ZYMT

Foto© by Luke Driemer

Lust auf Pop

Ein dicker Smiley prangt auf dem Cover des Debütalbums von ZYMT. „Das Privileg der Misanthropie“ klingt aber ganz und gar nicht wie das Frühwerk von Newcomern. Kein Wunder, denn die Bandmitglieder von ZYMT waren vorher bereits in unzähligen Punkbands wie MANN KACKT SICH IN DIE HOSE, NAPOLEON DYNAMITE oder ABRISS aktiv. Jetzt haben sich die fünf Dortmunder neu zusammengefunden und damit auch musikalisch neu definiert. Ihr keyboardgetriebener Highspeed-Sound ist frühen NDW-Bands näher als dem Deutschpunk. Doch obwohl die Musik richtig fröhlich klingt, behandeln die Texte durchaus ernsthafte politische Themen. Ein gewollter Bruch, wie Sänger Maz und Keyboarder Jonas im Interview erklären.

Eure Musik klingt ja durchaus nach Spaß, aber in den Texten kann man eine gewisse Ernsthaftigkeit entdecken. Wie kommt’s?

Maz: Alle in der Band sind von New Wave und NDW geprägt. Wir können alle was mit DAF, NEW ORDER oder Hubert Kah anfangen. Aber im Gegensatz zu den Texten der frühen Neuen Deutschen Welle, in denen es vor allem ums Partymachen geht, haben wir alle noch einen Punk-Background. Deshalb bemerken wir viele Dinge, die wir auch ansprechen wollen. Der Song „Sprengschlamm“ zum Beispiel ist meine ganz persönliche Abrechnung mit der Arbeitnehmerschaft, nachdem ich mich selbstständig gemacht hatte. Ich arbeite ja hauptberuflich als Grafikdesigner. Als Freelancer für die Musikindustrie, zum Beispiel als Hausgrafiker der ANTILOPEN GANG.

In welchen Bands wart ihr vorher unterwegs?
Maz: Tatsächlich machen wir schon seit zwanzig Jahren Musik in mittelmäßigen Punkbands. Jonas hat lange bei WILLY FOG gesungen, ich bei MANN KACKT SICH IN DIE HOSE. Alex war bei SIDETRACKED, Markus bei JACQUES SHE ROCK. Dass wir jetzt zu fünft eine Band gestartet haben, hat sich zufällig ergeben. Während Corona haben Jonas und ich zu zweit angefangen, Musik zu machen, ohne in den Proberaum zu gehen. Das hat alles so viel Bock gemacht, dass wir uns noch drei Mitstreiter gesucht haben.
Jonas: Wir kennen uns alle schon ewig und kommen aus denselben Dörfern in der Nähe von Dortmund. Jeder hat sein eigenes Ding gemacht, manche waren eher auf Krawall gebürstet, andere eher in der progressiven Ecke angesiedelt. Aus diesem Potpourri hat sich unsere neue Band gebildet.

Was war musikalisch der Plan?
Maz: Wir wollten auf jeden Fall ein Projekt starten, das mehr nach NDW und New Wave klingt als unsere bisherigen Bands. Wir hatten aber auch den Anspruch, einen eigenen Sound zu entwickeln und ganz bewusst einen Stilbruch zu wagen. Das macht mir mehr Spaß, als den 15. Song gegen Bullen zu schreiben.

Wolltet ihr so klingen wie die Bands, die Anfang der Achtziger im Ratinger Hof in Düsseldorf gespielt haben?
Maz: Wenn du Bands wie S.Y.P.H. oder MITTAGSPAUSE meinst, dann war das definitiv so geplant. Das war für mich eine geile Musik-Ära. Ultra auf die Fresse und dazu sehr smarte Texte. Für mich ist das der unpeinlichste Punkrock, den es jemals gab. Der aktuelle Punkrock in Deutschland ist in meinen Augen die zehnte Kopie von irgendwas. Die meisten Sachen davon finde ich extrem belanglos. Unser Plan war einfach, Spaß zu haben und Musik machen, die wir alle toll finden. Nächstes Jahr wollen wir auf jeden Fall einen Song für den Eurovision Song Contest einreichen, weil wir alle große ESC-Fans sind. Das hat DRANGSAL auch schon gemacht, der in unseren Augen der perfekte Kandidat gewesen wäre. Nachdem wir so viele Jahre in DIY-Strukturen unterwegs waren, finde ich es auch mal spannend, eine Band zu haben, mit der wir auch ins Pop-Business reinschnuppern können.
Jonas: Pop ist ja ein sehr vielfältiges Genre und trotzdem weigern wir uns seit Jahrzehnten, die vielfältigen Möglichkeiten zu nutzen. Stattdessen läuft im Radio immer nur die gleiche Facette von Popmusik. Deshalb finde ich es auch schön zu sehen, dass das nicht mehr so gut funktioniert wie früher, weil die Leute darauf keinen Bock mehr haben. Sonst wären die deutschen Beiträge nicht seit Jahren auf die letzten Plätze abonniert.

Woher kommt diese Lust am Pop?
Maz: Ich denke, weil wir von aktuellen Punkbands eher gelangweilt sind. Ich glaube, wir sind mit unserem Sound näher an BEACH BOYS als an LOVE A. Deshalb hätte ich auch kein Problem damit, mit ZYMT auch mal beim „Fernsehgarten“ aufzutreten, haha. Was gibt es Schöneres, als morgens um zehn Uhr in Mainz ein paar Bier zu trinken?