A FRAMES

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Ideale Rahmenbedingungen

Mit dem dritten Album sind die aus Seattle stammenden A FRAMES zu Sub Pop gewechselt, und wenn es etwas Gerechtigkeit gibt, werden sie jetzt endlich die Aufmerksamkeit erfahren, die ihnen gebührt. Die vierzehn Songs auf „Black Forest“ sind unglaublich düster, die legitime Wiedererweckung des Erbes von BIG BLACK, BUTTHOLE SURFERS, SCRATCH ACID, COWS und JOY DIVISION. Unglaublich, wie der Dreier mit seinem seltsam reduzierten, drums- und bass-lastigen Sound etwa bei „Eva Braun“ deren düster-schrägen Wave-Punk reproduziert, ohne nicht einmal ansatzweise in die Nähe von, zugegeben genialen, Kopisten wie INTERPOL zu geraten. Dabei jedoch legt das Trio eine reduzierte, garagige Noisigkeit vor, die man so in dieser Kombination nicht kennt, basierend auf einem bisweilen seltsam tribalistisch anmutenden Schlagzeugfundament (etwa „Age of progress“), ist so kauzig und eigenwillig (trotz der obigen Vergleiche). Erin Sullivan rückte per Elektropost ein paar Antworten auf die drängendsten Fragen heraus.

Seid ihr eigentlich jemals im Black Forest a.k.a. „Schwarzwald“ gewesen? Das ist eine sehr schöne Region in Deutschland!

„Nein, ich bin noch nie in Deutschland gewesen. Ich bin nicht sicher, ob das die Region ist, die wir auf unserer Platte beschreiben, aber wie gesagt, bin noch nie dort gewesen.“

Wenn ich eure Musik höre, kann ich den Einfluss einer Menge großartiger Bands wie z. B. BIG BLACK, BUTTHOLE SURFERS, SCRATCH ACID, COWS und JOY DIVISION hören. Richtig oder falsch? Was sind die weniger offensichtlichen Einflüsse und Inspirationen?

„Stimmt, das sind unsere Einflüsse. Ich würde aber noch eine Menge anderes altes Zeug hinzufügen, so z. B. SCIENTISTS, NEU, SLUGFUCKERS und anderen abgefahrenen Punk-Kram. Wir hören aber auch eine Menge Musik, nach der wir gar nicht klingen. Viel Jazz, moderne Komponisten und Pop.“

Wo wir schon vom JOY DIVISION-Einfluss sprechen: INTERPOL machen das auch, aber nicht besonders originell. Ich finde, eure Annäherung ist da viel intensiver. Euer Album ist auf seine Art einzigartig und sehr düster. Was braucht man, um ein solch starkes Album zu schaffen, in einer Zeit, in der die Plattenläden voll stehen mit Dance-Punk, Emo-Pop und Metalcore-Alben?

„Wir sitzen mit unserer Musik zwischen den einzelnen Genres. Viele Leute wissen nicht, was sie von uns zu halten haben, oder stecken uns in die falsche Ecke. Es ist nicht so, dass wir uns zusammen gesetzt haben und gesagt haben, lass uns das so und so machen. Wir machen einfach das, was wir machen. Wir haben das Album genauso wie die beiden anderen davor auch gemacht. Der einzige Unterschied war, wir haben die Songs über einen längeren Zeitraum geschrieben und erst am Schluss alles zusammen gefügt.“

Wie muss ich mir euren Charakter vorstellen? Ich hoffe, ihr seid nicht die paranoiden, verschrobenen Typen, die man sich auf Grund eurer Musik so vorstellt.

„Wir sind drei ganz normale Typen. Wir lieben es rumzuhängen und Spaß zu haben wie jeder andere auch. Wir sind nur ein bisschen
zynischer als andere ...“

Was macht euch glücklich, was wütend?

„Musik zu spielen, macht uns alle glücklich. Mit Freunden und der Familie rumhängen. Die typischen Sachen halt. Es gibt viele Dinge, die einen wütend machen. Amerika ist ein sehr trauriger Ort für jemand, der kein nicht rechter Christ ist, der nicht an die Wissenschaft glaubt.“

Was ist so faszinierend an Eva Braun?

„Eigentlich nichts. In den USA gibt es TV-Sender, die rund um die Uhr über den 2. Weltkrieg berichten. Ich schaute also Fernsehen und da lief eine Dokumentation über ihr Leben. Ich fand es interessant, sie als
Metapher für das Vergessen zu benutzen.“

Euer neues Album ist anders im Vergleich zu älteren
Veröffentlichungen. Was hat sich seitdem verändert?

„Dem kann ich so nicht zustimmen. Für mich ist diese Platte einfach der nächste logische Schritt auf der Entwicklungsstufe. Wir haben das Album mehr oder weniger genauso wie die anderen aufgenommen, noch dazu mit den gleichen Leuten wie immer. Wir wollten unsere Ideen weiter voranbringen und meiner Meinung nach habe wir auch genau das getan.“

Kannst du uns einen Einblick in die Bandgeschichte geben? Also wer, was, wann, wo und warum?

„Gegründet haben wir uns 1999. Wir waren alle schon vorher befreundet und Min Yee, unser Bassist, und ich haben schon vorher zusammen Musik gemacht. Wir machten zunächst einige Singles, dann die LP, waren ein Jahr auf Tour und haben die ganze Zeit einfach nur unser Ding gemacht. Seit damals hat sich an unserer Philosophie und Herangehensweise an die Musik kaum etwas verändert.“

Nach den ersten beiden Alben auf kleinen Labels seid ihr von Sub Pop gesignt worden. Was hat sich dadurch verändert und vor allem, warum glaubst du, haben sie gerade euch unter Vertrag genommen?

„Wie gesagt, haben wir die ersten Sachen selbst veröffentlicht und arbeiteten dann mit S-S Records aus Sacramento zusammen. Bei Sub Pop hatten wir ein paar Freunde, die uns die Zusammenarbeit vorschlugen und wir ließen es auf einen Versuch ankommen. Der Hauptgrund war natürlich ein größerer Vertrieb. Wir wollten unsere Musik für jeden leichter zugänglich machen. Trotzdem ist Scott von S-S Records immer noch ein guter Freund und unser Produzent.“

Wie steht es um euer eigenes Label Dragnet?

„Unser Label ist eher so eine Art halbherzig geführtes Nebenprojekt. Wir nehmen weder Demos von Bands entgegen, noch suchen wir aktiv nach neuen Künstlern. Wenn einer unserer Freunde Musik hat, die uns gefällt, dann würden wir da vielleicht etwas draus machen, oder wenn wir mal ein Nebenprojekt haben sollten, welches wir selbst veröffentlichen wollten.“