[ B O L T ]

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Black Drone Metal

2011 gründen die beiden Bassisten Thomas Rosen und Andreas Brinke [ B O L T ], ein Projekt zwischen Soundscape und Wall of Sound. Seither vergeht kein Jahr, in dem das Duo nicht ein neues Album veröffentlicht. Sie schreiben eigene Stücke oder erarbeiten ausladende Kompositionen mit verschiedenen Musikern aus dem Spektrum Drone und Ambient, darunter N, Aidan Baker und PETRELS. 2016 wird das Spektrum von [ B O L T ] um das Schlagzeug erweitert. Zunächst ergänzte Maik Mrasek (ehemals KODIAK) den Sound mit Wucht und Rhythmik, seit 2019 ist Dennis Strillinger von MAGMA WAVES der Drummer.

Thomas, ausgehend von eurer Selbstbeschreibung mit Schlagwörtern wie „repetitiv“ und „abstrakt“ fehlt ein Adjektiv, wenn man der Genrezugehörigkeit „black/drone/metal“ folgt, und zwar „heavy“. Sind [ B O L T ] eine harte Band oder worum geht’s euch?

Ob wir uns selbst als heavy bezeichnen würden, weiß ich gar nicht so genau. Es ist einfach diese Mischung aus den verschiedenen Stilen oder Stilmitteln, derer wir uns bedienen. Ich glaube, grundsätzlich kann man sagen, dass wir düstere Musik machen, die in unterschiedlichen Spannungsfeldern stattfindet – also von Metal und Sludge, Drone und Ambient bis hin zu experimentellen Sachen. Da ist einfach alles dabei, worauf wir Bock haben. Es geht uns ganz klar um Atmosphäre und die ist bei [ B O L T ] naturgemäß immer recht düster.

Zunächst habt ihr, Andreas und du, eure Musik als Duo mit zwei Bass-Gitarren entwickelt. Seit 2016 findet ein Schlagzeug Einlass in euren Sound. Wart ihr irgendwann fertig mit dem Gedanken, nur auf zwei Bässe zurückgeworfen zu sein?
Das Ganze hat auf jeden Fall zwei Ebenen. Einerseits sind wir nach den ersten drei Studioalben – also „( 0 1 )“, „( 0 2 )“ und „( 0 3 )“ – und den ganzen Kollaborationen und EPs irgendwie an Grenzen gestoßen. Aber durch die Kooperationen und Gastmusiker:innen haben wir ja auch stetig neue Impulse bekommen. Das Schlagzeug wäre schon immer eine passende Ergänzung gewesen, obwohl das beim Drone nicht unbedingt notwendig ist. Die zweite Ebene ist ganz einfach, dass wir schon lange mit Maik befreundet sind und einfach Lust darauf hatten, mit ihm Musik zu machen. Das gilt auch für Dennis, der 2019 das Schlagzeug übernommen hat – zunächst eigentlich nur für eine EP, dann aber als festes Mitglied. Im Sound spiegelt sich das natürlich eindeutig wider. Darüber hinaus zeigt es sich für uns aber vor allem im Bandgefüge und in der Art und Weise, wie wir Lieder schreiben und Alben konzipieren.

Es liegt nahe, sich Ambient-Musiker:innen, die in Soundscapes denken, dazu zu holen, um die vielen Leerstellen auszufüllen, die ihr in euren oftmals sehr langsamen und schwerfälligen Kompositionen hinterlasst. Ändert sich eure Vorgehensweise, wenn nicht nur [ B O L T ] im Studio sind, sondern ihr mit anderen Musiker:innen etwas entwickelt.
Die vielen Leerstellen sind das grundsätzliche Konzept von [ B O L T ] gewesen, wobei man sagen muss, dass die extrem Riff-betonte und sehr repetitive Musik von „( 0 1 )“ und „( 0 2 )“ sich inzwischen hörbar in andere Richtungen weiterentwickelt hat. Ziel war aber schon immer, Freunde und Bekannte einzubinden, was schon auf „( 0 1 )“ durch den Einsatz von einem Klavier im Outro geschehen ist. Es geht also nicht unbedingt um die Leerstellen, sondern eher um die Atmosphäre, die wir erzeugen wollen. Das Wichtigste – neben der Tatsache, dass man sich natürlich verstehen und Lust haben muss, zusammen Musik zu machen – ist, dass die Songs, die wir mit Gästen erarbeiten, immer auf Augenhöhe entstehen. Wir schreiben die Songs also immer zusammen. Es startet über den persönlichen Kontakt und dann werden die Stücke komplett gemeinsam entwickelt, geprobt und aufgenommen – und es ist nicht so, dass wir das letzte Wort hätten. Durch Kontakte und unseren breiten Musikgeschmack sind dann immer mehr Kollaborationen zustande gekommen. Wir hatten dann auch einfach immer das große Glück, dass wir Labels an unserer Seite hatten, die uns bei all dem unterstützen.

Auch auf eurem aktuellen Album „( 0 5 )“ arbeitet ihr mit drei Musiker:innen zusammen. Was haben WORRIEDABOUTSATAN, VERSUS SILOTRON und SURA SOL beigetragen, um das Album in Form zu bringen? Und wie kamen die Kooperationen zustande?
Das unterscheidet sich je nach Gastmusiker:in beziehungsweise je nach Song. WORRIEDABOUTSATAN kennen wir schon recht lange, unter anderem weil Andi eine Platte für ihn gemastert hat. Wir lieben seine Musik und haben irgendwann angefangen Ideen auszutauschen. Der Song ist daher auch ein paar Tage älter, war aber nie ganz fertig. Am Ende ist das Lied einfach passend zu „( 0 5 )“ fertig geworden und fügte sich gut ins Album ein. VERSUS SILOTRON ist René von KOKOMO, mit denen wir uns den Bandraum teilen und schon länger befreundet sind. Mit ihm wollten wir einfach mal etwas zusammen machen und es war direkt klar, dass es ein stückweit in Richtung Black Metal gehen soll. Dann haben wir uns einfach getroffen und angefangen, Ideen festzuhalten, Mitschnitte zu machen und so Stück für Stück das Lied zu erarbeiten. Bei SURA SOL ist es noch mal anders. Wir hatten schon damals mit Maik ein Riff, das sich irgendwie nach Gesang anfühlte – zum allerersten Mal in der Bandgeschichte. Durch meinen Bruder, der selbst komplett andere Musik macht, kam dann der Kontakt zustanden. Wir haben ein bisschen miteinander geschrieben und telefoniert und dann alles erarbeitet und produziert. Und nun gibt es tatsächlich den ersten [ B O L T ]-Track mit Gesang.

„( 0 5 )“ hat einen sehr guten Fluss, obwohl es fast achtzig Minuten lang und damit das bei Weitem längste [ B O L T ]-Album ist. Wie seid ihr vorgegangen, damit ein so dynamisches und behutsam strukturiertes Ganzes entstehen konnte?
Ein großes Mysterium steckt leider nicht dahinter. Im Prinzip haben wir einfach Songs geschrieben – natürlich im Hinblick auf ein neues Album, aber nicht sehr konkret. Wir haben die Ideen immer auf Demos festgehalten und uns dann irgendwann entschlossen, die Sachen so zu strukturieren, dass wir einerseits sehen können, was auf eine Schallplattenseite passt. Andererseits wollten wir aber auch eine Geschichte auf dem Album erzählen, so dass alles dynamisch und ausbalanciert ist. Bei fast achtzig Minuten darf man die Hörer:innen nicht langweilen, denn das ist schon ein Brocken.

Könnt ihr erläutern, wie sich „( 0 5 )“ von vorangegangenen Alben unterscheidet und was es besonders macht? Denn so viele unterschiedliche Assoziationen, von YEAR OF NO LIGHT über YODOK III und RUSSIAN CIRCLES bis JESU, sind mir beim Hören eurer Musik zum ersten Mal gekommen.
„( 0 5 )“ ist auf jeden Fall deutlich vielseitiger als die Alben davor. Schon bei „( 0 4 )“ war es so, dass wir bei den drei Songs des Albums, die ja zum ersten Mal mit Schlagzeug erarbeitet wurden, eine große Entwicklung bei uns selbst festgestellt haben. Die Möglichkeiten im düsteren, jazzigen Bereich haben wir auf dem Album durchgearbeitet. Zusätzlich haben wir Beat-getragene Riffs eingesetzt und sogar den ersten Black-Metal-angehauchten Song gemacht. Die Weiterentwicklungen auf „( 0 5 )“ liegen einerseits natürlich daran, dass Dennis vom Stil her ein anderer Schlagzeuger ist, aber auch an der Tatsache, dass naturgemäß zwischen 2017, dem Release-Jahr von „( 0 4 )“, und jetzt viel Zeit vergangen ist und bei uns einiges an kreativer Arbeit stattgefunden hat.

Zwei Mal kam euer neues Album bereits zur Aufführung: In kleinem Rahmen im Stapeltor in Duisburg und am selben Wochenende auf dem im instrumentalen Bereich enorm renommierten Dunk!Fest. Wie waren die Reaktionen?
Die Reaktionen waren bei beiden Shows extrem gut, was wir in dem Ausmaß so auch nicht erwartet haben. Die Besucher:innenzahlen, die sonst durch unsere recht spezielle Nischenmusik nicht immer ausufernd hoch sind, waren überwältigend. Aber vor allem die einzelnen, persönlichen Reaktionen nach den Konzerten waren wirklich toll. Das gilt für Duisburg, wo natürlich eine eher familiäre Atmosphäre herrscht, weil viele von den Gästen aus der Region kommen und uns früher schon mal gesehen haben. Aber gerade auch für das Dunk!Fest, wo wir 2013 und 2018 bereits zu Besuch waren. In diesem Jahr konnten wir eine größere Bühne bespielen, mit einem vollen Saal und langem Applaus – das macht uns doch schon sehr glücklich. Wir hoffen jetzt einfach, dass wir im Zuge dieses Albums die Chance bekommen, noch mehr live zu spielen und vielleicht sogar eine Booking-Agentur zu finden. Von daher an alle, die das hier lesen und im Bereich Booking unterwegs sind: Meldet euch gerne – wir haben immer Bock zu spielen.