGAL 80, BAD MADS und MISANTHROPIC CHARITY retten die Platte genauso wenig, wie die musikalischen Gäste von ARTILLERY, MERCYFUL FATE und KING DIAMOND (!). CD+MCD für Fans von EXPLOITED und Co.
Kent Nielsen (3)


NEW BORN HATE
Rev 6:8

CD // www.newbornhate.com // 38:48 // Respekt: Obwohl sie mittlerweile ungesignt sind, machen NEW BORN HATE auf „Rev 6.8“ einiges besser als auf dem Vorgänger. Insbesondere Riffing und Songwriting sind erheblich straffer angelegt als noch auf „Obsessed“, zudem ist der Wechselgesang der zwei Shouter spannender arrangiert und wirkt wesentlich intensiver. Das wesentlichste Manko ist zwar weiterhin, dass sie dem Oldschool-Metalcore-Sektor natürlich nicht wirklich neue Impulse geben können, aber gerade deshalb zählt hier Qualität deutlich mehr als Innovation. Fans von LIAR, DO OR DIE und Co. sollten ein Ohr riskieren.
Andreas Kuhlmann (7)


NITROGODS
Rats & Rumours

CD // www.nitrogods.de // Wer dicke Karren und billigen Whisky mag, und wem es dazu noch egal ist, ob Lemmy höchstpersönlich oder einer seiner Trilliarden Imitatoren eine neue Platte aufgenommen hat, der ist bei den NITROGODS gut aufgehoben. Wer einen Soundtrack fürs nächste Bikertreffen in Herne-Wanne sucht, ebenfalls. Im Gegensatz zum Erstlingswerk versucht sich das Trio zur Abwechslung auch am Rockabilly. Oder sollte ich lieber „vergehen“ schreiben? Dass sich der Sänger dazu noch anhört, als hätte er schlimme Verdauungsprobleme und beim BÖHSE ONKELZ-Kevin Gesangsstunden genommen, lassen die Uhr endgültig 13 schlagen. Bitte nicht!
Joni Küper (2)


NORTH ALONE
Collecting Pictures

CD // Country Bumpkin // www.northalone.de // 29:07 // Erfreuliche Entdeckung im Berliner Ramones-Museum: Neunmal Singer/Songwriter-Folkpunk in schöner Aufmachung. Klar, wenn ein Label nach einem Cal Smith-Lied benannt ist, kann man Country und Rockabilly, aber auch Folk in unterschiedlichen Ausprägungen erwarten. Die Fiedel und das Banjo, die manchmal auch bei Auftritten eingesetzt werden, erinnern ab und zu auch an Irish Folk. Richtig hymnisch und herzzerreißend traurig-schön wird der „old barking dog“, der Osnabrücker Punkrock-Hans Hartz (oder doch Johnny Cash?), durch die zahlreichen Tasteninstrumente wie Klavier, Orgel, Akkordeon und Harmonium.
Walmaul (7)


PANTHER MODERNS
Strange Heaven

CD // www.panthermodernsnyc.bandcamp.com // 29:30 // Die neue Band des HOUSE BOAT-Aushilfsbassisten Andy Conway und des STEINWAYS-Gitarristen Chris Grivet ist benannt nach einer Gang aus William Gibsons stilbildendem Cyberpunk-Klassiker „Neuromancer“. Die PANTHER MODERNS aus New York City eifern auf ihrem Debüt dem Midwest-Pop-Punk nach, indem sie Plakatives und Banalitäten des Genres zu vermeiden suchen. Sie gehen dabei jedoch sublimer zu Werke. Die elf nuancierten Melodien transportieren Rauheit, während sich die Harmonien in New Yorker Härte verbergen. Jersey Beat lobt ausdrücklich den Background-Gesang. Ein solches Lob ist üblicherweise eine Bankrotterklärung für den Sänger. Doch auch wenn Olivers Tapferkeit zuweilen schmunzeln lässt, so dient sein markanter Gesang weiterhin dem oben genannten Ziel der Verschleierung der Harmonik.
Walmaul (8)


PINK FLOYD
The Endless River

CD // Parlophone // www.pinkfloyd.com // 53:02 // Vor zehn Jahren erschien das letzte PINK FLOYD-Album „The Division Bell“, was einem aber ähnlich egal war wie alles, was diese britische Rock-Institution nach „The Wall“ von 1979 aufgenommen hatte. Letztendlich musste man PINK FLOYD immer abhängig von ihrer jeweiligen musikalischen Phase bewerten, denn etwa ihr Debüt „The Piper At The Gates Of Dawn“ mit dem damaligen Bandkopf Syd Barrett ist Lichtjahre von „The Division Bell“ entfernt. Mit „The Endless River“ haben die Briten jetzt ihren Schwanengesang veröffentlicht, denn es soll das letzte Album sein. Dabei handelt es sich auch nicht um durchgängig neues Material, sondern um Musik aus den „The Division Bell“-Sessions, woraus man damals ein Ambient-Album machen wollte. Und so ist „The Endless River“ bis auf ein Stück (neben einem Sprachsample von Stephen Hawking) ein rein instrumentales Album geworden, bei dem sich PINK FLOYD auf die atmosphärischen Elemente ihrer Musik besinnen – gerade ihr Klassiker „Wish You Were Here“ scheint dabei omnipräsent zu sein. Das mag man vorschnell als langweiligen Altherrenrock für Leute mit teuren Stereoanlagen abtun, aber abseits der Virtuosität und Perfektion der Briten sorgen gerade David Gilmours kunstvolle Gitarrenarbeit und Richard Wrights Keyboard- und Orgel-Teppiche für extrem bewegende emotionale Momente. „The Endless River“ ist insofern nicht nur ein stilvoller Schlusspunkt für PINK FLOYD als Band, sondern auch eine schöne Würdigung für den 2008 verstorbenen Wright, der den Großteil der Musik noch mitgeschrieben hatte.
Thomas Kerpen (8)


POPPY ACKROYD & LUMEN
Escapement Visualised

CD // Denovali/Cargo // www.denovali.com // Der in Bristol ansässige „visual artist“ Lumen stellt den einzelnen Stücken von Poppy Ackroyds neo-klassischem Solodebüt aus dem Jahre 2012 sieben bildgewaltige Schwarz/weiß-Videos zur Seite. Die Konzerte der Schottin werden schon seit einiger Zeit durch diesen optischen Reiz formschön unterlegt, auch für den Live-Auftritt von HIDDEN ORCHESTRA, dessen Mitglied Poppy Ackroyd ist, steuerte Lumen schon Visuals bei. Häufig taucht das Motiv der unberührten Natur auf. Die zahlreichen Anschläge der Klaviertasten in „Glass sea“ verheißen Unruhe, bildlich konterkariert durch den gleichmäßigen Wellengang an einem Flussufer, bis sich das Bild unvermittelt in ästhetisierter Schattierung der Musik anzunähern scheint, indem mit der Kamera zeitraffend gearbeitet wird und sich der Bildfluss beschleunigt. In „Grounds“ blitzt Ackroyds Annäherung an den Tanz auf, durch eine sich zumeist auf dem Boden bewegende, schwarz gekleidete Baletttänzerin. Zur Verschmelzung der beiden Pole Natur/Mensch kommt es im abschließenden Stück „Mechanism“, wenn Teile des menschlichen Skeletts von Aufzeichnungen des Himmels umweht oder überlagert werden. Beides verbleibt in Umrissen, im Vagen. Genauso wie die Zusammenführung von Bild und Ton angenehm unscharf bleibt.
Henrik Beeke (8)


PURPLE
409

CD // PIAS // www.playitagainsam.net // 33:23 // Sonderlich tiefgründig sind PURPLE wahrlich nicht. Vielmehr eine bekennende texanische Doofbrot-Partytruppe. Ganz klassisch mit viel Dicke-Hose-Gitarren und Pop-Punk-Gesangseinlagen. Ja, „409“ besteht tatsächlich ausschließlich aus Musik zum Mitreißen der ganz großen Massen im örtlichen Fußballstadion. Da packt der eine oder andere dann sicherlich auch gleich Kopfnicken und Pommesgabel aus.
Anke Kalau (6)


PINK LINT
You Might Lose A Few Teeth But It’s Fun

CD // Grand Hotel van Cleef // www.ghvc.de // 44:41 // Acht Jahre dauerte es, bis Sänger und Songschreiber Oliver Burghardt das erste offizielle Album der Mainzer Band PINK LINT ausarbeitete. Zwar gab 2007 bereits ein Album, als Soloprojekt unter dem Namen PLUS, aber bis die heutige Band zusammenfand und die aktuellen Stücke geschrieben waren, dauerte schon noch eine Weile. Der Albumtitel „You Might Lose A Few Teeth But It’s Fun“ bezieht wohl eher auf die nicht einfache Entstehungsgeschichte. Herausgekommen ist jedenfalls ein Mix aus YOYOYO ACAPULCO, FRIENDLY FIRE, KNIVEWORLD und XTC (zu „Nonsuch“-Zeiten). Obwohl hier auf das typische Strophe-Refrain-Strophe-Schema verzichtet wurde, sind zwölf eingängige Songs zwischen Indie- und Minimal-Pop entstanden, mit einer teilweise recht orchestral anmutenden Instrumentierung. Vielleicht braucht es seine Zeit, aber mit jeden weiteren Hören bleiben immer mehr Songs ihn Ohr hängen, so dass beim Suchen des Ohrwurms auf die Skip-Funktion verzichtet werden kann.
Kay Werner (8)


PHONAUTICS
Geölter Blitz

CD // www.phonautics.de // 46:56 // Experimentellen Punk mit Hardcore- und Indietrash-Faktor – klar, düster und unberechenbar – präsentieren die PHONAUTICS aus Dortmund. Sängerin Tina macht einen kirre mit ihrem Gedankenwirrwarr, was mich irgendwie an die in den Neunzigern im Hinterland Bayerns aktive Band namens BULLEN KIFFEN AUCH (B.K.A.) oder an die eine oder andere Passage aus „Opera Death“ von MINUS DELTA T erinnert. Der männliche Gesangspart sorgt zudem für Abwechslung. Also packt den Mainstream-Hallen-und-Stadien-Hochglanz-(Pop-)Punk zur Seite und hört mal wieder Underground-Mucke aus den Kellern und Hinterhöfen dieser Republik.
Simon Brunner (7)


R-A-M-S
Beaten Up Dogs Don’t Dance

CD // Lux Noise // www.lux-noise.bandcamp.com // 59:35 // THE BUCKS waren eine alte Schweizer Rock’n’Roll-Band, die bereits 1980 ihre erste 7“ und danach diverse Alben veröffentlichte. Im Jahr 2008 war dann schließlich Schluss und Bandkopf Rams fand sich mit Philip Zeman, der bereits zu einem der späteren BUCKS-Line-ups gehört hatte, und einem neuen Drummer zu R-A-M-S zusammen. Nun ist das Debüt mit dem meiner Meinung nach ziemlich dämlichen Titel „Beaten Up Dogs Don’t Dance“ erschienen. Ich muss gestehen, dass ich THE BUCKS bislang nicht kannte, also nicht beurteilen kann, inwieweit deren Sound fortgeführt wird. Etwas altbacken klingt die Musik der R-A-M-S aber in jedem Fall. Dass hier Musiker am Werk sind, die bereits in den Achtzigern und Neunzigern Mucke gemacht haben, hört man bei jeder Note: Irgendwie erinnert mich dieser spezielle Retro-Sound ständig an Bands wie D.A.D, FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE (ohne Keyboard), TERRY HOAX und sogar ein wenig an SOCIAL DISTORTION zu „Prison Bound“-Zeiten (zum Beispiel bei „The serious one“). Überhaupt klingt Sänger Rams’ Stimmlage ein wenig nach Mike Ness. Unter den 16 Songs findet sich mit „Private affair“ auch ein THE SAINTS-Cover, das aber wie der Rest ein wenig schlafmützig geraten ist. Fazit: Kompetent gemacht und gut für eine kurzweilige Reise in die eigene Vergangenheit, aber als passender Sound für das Jahr 2014? Für mich eher nicht.
Christian Krüger (5)


PETE ROSS
Midnight Show

LP // Beast // www.beast-records.com // Erwartungsgemäß und eben auch oft bestätigt habe ich bei folklastigem Singer/Songwritern meistens das Bild leicht verquerer Zausel im Kopf. Unrasiert, das Haar stets ungekämmt und natürlich eine Spur zu lang, in Kombination mit einer knarzigen Stimme. Musiker, die sich der akustischen Gitarre bedienen, kommen selten wie Nick Cave im feinen Zwirn daher, in cool stylisch gepflegtem Äußerem. Pete Ross aber schon und so war meine Verblüffung eine große, als die Nadel sich auf die Rille senkte. Auch wenn er sich dann tatsächlich der Stilrichtungen Country und getragener Americana bedient, findet sich in der Musik doch eine sehr eigene Note. Mit seiner dunklen charismatischen Stimme bewegt er sich zwar in Gefilden, die auch schon beackert wurden, verlässt aber den üblichen Gesangstil, weil er sich mehr wie Andrew Eldritch anhört, der seiner Depression in Sachen Liebesdingen freien Lauf lässt, als wie ein gewohnt nörgelnder Outsider. Musikalisch ist das Ganze stark auf die Akustikgitarre reduziert, jedoch auch hier wieder mit Kompositionen, die sich oftmals wohltuend abheben. Die Platte selbst wurde schon 2010 veröffentlicht, heute ist der Australier weniger düster unterwegs.
Claus Wittwer (8)


REDSKA
The Mighty Live

CD // Black Butcher // www.madbutcher.de // 54:38 // Die Italiener sind zweifellos eine großartige Live-Band, aber muss man dann gleich eine Live-Platte machen, die zudem auch noch eine Art Best-Of ihres bislang 13-jährigen Schaffens darstellen soll? Die Atmosphäre vom diesjährigen Mighty Sounds Festival im tschechischen Tabor sowie Produktion und musikalisches Handwerk gehen vollkommen in Ordnung. Affig hingegen dieses doofe Animieren des Publikums. Das mag bei Rock und Metal okay sein, bei allem, das sich Punk schimpft, finde ich das ziemlich unangebracht. Live-Mitschnitte auf Tonträger festzuhalten, ist für mich lediglich ein Kaufargument, wenn die Band dafür bekannt ist, interessante variationsreiche Interpretationen ihrer Songs auf die Bühne zu bringen. Das aber gelingt den wenigsten. Wünschen würde ich mir das bei den Dubpunks RUTS DC oder beim amerikanischen Polit-Rapper Oddisee mit dieser großartigen Backing-Band. Ansonsten aber erübrigen sich Live-Aufnahmen selbst als Bonusmaterial. Apropos, obendrauf gibt es noch die drei Songs der gelungenen und 2013 veröffentlichten 7“-EP „Bella Ciao“. Echte REDSKA-Fans werden Gefallen an „The Mighty Live“ haben, ich finde so eine Platte allerdings ziemlich überflüssig.
Simon Brunner


RADIAN & HOWE GELB
Radian Verses Howe Gelb

CD // Radian Releases // www.radianreleases.at // 41:16 // Mal wieder eine dieser Kollaborationen, die im ersten Moment eher für Kopfschütteln sorgen. Denn das österreichischen Trio RADIAN, das drei Platten auf Thrill Jockey veröffentlichte, ist eher im Bereich experimenteller Instrumentalmusik zu Hause, im Spannungsfeld zwischen Rock und Elektronik. Howe Gelb dagegen beackert mit GIANT SAND und solo schon seit langem das Feld von Alternative Country, allerdings häufiger auch mal mit dem Hang zu schrägen Experimenten. Insofern dürften ihm RADIAN für eine Zusammenarbeit gerade recht kommen. Allerdings wird Gelb damit völlig aus seinem sonstigen Kontext herausgerissen, der auch gesanglich nur bedingt Akzente setzen kann. Aber auch die Österreicher hatte ich etwas dynamischer und rockiger in Erinnerung, die auf dieser Platte mit einem sehr zersplitterten, disharmonischen Sound aufwarten, in den sich immer mal wieder typische Gelb-Momente verirren. „This is a RADIAN album. I’m only living in it“, lautet die Einschätzung von Gelb dazu, was letztendlich nicht viel darüber aussagt, ob diese Zusammenarbeit tatsächlich funktioniert. RADIAN schaffen zwar immer wieder interessante und spannende Klänge, aber torpedieren diese letztendlich mit dem hohen Abstraktionslevel ihrer durchweg sehr unzugänglichen Platte.
Thomas Kerpen (5)


RHYTON
Kykeon

CD // Thrill Jockey // www.thrilljockey.com // 41:42 // Vor zwei Jahren hatte dieses Trio aus Brooklyn ihr Debüt bei Thrill Jockey veröffentlicht, ein noch etwas unfokussiertes Stück Instrumental-Drone-Rock mit Einflüssen orientalischer Folklore und dem Charakter einer Jam Session. Inzwischen ist mit „Kykeon“ ihr drittes Album erschienen, auf dem RHYTON erneut mit orientalischen Klängen arbeiten, mit einem starken Bezug zu Griechenland, wie der Titel und die antike Vase auf dem Cover schon vermuten lassen. „Kykeon“ bedeutet im Griechischen übrigens „Gemisch“ oder „Gemenge“ und bezeichnete im antiken Griechenland einen Mischtrank aus Getreide und Wasser. Dieses Vermischen von Okzident und Orient in musikalischer Hinsicht macht die New Yorker zwar nicht gleich zur Ethno-Band, verleiht ihren Songs aber das gewisse Etwas, ansonsten würden sie wahrscheinlich kaum aus der Masse anderer Instrumentalbands herausragen. Man hat in diesem Bereich schon wesentlich Schlechteres gehört, zumal RHYTON das Spiel mit Improvisation und strukturierten Kompositionen eigentlich gut beherrschen. So bleiben die unterschwellig psychedelischen Songs auf „Kykeon“ immer greifbar und verschwinden nicht in einem nebulösen stilistischen Niemandsland. „Kykeon“ wirkt durchgängig sehr inspiriert und so hört man die Platte eigentlich recht gern, ohne genau zu wissen warum.
Thomas Kerpen (6)


SLOWNESS
How To Keep From Falling Off A Mountain

CD // Reptile // www.slownessmusic.com/// 35:39 // Die Shoegaze-Rückkehrwelle nimmt kein Ende. Prinzipiell nicht schlecht, im Falle von SLOWNESS jedoch in Teilen verzichtbar. Die Besonderheiten, die die Mischung aus Dreampop und erwähntem Shoegaze ausmachen sollten, fehlen nämlich leider auf „How To Keep ...“ weitestgehend. Der Krach bleibt aus, die Melodien leider auch. Vor dem Absturz rettet das Album zumindest das tolle „Illuminate“, das, wie so viele Songs momentan, mit dem einfach unzerstörbaren Klaus Dinger-Gedächnisbeat auskommt. Zwiespältige Sache.
Michael Schramm (5)


SCHMUTZKI
Mob

CD // Four Music // www.fourmusic.com // Es ist nicht ganz leicht, auszumachen, wo bei SCHMUTZKI der Wurm drin steckt. Gute Pop-Punk-Songs befinden sich auf dieser EP. Es ist am Ende wohl diese gnadelose Glattheit gepaart mit einer „Wir sind ziemlich witzige und abgefahrene Typen“-Attitüde, die es mir nicht möglich macht, es bei einer positiven Sicht zu belassen. Vermutlich finden sie Aussagen wie „Krass gut, wie ihr abgeht“ ziemlich spitzfindig. Das kann so leider nicht bestätigt werden. Schlussendlich ist „Mob“ ein durchgeplantes Stück Musik und leider absolut nichts Besonderes.
Bianca Hartmann (4)


SKELETOR
Schöne neue Welt

CD // Acuity.Music // www.acuitymusic.com // Gerne wehren sich deutschsprachige Bands gegen die ewig gleichen Hinweise auf Bands wie CAPTAIN PLANET und Co. SKELETOR bringen Vergleiche dieser Art einfach selbst. Gut, dann nehmen wir uns doch ihres Albums „Schöne neue Welt“ an. Tatsächlich zeigen sich die Kölner hier von einer recht ansprechenden Seite. Sehen wir mal von der schludrigen Produktion ab, das kann ja auch sehr charmant sein. Und SKELETOR sind eben das auf jeden Fall. Songs wie „Graue Herren“ oder „Buntstifte“ sind zum Liebhaben. Ein leider dann doch nicht zu übersehendes Manko ist, dass SKELETOR mit der textlichen Qualität ihrer genannten Vorbilder wie etwa auch HERRENMAGAZIN nicht mithalten können. Zumindest noch nicht. So manch eine Zeile klingt eben noch nach Teenager. Man sollte SKELETOR womöglich im Auge behalten, da wäre mit ein bisschen mehr Erfahrung und Mühe sicher mehr drin.
Bianca Hartmann (6)


SNU:MEN
No Time To Rest

CD // www.snumen.de // 42:13 // Wie heißt es so schön: Sie waren stets bemüht. Genau das trifft auf SNU:MeN aus Ingolstadt zu. Ihnen gelingt es auf ihrem Debütalbum nicht das durchaus vorhandene musikalische Potenzial mit dem Gesang zu vereinbaren. Denn dem Sänger fehlt jede Durchschlagskraft und Tiefe, weshalb er sich insgesamt sehr angestrengt anhört. Überhaupt fehlt es den Bayern an Profil: Sie machen weder Punkrock noch Hardcore. Das ist ein großes, fades Durcheinander an Stilelementen, das wohl nur das Spektrum ihres Könnens zeigen soll, ohne dabei jedoch Wiedererkennungswert zu entwickeln oder zu begeistern.
André Hertel (4)


SPIRIT BOMB
Killer In Your Stereo

CD // www.spiritbombuk.wix.com/marinamaniac // 18:39 // Neue Band des DRONGOS FOR EUROPE-Bassisten Dek aus Birmingham. Und die sechs Lieder sind gar nicht schlecht: Schneller Hardcore mit schweren, warmen Riffs, einigen sphärischen Stoßgebeten und Melodie. Das Ganze erinnert mit seiner Härte, Harmonie und Teenage Angst an die melodischen Hardcore-Bands Britanniens der Achtziger Jahre, wie HDQ, EXIT CONDITION oder die INSTIGATORS. Gräbt man die Wurzeln aus, könnte man sogar auf die RUTS stoßen.
Walmaul (7)


SATURN
Ascending
Live in Space

CD // Rise Above // www.riseaboverecords.com // Als beinharter Fan von JUDAS PRIEST – insbesondere deren bluesgetränkter Frühphase – hat bei mir jede Band, die sich genauso anhört wie Rob Halford und Co so circa 1977, gleichmal ein paar fette Pluspunkte! Positiv fallen außerdem das stilsichere Riffing des Gitarren-Zwillingsgeschützes Linkan Lindgren und Robin Tidebrink sowie die gelungenen Gesangslinien Oscar Pehrsons auf. Dass die schwedischen Retro-Rocker SATURN mit „Ascending“ keinen Originalitätspokal gewinnen ist klar. Punktabzug gibt’s weiterhin für die stilverwässernden IRON MAIDEN-Einflüsse, die SATURN nach hinten raus zulassen. Unterm Strich ein nettes Scheibchen für Leute, die den letzten fünf Priest-Scheiben nicht mehr viel abgewinnen konnten.
Felix Mescoli (6)


SOUNDS OF SPUTNIK
New Born

CD // Ear To Ear // www.eartoearrecords.com // 57:17 // „New Born“ ist das Debütalbum des Ein-Mann-Projekts SOUNDS OF SPUTNIK des Russen Roma Kalitkin, der sich in einer ganz eigenen Welt filigran anspruchsvoller Synthie-Tüftelei verloren hat und dabei die Randbereiche von Post-Rock, Shoegaze und Space Rock berührt. Mitunter klingt das wie MOGWAI oder THE NOTWIST, dann aber wieder wie die PET SHOP BOYS in einer anderen Galaxie. Teilweise ist das so verkopft und überelaboriert, dass vermutlich nur Auszubildende im Kosmonautentrainingszentrum „Juri Gagarin“ in der Sternenstadt nördlich von Moskau daran wirklich Freude haben. Für alle anderen bleibt AIR und immer wieder gerne das „Oxygen“-Album von Jean-Michel Jarre eine Alternative. Es hält sich zudem die Vermutung, dass auch Syd Barret „New Born“ für das Debütalbum von PINK FLOYD „The Piper At The Gates Of Dawn“ hätte verwenden können.
Markus Kolodziej (6)


SPC ECO
Sirens And Satellites

CD // Saint Marie // www.saintmarierecords.com // 55:17 // Das Duo Rose Berlin und Dean Garcia aka SPC ECO verliert sich völlig einer Welt zwischen Dream- und Synthie-Pop, die manchmal angenehm einnebelt und fast meditativ wirkt – und in den überschaubar guten Momenten erinnert das ein wenig an Elizabeth Fraser mit den COCTEAU TWINS auf lahmen Synthies – aber in der Mehrzahl der Songs wird auch nicht gesungen, sondern eher gehaucht und deshalb läuft das Album fast komplett den Bach der Belanglosigkeit herunter.
Markus Kolodziej (5)


SADISTEN SATANS
Pure Satanic Brumbycore

CD // Eine 4 Track Demo CD mit vielversprechendem Titel und Cover liegt vor mir und ich habe mich schon total darauf gefreut jetzt eine volle Dröhnung Oldschool Black Metal um die Ohren geballert zu bekommen. Also nicht der Poserkram, sondern in der Tradition von old BATHORY, MAYHEM, DARKTHRONE oder den Klassikern von HELLHAMMER bzw. CELTIC FROST. Stattdessen eher rumpeligen Punk nach Schema F mit sehr vorhersehbaren Abläufen. Ich gebe zu das in enttäuscht bin, denn Konzept und Aufmachung des Demos lassen halt andere Schlüsse zu. Es hätte eher „Brumbypunk“ als „Brumbycore“ gepasst. Die Söhne Satans werden mich jetzt sicher nicht verfluchen und so wie sie sich präsentieren, ist das ganze eh nicht ganz so ernst gemeint. Bitte weiterüben und düsterer werden.
Sebastian Walkenhorst (4)


SANCHO PANZA!
Dein Fahrrad verschwindet

CD // www.sancho-panza.info // Klar, wir haben es alle mit den lustigen Songtiteln, aber es gibt sie in charmant und es gibt sie von SANCHO PANZA!. Nein, Lieder sollten nicht „Metal Hurensohn“ oder „Die ganze Welt spielt sich am Glied“ heißen. Das aber nur am Rande, denn ansonsten schicken SANCHO PANZA! spaßige Song auf das Parkett.. „Dein Fahrrad verschwindet“ tritt gut Arsch, wenn diese neuerliche Demo-CD auch nicht auf die auf kluge Weise und witzige Art daherkommt, wie man sie von Bands wie MONTREAL kennt. Da müssen SANCHO PANZA! nochmal ran.
Bianca Hartmann (5)


SONIC YOUTH
Daydream Nation

LP // Goofin’ // www.goofinrecords.com // Nachdem das fünfte SONIC YOUTH-Album (das letzte für ein Indielabel) jahrelang nur als Vinylbox erhältlich war, hat sich Goofin’ Records jetzt endlich dazu entschlossen, das Album auch wieder als einfachen Rerelease unter die Leute zu bringen. Endlich möchte ich meinen, da die Box doch recht teuer war, aber das Album mit zu den besten der Band zählt. Ich würde sogar behaupten, es zählt mit zu den besten Indierock-Alben überhaupt. Die einzigartige Mischung aus tollen Rockmelodien und experimentellen Gitarrensounds ist oft kopiert, jedoch nur selten bis nie erreicht worden. Zu Recht sprechen viele Menschen davon, dass die Band hier auf ihrem Höhepunkt war. Mir persönlich gefällt das Album sogar besser als „Goo“, welches auf „Daydream Nation“ folgte. Die Art und Weise, wie sich die Songs hier entwickeln, ist großartig und stellenweise ziemlich überraschend. Hinzu kommt, dass es bei Weitem nicht so poppig ist wie „Goo“ und andere spätere Alben. So bleibt abschließend nur zu sagen, dass jeder, der mit SONIC YOUTH oder einfach Spätachtziger- Indierock etwas anfangen kann, dieses Album in seinem Besitz haben sollte. Klassiker!
Daniel Matthias (10)


SPIT PINK
I Think I’m Dead

CD // www.facebook.com/spitpinkband // 12:29 // Ein bisschen 77er der SHOCKS und etwas kräftigeren Punk’n’Roll von BLACK SHERIFF und wir sind bei SPIT PINK aus Dortmund. Was mir live mal etwas unkoordiniert schien, passt aber sowohl ins AZ als auch in den Glamrock-Schuppen. Ohrwürmer fehlen in diesem nahezu durchgehenden Stück Musik, dafür gibt es zu „Bad dreams on Ketamine“ ein schickes Video.
Fabian Schulenkorf (5)


THIS ENDS HERE
Afterwards

CD // Never Fall Into Silence // www.facebook.com/neverfallintosilence // Englische Band, deren Mitglieder mal in einer Band namens JESUS BRUISER gespielt haben. Diese Anekdote bleibt das Highlight dieser 7“. In grenzwertiger Soundqualität spielen THIS ENDS HERE etwas, das VERSE spielen würden, hätten sie Arthrose. Dabei gibt es hier und da schon die eine oder andere gute Idee, bevor man jedoch dafür Kohle ausgibt, dass diese Idee auf Vinyl gepresst wird, sollte man doch dafür sorgen, dass man sie auch raushört. Bücher sind ja schließlich auch nicht mit dem Handy abfotografierte Manuskripte. Genug der Gemeinheiten, „Cattlegrid“ würde live nicht nur mich zum Kopfnicken bewegen.
Julius Lensch (5)


THANATOS
Global Purification

CD // Century Media // www.centurymedia.com // 38:42 // THANATOS haben bereits dreißig Jahre auf dem Buckel und mit „Emerging From The Netherworlds“ und „Realm Of Ecstasy“ zwei absolute Meilensteine des Thrash/Death Metals geschaffen. Dennoch hat man den ganz großen Sprung nicht geschafft und galt vielmehr als Geheimtip. Erst die Gründung von HAIL OF BULLETS durch Sänger/Gitarrist Stephan Gebédi, sowie der Einstieg Paul Baayens (Gitarre) bei ASPHYX und Marco de Bruin (Bass) und Yuri Rinkel (Drums) bei MELECHESH ließ die Musiker Erfolgsluft schnuppern und eine gewisse Unabhängigkeit erfahren. Diesem Umstand ist es sicher zu verdanken, dass „Global Purification“ ein derartiger Brecher geworden ist. Hier gibt es Thrash und Death Metal der alten Schule, bei dem Hooks und Melodien nicht zu kurz kommen und der qualitativ an die Frühwerke erinnert. Der Dan Swanö-Sound ist angenehm zeitgemäß und nicht künstlich auf modern getrimmt, was die Platte authentisch macht. Bleibt zu hoffen, dass die Band den verdienten Erfolg nun genießen darf.
Jens Kirsch (8)


THIRD EAR EXPERIENCE
Incredible Good Fortune

CD // Thousand Thunders // 75:00 // Eine neue Band in Sachen Space Rock. Fünf Musiker und ein halbes Dutzend Freunde als Unterstützer mit diversem musikalischen Equipment haben am Rande der Mojave-Wüste in Joshua Tree – bekannt von den Desert Sessions von Josh Homme von den QUEENS OF THE STONE AGE – ein crazy Album aufgenommen. Nicht weit von dem Sound der Queens entfernt, kommen die stonigen Space-Sounds in einer Mischung, die die Einflüsse des Gitarristen Robbi Robb, bekannt von TRIBE AFTER TRIBE, deutlich macht. Strange Acid-Trance-Sounds und kosmische Klänge, die, wenn man die Augen schließt, an die KOSMISCHEN KURIERE erinnern könnten, durchziehen die langen Improvisationen. Letztendlich ein sehr ausgeglichenes Album, das einen auf einen motorisch getriebenen und gleichzeitig esoterisch bimmelnden Soundtrip mitnimmt. Kleine verspielte Einschübe wechseln mit schnellen Passagen, die die Möglichkeiten von psychedelischen Sounds erkunden und seltsame Gesänge integrieren. Sehr unterhaltsam und abwechslungsreich.
Thomas Neumann (7)


JUSSI TOIVOLA
Jenseits der Angst

CD // Tanz auf Ruinen // www.tanzaufruinen.de // Der ehemalige PITFALL-Gitarrist Johannes Reissmüller hat sich als JUSSI TOIVOLA ein neues musikalisches Zuhause geschaffen, welches so gar nichts mit seiner vorherigen Metalcore-Truppe gemein hat. Auf „Jenseits der Angst“ hat Reissmüller vor allem große Lust, zu experimentieren und sich weitestgehend genreunabhängig zu bewegen. Insgesamt sind die vier Debüt-Tracks sehr elektronisch ausgefallen und bilden eine atmosphärische Mixtur aus Ambient, Drum’n’Bass und Post-Rock. Als Gastmusiker mischen unter anderem David Frings (FJØRT) und Sebastian Müller (CAPTAIN’S DIARY) als Stimmenspender mit und das Mastering stammt von keinem Geringeren als Alan Douches. Insgesamt vermisse ich ein wenig den „roten Faden“ zwischen den einzelnen Songs, aber der wird sicherlich spätestens beim ersten Album gespannt.
Tim Masson


THE TRAVELLING BAND
The Big Defreeze

CD // Republic of Music // www.republicofmusic.com // Zum dritten Mal nehmen THE TRAVELLING BAND Anlauf und erfinden nichts neu. Schlichte und trotzdem ergreifende Texte wie „I was hoping you will come on by / But if you don’t want to talk / That’s alright“ mit lang gezogenem „alriiiiight“ sind sympathisch und nachvollziehbar, die Melodien sind beschwingt und gut gelaunt. Hohe Poesie ist das nicht und die Arrangements sind wahrscheinlich auch keine Meisterleistung. Insgesamt funktioniert das aber gut, THE TRAVELLING BAND machen ordentliche Pop-Musik, das muss man auch erst mal können.
Julia Brummert (7)


THEA & THE WILD
Strangers And Lovers

CD // Jansen // www.jansenplateproduksjon.no // 64:12 // Der Niedlichkeitsfaktor im skandinavischen Indiepop der jungen Norwegerin Thea Glenton Raknes im gesanglichen Spannungsfeld zwischen Tori Amos und Kate Bush kann nicht verhindern, dass ihre Songs mitunter etwas dünn wirken. Sie knüpft mir ihren fragilen und teilweise minimal in Szene gesetzten Songs an der Singer/Songwriter-Traditionen an und verbindet das mit (durchaus anspruchsvollem) zeitgemäßem Pop. Das klingt nicht spektakulär und hört sich eben auch oft etwas unspektakulär an. Die Stimme bricht nicht wirklich Dämme. Die Songs sind organisch, warm und manchmal eben aber auch ohne Dramaturgie und Spannungsbogen.
Markus Kolodziej (6)


UTOPIUM
s/t

CD // Die Mitglieder der Band kommen aus Frankreich, Russland und Mexiko, das Album wurde in Paris und Mexiko City aufgenommen – das die halbe Welt umspannende Netz, im Rahmen dessen das zweite, selbstbetitelte Album von UTOPIUM entstanden ist, schürt große Erwartungen. Und so beginnt die Platte auch ziemlich interessant: dezente und doch ausdrucksstarke Post-Rock-Melodien stellen sich vor und beginnen, sich aufzuschaukeln, bis im zweiten Song unerwartet und mit starkem Hall belegt der Gesang einsetzt. Nur geht es dann leider nicht viel weiter – jedes Lied fängt mit einer vielversprechenden Idee an, wächst dann ein bisschen, aber schafft es dann nicht, zu irgendeiner Auflösung zu kommen oder sich so weiterzuentwickeln, dass die Spannungskurve gegeben bleibt. Hat man sich die erste Minute eines Songs angehört, so wird man in den kommenden drei bis fünf auch nicht mehr auf große Überraschungen treffen. Das ist schade, denn die transatlantisch aktiven Musiker klingen, als ob sie eigentlich zu aussagekräftiger Kunst imstande wären.
Simon Nagy (5)


V.A.
Black Fire! New Spirit! Radical And Revolutionary Jazz In The USA 1957-82

CD // Soul Jazz // www.souljazzrecords.co.uk // 41:42/44:33 // Doppel-CD oder dreimal Vinyl – auf beiden Formaten der Kompilation sind 14 Tracks enthalten, die versuchen, das Thema „Radical And Revolutionary Jazz“ zwischen 1957 und 1982 repräsentativ abzudecken und die Spannung zwischen Free Jazz und motorisch getriebenem Jazz zu halten. Den Opener macht Yusef Lateefs „Chang, chang, chang“ aus dem Jahr 1957. Dafür sind Archie Shepp und Jeanne Lee dabei, ansonsten findet man eher seltenes Material. Dazu gehören Don Cherry, das oft unterschätzte GRACHAN MONCUR III AND THE JAZZ COMPOSERS ORCHESTRA und Pheeroan Ak Laff. Den Schluss macht Doug Hammond mit „Spaces and things“ von 1982. Die ausgewählten Tracks lassen in ihrem musikalischen Aufbegehren die freiheitlichen Bestrebungen der Musik spürbar werden, die Unbändigkeit und das Aufbegehren. Die emanzipatorische Kraft und das revolutionäre Potenzial von Musik, die wesentliche Paradigmen für eine amerikanische Kultur in den Sechziger- und Siebziger Jahren liefert, wird ebenso deutlich wie die Wechselwirkungen zwischen Musik und ihrer Radikalisierung durch die Bürgerrechtsbewegung und das Black Power Movement. Ein hervorragender Einstieg in das Themenfeld „radikaler und revolutionärer Jazz“, in eine Musik, die sich kritisch in politische Entwicklungen einmischt.
Thomas Neumann (8)


V.A.
Link Of Chain – A Songwriters Tribute To Chris Smither

CD // Signature / Cargo // www.cargo-records.com // 60:24 // Ich muss einigermaßen jungfräulich an diese Besprechung herangehen, denn das Werk von Chris Smither, dem hier Tribut gezollt wird, ist mir bis auf seine neue Platte, die ich im letzten Heft besprochen habe, bislang noch unbekannt. Jedoch bin ich ein großer Freund von Tribute-Alben, weil sie oft andere Wege zu bekannten Songs anbieten, die deren Potenzial durchaus neu ausschöpfen können. Bei den Stücken, deren Original ich kenne, gelingt dies mal besser, mal schlechter. Mancher bewegt sich sehr stark am Vorbild um leider wie fast immer, selbiges nicht zu erreichen. Andere schaffen es, einem Song ihren Stempel aufzudrücken und damit in meinen Augen einen wirklichen Tribute hinzubekommen. Aber von diesen Spitzfindigkeiten abgesehen, ist das ein durchaus sehr respektabler Sampler, der sich dem vorgegebenen Thema Songwriter Blues Folk sehr unterhaltsam nähert und in seinen besten Momenten mit Elementen aus Bluegrass, Swing, Swamp-Rock weit darüber hinausgeht. Am schönsten sind dabei die Momente, in denen der melancholischen Schwerfälligkeit von Smithers Stücken schon als fröhlich zu bezeichnende Versionen gegenübergestellt werden.
Claus Wittwer (8)


V.A.
Look Again To The Wind – Bitter Tears Revisited

LP // Music On Vinyl/Cargo // www.musiconvinyl.com // Es hat etwas gedauert, bis ich gemerkt habe, hier nicht einen Rerelease mit neuem Artwork des „Bitter Tears“-Albums von Johnny Cash bekommen zu haben, sondern einen Tribute Sampler. Der Grund lag vor allem darin, dass die Interpreten nur sehr klein gedruckt im Innencover ersichtlich sind. So war meine Überraschung groß, als statt dem vertrautem Boom Chikka Boom Sound der TENNESSEE THREE, zart gezupfte Akustikgitarre, gefolgt von der weiblichen Elfenstimme Gillian Welchs folgte. Weitere andere folgen, Emmylou Harris, Steve Earle, Rhiannon Giddens, um nur einige zu nennen. Vor allem Kris Kristofferson, denn der singt nicht nur „The ballad of Ira Hayes“, er ist in diesem Moment Ira Hayes. Gänsehautversion! „Bitter Tears“ gehört definitiv zu den zehn wichtigsten Alben, die Cash aufgenommen hat, weil er sich mit dem US-Bild der Indianer auseinandergesetzt hat und vermeintliche Helden wie General Custer von ihrem Podest stieß. Dies brachte ihm bei seiner teils konservativen Hörerschaft nicht immer nur Sympathien ein. All dies rechtfertigt es, diesem Landmark Album einen solchen Tribut zu zollen, auf dem sich die Interpreten bescheiden hinter den Song stellen. Und das dabei sehr bewegende zeitgemäße Versionen entstanden sind, zeigt, wie viel Bedeutung die Macher diesem Album verliehen haben.
Claus Wittwer (8)


V.A.
Walldorf Weekender 2014

CD // Part // www.part-records.de // 56:53 // Schon im 15. Jahr befindet sich das populäre Rock’n’Roll Festival, das nun erstmals in der Walldorfer Astoria-Halle stattfand. Ist das musikalische Aquarium im Grunde stets dasselbe, werden immerhin die Fische ausgetauscht, bedeutet; die gebuchten Bands wechseln von Jahr zu Jahr komplett. Das kommt auch dieser Studio-CD zugute und macht einen Kauf somit reizvoll. Auch fünf Acts aus den USA waren anwesend, von denen mit Big Sandy, Jimmy Lee Maslon und Deke Dickerson sogar einige prominent sind. Letzterer ist mit seinem „My baby don’t love me anymore“ einer meiner Anspieltips.
Markus Franz (7)


V.A.
Wrath Of The North

LP // No Balls // www.no-balls-records.com // Super Vinyl-Compilation mit zwölf Songs von zwölf schwedischen Bands. Die Creme de la Creme der „Underground-Szene“ gibt sich hier die Klinke in die Hand: THE BOATSMEN, THE CHUCK NORRIS EXPERIMENT, GÅ VIDARE TILL NORRMALMSTRONG, THE INSEMINOIDS, THE KENDOLLS, MARY’S KIDS, THE NOMADS, PISTOL MOB, PULVER CITY, RAWHYPNOLS, TRUBBEL und VIETCONG PORNSÜRFERS. Eine tolle Mischung aus Punk, Punkrock, Hardcore, Rock’n’Roll. Einige Songs sind/waren unveröffentlicht/exklusiv, wurden aber mittlerweile auch digital oder auf Single veröffentlicht. Die Illustrationen und das Artwork stammen vom bekannten Künstler STE, der – natürlich – einen Wikinger auf dem Frontcover abliefert. Blau-gelbes Vinyl, limitiert auf 126 Stück.
Jürgen Schattner (8)


V.A.
Strange And Dangerous Times

CD // Trikont// www.trikont.de // Wenn man sich den kleine Zeh stößt, ist das schrecklich. Als ich „Hold on“ von MY GRAVEYARD JAW hörte, musste ich daran denken, wie viel schlimmer es wäre, wenn passend zum Stoß auch noch dieses Lied liefe. Das passiert mir oft, wenn ich Country oder Bluegrass-Musik mit schnellen Banjo-Picks wie diese höre. „Anchor’s the way“ von THE CALAMITY CUBES ist noch so ein Kandidat. „Strange And Dangerous Times“ aus dem Hause Trikont soll Musik präsentieren, die sich auf altehrwürdige musikalische Weise – sprich Country und Folk – mit den Problemen des 21. Jahrhunderts auseinandersetzt. Das geht oft und auch hier nicht ohne Pathos, Trucker-Romantik und dieser gewissen „Wann ist ein Mann ein Mann“-Attitüde. Keine einzige Sängerin ist zu hören, dafür viele gepresste, gar leidende Männer-Stimmen. Schöne Stücke gibt es, wenige zwar, aber sie sind da, zum Beispiel „We might not have to die“ von THE HARMED BROTHERS. Aber ein bisschen weniger Pathos, ein paar weniger Zeh-Stoß-Banjopick-Nervereien und ein bisschen weniger Testosteron hätten diesem Sampler sicherlich nicht weh getan.
Julia Brummert


VS.X
Checkmate

CD // www.facebook.com/VS.X.FS // 15:11 // Schicker Anarchopunk aus dem Bayernlande, der sich ausnahmsweise mal gekonnt nicht nur am Hardcore-Punk, sondern auch an Dub- und Reggae-Tunes bedient. Höhepunkt der Platte ist „Dirty streets“, das starke Assoziationen zu „Gimmie gimmie gimmie“ von BLACK FLAG zulässt. Die zu erwartende Geschwindigkeit wird allerdings nur bei so was wie Gitarrenriffs rausgenommen – macht VS.X aber aus, voll okay!
Fabian Schulenkorf (5)


THE WHARVES
At Bay

CD // Gringo // www.gringorecords.com // Die drei Mitglieder von THE WHARVES haben schöne Stimmen. Sie singen dreistimmig im Chor und Kanon und würden mir echt gut gefallen – würde da mal was passieren. THE WHARVES haben 13 Schlaflieder geschrieben. Oft erinnert „At Bay“ an Alben von AU REVOIR, SIMONE und FIRST AID KIT, allerdings variieren diese Bands mehr, werden auch mal lauter, haben mehr Akkordfolgen auf dem Kasten oder erzählen Geschichten, die einen zuhören lassen. Was THE WHARVES zu sagen haben, mag ebenso spannend sein, aber sie verhuschen alles hinter immer gleich bleibenden Melodien, Tonlagen und Rhythmen. Schade.
Julia Brummert (5)


WITCHTHROAT SERPENT
s/t

CD // Deadlight // www.deadlight.fr // 42:46 // Mit zeitgenössischem Black Metal oder Death Metal habe ich relativ wenig am Hut, das gleich vorweg. Deswegen waren meine Erwartungen bei WITCHTHROAT SERPENT nicht besonders hoch, handelt es sich bei dem Toulouser Projekt doch um den Doom gewordenen Traum vom Haupt-Akteur des Avantgarde-Black-Metal-Acts DARVULIA Fredrik Bolzan. Nach anfänglichem Geschrubbe und Röcheln in HELLHAMMER-Nähe nimmt das Album dann doch Fahrt auf und entpuppt sich als ganz nette Doom-Angelegenheit in Richtung ELECTRIC WIZARD oder auch ACID KING. Auch die Vocals verbessern sich im Laufe der Zeit. Trotzdem verspüre ich spätestens nach dem vierten Track den Drang, die Skip-Taste zu betätigen. Woran das liegt? Irgendwie sind die Songs doch sehr eintönig und es wird die immer gleiche Formel bemüht. Vielleicht tu ich der Band jetzt Unrecht, denn sie berufen sich selbst auf das erste ELECTRIC WIZARD-Album und wollen dem Ganzen neue Impulse hinzufügen. Das sehe ich aber irgendwie nicht. Vielmehr bleibt das Album da stecken, wo es anfängt. Klar, die Riffs sind mächtig, das Drumming ist heavy und der Gesang klagend, trotzdem fehlt der Chose das Quäntchen Originalität, um für sich alleine stehen zu können. Die einzelnen Songs mögen ja gar nicht schlecht sein, auf Album-Länge verliert es aber erheblich und nutzt sich sehr schnell ab. Da hilft auch eine Widmung an die Avantgarde-Künstlerin Diamanda Galás nichts. Wahrscheinlich wäre eine EP für den Anfang besser gewesen.
Jörg Rosenbaum (6)


YOUR FAVORITE ENEMIES
Between Illness And Migration

CD // Graphite // www.graphiterecords.net // 50:42 // YOUR FAVORITE ENEMIES klingen nach Alternative-Disco in der Provinz. Eine Band geschaffen für Ausdruckstänzer und Tanzflächen-Casanovas. Handwerklich ist hier alles vorbildlich. Die Produktion von John Agnello lässt keine Wünsche offen und auch der Sänger würde es bestimmt ins Finale jeder Castingshow schaffen. „Between Illness And Migration“ enthält zehn Stücke, die über Wiedererkennungswert verfügen, aber nicht viel Neues zu bieten haben. Und den Ausdruckstänzer kriege ich beim Hören einfach nicht aus meinem Kopf.
Jörg Masjosthusmann (6)


ZAPRUDER
Fall In Line

CD // Apathias // www.apathiarecords.com // Das Quintett ZAPRUDER kommt aus Poitiers in Frankreich und spielt auf ihrem Debütalbum „Fall In Line“ Post/Math/Metalcore mit jazzigen, teilweise funkigen Ausflügen, der auch mit kleinen Überraschungen – zum Beispiel in Form eines erklingenden Saxophons – aufwarten kann. Musikalisch nisten sich ZAPRUDER damit irgendwo zwischen ihren Landsleuten GOJIRA und DILLINGER ESCAPE PLAN ein. Nicht die schlechtesten Nachbarn, die man haben kann. Generell fehlt mir aber trotz aller Ideen die vielzitierte eigene Note, so dass ich nach diesem Review die Band wohl leider schnell aus dem Auge beziehungsweise den Ohren verlieren werde. Schade, denn schlecht sind ZAPRUDER definitiv nicht, nur fehlt mir irgendwie der Kick.
Tim Masson

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PETER CORETTO

Postpunk aus München seit 2001. Es bleibt erstaunlich, dass PETER CORETO offenbar aus München zu kommen scheinen, klingen sie doch sehr stark nach Hamburg. Nach einem sehr wütenden Hamburg. ... mehr