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BOLLWEEVILS

Essential

Die ältesten in Textform verfügbaren Ox-Reviews sind aus Ox #21 vom Herbst 1995, und damals schrieb ich über das „Heavyweight“-Album der BOLLWEEVILS aus Chicago, erschienen auf Dr. Strange aus L.A.: „Zwölf neue bissig-knackige Punkhymnen. [...] Melodisch, ja, aber nicht wimpig rumheulend, straight rockend auch, aber nicht in Gefahr, dem Mainstream nahe zu kommen: ‚Heavyweight‘ ist da nur der passende Albumtitel. Auch textlich wissen Bob, Brian, Daryl und Ken zu gefallen: ‚15 dollars for a show, your punk rock image is a joke‘ singen sie in ‚Major problems‘ und bringen damit die ganze Kacke um GREEN DAY und Konsorten auf den Punkt.“ Gegründet hatten sie sich schon 1989, waren große Fans der Lokalhelden NAKED RAYGUN, hielten bis 1996 durch. 2003 und 2006 gab es Konzerte, seit 2012 sind sie wieder richtig aktiv, und nun ist mit „Essential“ tatsächlich ein neues Album erschienen, wirklich das erste seit „Heavyweight“, nur 2014 hatte es mal eine 7“ gegeben, alles andere waren Kleinformate und Compilations gewesen. Und ich bin hin und weg, wie gut die Band gealtert ist. Songs wie „Bottomless pit“ oder „Our glass“ sind wie eine Zeitmaschine, und dass es „nur“ zehn Songs sind und „nur“ 22 Minuten – scheißegal. THE BOLLWEEVILS bestätigen mir gerade, dass ich mit ihnen in den wirren Neunzigern mit all ihrer heute verklärten Schrottmusik auf der richtigen Seite war. Das ist allerbester bissiger Punkrock, der in druckvoller Produktion in Erinnerung ruft, warum wir diese Band und viele andere auf Dr. Strange, Burning Heart und Fat Wreck so abgefeiert haben. Bleibst du hier sitzen, dann bist du so alt, wie es die Zahlen in deinem Ausweis behaupten!