„DEMONS“

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Der Geist des Rock’n’Roll

Die 1995 in Stockholm gegründeten „DEMONS“ tauchen seit 1999 immer wieder auf den Reviewseiten dieses Heftes auf, aber ein Interview mit der Band, die ihren Namen immer in Anführungszeichen setzt, gab es bislang trotz immer guter bis sehr guter Kritiken nicht. Merkwürdig eigentlich, denn „DEMONS“ waren eine der ersten Bands der skandinavischen Rockwelle der späten Neunziger, die auf einem amerikanischem Label veröffentlichten, und anderen damit vielleicht sogar den Weg ebneten. Nach einer längeren Pause meldete sich das Trio 2017 mit einer wirklich guten neuen Single zurück. Dies nahmen wir zum Anlass, Sänger und Gitarrist Mathias Carlsson alias Hep Cat Matt endlich ein paar Fragen zu stellen.

Lass uns ein wenig in die Vergangenheit schauen. Warum haben sich „DEMONS“ nach der Tour zu „Scarcity Rock“ 2011 aufgelöst?

Haben wir gar nicht. Es ist nur so, wenn du jahrelang in einer Band bist, ständig tourst, von Labels abgezogen wirst, dir Sachen gestohlen werden, du alles durchmachst, was du auch von anderen Bands hörst, dass du dir irgendwann die Frage stellst, was du da eigentlich treibst. Vor dem Release von „Scarcity Rock“ verhandelten wir mit verschiedenen größeren schwedischen Labels, diskutierten lange mit Superproduzent John Luongo über einen möglichen US-Deal, aber am Ende löste sich alles in Wohlgefallen auf und wir beschlossen, das Album in Eigenregie zu veröffentlichen. Das war ermüdend und der Release wurde ein wirtschaftliches Glücksspiel. Außerdem gab es da eine amerikanische Hipsterband, die ebenfalls DEMONS heißt und seit 2006 Platten veröffentlicht. Die Verwirrung, die entstand, schadete uns sehr und bescherte uns große Probleme. Zudem war 2011 irgendwie eine Durststrecke für Punkrock und Garage-Rock und es schien, als würden die Leute plötzlich andere Musik bevorzugen und aufhören, zu Konzerten zu gehen, zumindest in Europa. Jedenfalls war es für uns die schlechteste Zeit, um in einer Rock’n’Roll-Band zu spielen, so dass wir entschieden, eine Pause einzulegen. Die Stimmung innerhalb der Band war zugegebenermaßen auch auf einem Tiefpunkt angelangt und es schien uns das Beste zu sein, alles neu zu ordnen und später zu entscheiden, wie es weitergehen könnte, was wir dann getan haben.

2015 ging es dann weiter.
Wie gesagt machten wir nur eine Pause, sprachen über viele Dinge, überwanden so Spannungen und begannen, für ein Konzert anlässlich meines Geburtstages zu proben. Das Konzert war ausverkauft, wir hatten einen Heidenspaß und es schien, als habe sich während unserer Abwesenheit die Lage glücklicherweise wieder verändert. Wir schrieben neue Songs, die 2017 teilweise auf der „Kids Are Gonna Cry“-Single veröffentlicht wurden. Wir sind keine politische oder religiöse Band, eher antipolitisch und antireligiös, aber dieser Song ist ganz klar antifaschistisch. Es ist ein Kommentar zu der dummen Zeit, in der wir zu leben scheinen. Wir mussten dieses Statement einfach loswerden.

Habt ihr, als Stefan, der zweite Gitarrist, die Band 2005 verlassen hat, über einen Ersatz nachgedacht?
Ja, wir hatten Macke von THE TURPENTINES im Auge und er wäre es auch geworden, wenn wir uns nicht doch dazu entschlossen hätten, ein Trio zu bleiben. Wir sind zusammen aufgewachsen und so eng miteinander verbunden gewesen, dass zu dieser Zeit niemand, egal wer, in die Gruppe gepasst hätte. Außerdem waren wir musikalisch sehr selbstbewusst und wollten uns nicht hinter einer zweiten Gitarre verstecken. Und es hat auch einen wirtschaftlichen Vorteil, wenn man mit nur drei Leuten auf Tour geht. Nur so konnten wir auf demselben Level wie zuvor weitermachen.

2017 habt ihr mit Jeff Dahl einige Songs aufgenommen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Wir sind schon ewig in Kontakt. Er schrieb über uns in seinem Magazin und wollte uns 1997 auch auf einer Compilation haben, die er damals zusammenstellte. Wir blieben in Verbindung und als er schließlich nach langen Jahren wieder einmal nach Schweden kam, war es logisch zusammen zu musizieren. Wir haben eine ähnliche Philosophie, was Musik anbelangt, und auch die gleichen Punkrock-Wurzeln, auch wenn er natürlich aus der Gründergeneration stammt. Es hat Laune gemacht, mit ihm abzuhängen und seinen Geschichten zu lauschen. Er hat mit jedem coolen Musiker gespielt. Die Aufnahmen mit ihm klingen super und wir haben sogar einen neuen Song geschrieben und aufgenommen. Und wir haben auch ein mehr oder weniger unangekündigtes Konzert in einem kleinen Laden in Stockholm gespielt und es waren vielleicht vierzig Leute da. Die Glücklichen, denn das Konzert ist jetzt schon legendär.

2017 seid ihr in Italien getourt. Warum nur dort?
Es war die Tour anlässlich des zwanzigsten Jubiläums der Veröffentlichung von unserer ersten Single „Electrocute“. Wir hatten in Italien immer viele Fans und tolle Konzerte und es war und ist für uns das beste Land, um zu touren, inklusive Schweden. Zudem haben wir dort einen tollen Booker, Corner Soul. Daher Italien. Wir hatten auch in Deutschland diverse Booker, aber das ist eine Weile her. Mal sehen, was da noch kommt.

Auf dem Weg nach Italien hat sich euer Bus verabschiedet. Was bedeutet so etwas für eine tourende Band und habt ihr darüber nachgedacht, die Tour zu canceln?
Das war natürlich ein Desaster. Es bedeutet, jede Menge Geld zu verlieren und natürlich auch einen Haufen Ärger. Die Tour selbst war super, hat aber wegen dieses Vorfalls ein gigantisches Loch in die Bandkasse gerissen. Wir vertrauten auf die Hilfe von SOS International, aber die haben uns völlig abgezogen. Keiner weiß, wo unser Bus abgeblieben ist, und auch all die Sachen von uns, die noch im Bus waren, sind verschwunden. Ätzend.

Was hat es mit dem Film „Race with the Devil“ auf sich, in dem auch eure Musik zu hören sein wird?
Es wird wohl ein amerikanischer Hot-Rod-Exploitation-Film werden, der dieses Jahr herauskommen soll. Wir sind neben Hank Williams III, BLOODY HOLLIES oder GIRLSCHOOL auf dem Soundtrack zu hören. Soweit ich weiß, hat er aber nichts mit dem gleichnamigen Film mit Peter Fonda von 1975 zu tun.

Hat es euch überrascht, als die HELLACOPTERS „Electrocute“ 2008 auf ihrem Abschiedsalbum gecovert haben?
Wir waren völlig baff! Wir hatten damals keine Ahnung, wie ihr neues Album werden würde. Ich denke, es war ihre Art, der Szene, aus der sie kommen, etwas zurückzugeben. Es war eine sehr nette Geste. Es führte schließlich dazu, dass wir auf ihrer letzten Tour für sie eröffnen durften, was der Hammer war. Wir hatten „Ace In The Hole“ ja etwa zu gleichen Zeit veröffentlicht. Beide Bands spielten auf dieser Tour jeden Abend „Electrocute“ und es war großartig, dabei gewesen zu sein. Es war die letzte Tour mit Kenny und Strings, der ja jetzt leider tot ist.

Magst du ihre Version?
Ja, sehr! Ich erinnere mich daran, dass Nicke uns damit aufzog, den Song im STATUS QUO-Stil zu spielen. Vermutlich dachte er, wir würden diesen Boogie-Woogie-Kram hassen, haha. Es war eine super Live-Nummer für sie und es war jedesmal ein Kick für mich, wenn sie ihn spielten, denn ihr Publikum sang ihn lauthals mit, einen Text, den wir mit 18 oder so geschrieben hatten.

Hat euch ihre Version messbare Aufmerksamkeit gebracht? Ich muss zugeben, euch auch erst dadurch kennen gelernt zu haben.
Ich glaube, dass es zum Teil ihre Absicht war, mit dem Album ein Licht auf andere Bands der gleichen Ära zu werfen. Es hat uns natürlich etwas Aufmerksamkeit beschert, aber die Geste dahinter war viel wichtiger.

Warum braucht die Welt die „DEMONS“ auch 2018?
Wir boten immer eine Alternative, sind nie einem Trend gefolgt. Unser Antrieb ist der ursprüngliche Geist des Rock’n’Roll, der in moderner Musik kaum mehr zu finden ist. Wir haben einige Deals und Kooperationen abgelehnt, da sie unserer Idee von dem, was wir tun wollen, nicht entsprachen. Das mag merkwürdig klingen und hat auch dazu geführt, dass uns die Medien, zumindest in unserer Heimat Schweden, zugunsten von der Industrie geförderten Bands ignoriert haben und immer noch ignorieren. Das ist manchmal ein schweres Kreuz, aber wir haben uns noch zu 100% unser Rückgrat, die Eier und Originalität erhalten. Diese Ehrlichkeit gegenüber seiner Kunst findet man in der Musikgeschichte eher selten. Ich hoffe, dass dies für Menschen inspirierend ist und ihnen die Kraft und den Mut gibt, ihren eigenen Weg zu gehen, so wie wir es getan haben. Wir sind hier, um zu beweisen, dass es geht.