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RED FANG

Arrows

Grün, Pink und Gelb. Grelle Farben. Unzählige Augen, die den Betrachter mit Blicken durchbohren. An das Artwork von „Arrows“ muss man sich erst einmal gewöhnen. Relapse-Designer Orion Landau hat dem fünften Album von RED FANG ein sehr poppiges Outfit verpasst. Könnte auch gut von Frank Kozik stammen. Aber keine Angst, die Musik der vier Beerdos aus Portland weicht nicht vom gewohnten Pfad ab. Vor 16 Jahren haben sich Bryan Giles, Aaron Beam, David Sullivan, John Sherman in der linksalternativen Hochburg gefunden. In der Stadt, aus der Bands wie WIPERS, POISON IDEA oder SLEATER-KINNEY kamen. Seit ihrem zweiten Album „Murder The Mountains“ (2011) sind RED FANG bei Relapse Records unter Vertrag und sie konnten mit „Whales And Leeches“ (2013) und „Only Ghosts“ (2016) ihre Popularität kontinuierlich steigern. Auch dank der witzigen Splatter-Damage-Clips auf YouTube von Regisseur und Bandkumpel Whitey McConnaughy. Der verwandelt die vier Bandmitglieder in vier nicht besonders schlaue, immer durstige Honks, die gerne Sachen kaputtmachen oder sich in Ritterrüstungen aus Bierdosen auf Gegner aus der Cosplay-Szene stürzen. Wer sie nicht kennt, schaut euch die Videos zu „Prehistoric dog“, „Wires“, „Hank is dead“ oder „Blood like cream“ an. Der Titeltrack von „Arrows“ passt perfekt in diese Reihe, wenn die Band ihr komplettes Budget für den Videodreh in Lebensmittel investiert und dann mit einem Samuraischwert zerschneidet. Das muss man nicht verstehen, sondern einfach nur witzig finden. Die Musik von „Arrows“ ist wieder ein Stück rauher geworden als auf „Only Ghosts“. „Diese Platte fühlt sich für mich mehr wie ‚Murder The Mountains‘ an als jede Platte, die wir seitdem gemacht haben“, sagt Bassist Aaron Beam. Das erste Album für Relapse als Messlatte. Der rauhe Sludge der frühen Jahre quillt aus allen Poren. Dreckig, groovy und gewaltig. Dazu gibt’s catchy Riffs und eingängige Refrains im Fünferpack. Von Altersmilde ist nichts zu spüren. Die Texte sind voll mit absurdem Humor. Wenn Aaron sich zum Beispiel Gedanken über einen „Funeral coach“ macht. Ein Trainer für Beerdigungen? Dabei heißt „funeral coach“ übersetzt eben auch Leichenwagen. Oder wenn im Song „Fonzi scheme“ Erinnerungen an die Figur Arthur Fonzarelli aus der TV-Serie „Happy Days“ wach werden. Aufgenommen haben RED FANG nicht wieder bei Star-Produzent Ross Robinson in Venice Beach wie beim Vorgänger „Only Ghosts“. Stattdessen waren sie bei DECEMBERISTS-Gitarrist Chris Funk zu Hause in Portland. Er hatte schon „Murder The Mountains“ produziert. „Arrows“ musste übrigens mehr als ein Jahr auf seine Veröffentlichung warten, nur wenige Wochen vor dem geplanten Release im Frühjahr 2020 kam der Lockdown. Anfang Juni 2021 ist es endlich soweit. Yeah!