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SCHNEIDER TM

Ereignishorizont

Ich gönne es Schneider aka Dirk Dresselhaus ja durchaus, dass er nach seiner Zeit bei den HIP YOUNG THINGS Mitte/Ende der Neunziger Ostwestfalen verließ und sich in Berlin in der Elektro-Szene einen Namen machen konnte, vor allem mit seinem Projekt SCHNEIDER TM, auch wenn ich selten viel Spaß mit seinen bei City Slang oder Bureau B veröffentlichten Platten hatte. Mehr Vergnügen bereitete mir, als er sich 2018 noch mal mit seinem Kumpel Krite aka Christopher Uhe zusammentat, um ein weiteres schönes LOCUST FUDGE-Album einzuspielen, mit dem sie auch auf Tour gingen, was sich damals im Düsseldorfer Zakk etwa 15 bis 20 Leute anschauten. Da hätte ich nichts gegen eine Zugabe einzuwenden. Deutlich spannender war auch Schneiders Interesse für Krautrock, etwa bei seiner Zusammenarbeit mit Günter Schickert (und Jochen Arbeit) 2016 unter dem Namen ASS, ebenfalls arbeitete er mit FAUST und Conrad Schnitzler zusammen. Diese Hinwendung zu Krautrock ist auch auf Schneiders epischer neuen Platte „Ereignishorizont“ unüberhörbar, der sich hier mit seiner Neo-Electronica in düstere und abstrakte Dark-Ambient-Gefilde begibt. Was man sofort als Elektronik-Platte bezeichnen würde, ist aber dennoch das Werk eines Gitarristen (was auf Disc 2 deutlicher wird), der hier mit Hilfe modularer Synthesizer über gut achtzig Minuten erstaunliche Klangwelten erzeugt, die sich sofort von am Laptop generierten oft seelenlosen digitalen elektronischen Sounds unterscheiden. „Ereignishorizont“ ist eine spannende Reise in analoge krautrockige Welten, wozu auch das schöne retrofuturistische Artwork passt, das auch von einem billigen SciFi-Groschenroman stammen könnte.