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CLINIC

Fantasy Island

Die 1993 in Liverpool gegründeten CLINIC sind ein Phänomen, das sogar schon auf das Jahr 1984 zurückgeht, als Ade Blackburn (voc, gt) und Jonathan Hartley (gt) erste gemeinsame musikalische Gehversuche machten. 1993 dann kamen Brian Campbell (bs, fl) und Carl Turney (dr) dazu – und blieben bis 2019, als die Band mit „Wheeltappers And Shunters“ ihr erstes Album seit 2012 veröffentlichte – sieben Jahre, in denen es sehr ruhig geblieben war. Für Sommer 2021 war eine Tour angekündigt, die dann nicht stattfand. Und im Oktober 2021 dann der Release von „Fantasy Island“, auf dem wie beim Vorgänger nur Blackburn und Hartley als Songwriter genannt werden und wo auch nur diese beiden auf einem Pressefoto auftauchen. Und: Aufgenommen wurde „Fantasy Island“ bereits Sommer 2019. Man darf also annehmen, dass es in den letzten Jahren gewaltig geknirscht hat im Band-Gebälk. Und da lautet die bange Frage natürlich, ob sich das negativ auf den geschätzten Trademark-Sound der Briten ausgewirkt hat. Die Entwarnung: grundsätzlich nicht. CLINIC klingen immer noch nach CLINIC, haben ihren auf wattigen Wummer-Drums basierenden Sound immer wieder mal variiert, mit dubbigen Rhythmen als Grundlage und Ade Blackburns markanten Vocals als Wiedererkennungsmerkmal. Der Abgang des Drummers? Hätte ich nicht gemerkt – oder ist der Sound jetzt elektronischer? Diese Flöte (Harmonika?) von Brian fehlt mir, die war schon auffälliger. Ansonsten stampfen CLINIC so faszinierend psychedelisch daher wie eh und je, sprechen aber selbst davon, das Thema sei gewesen, „die Zukunft zu betrachten und die verschiedenen Möglichkeiten, wie sie sich entfalten kann“ – elektronischer und poppiger (und „tropischer“, siehe Titel und Coverartwork) sei die Platte deshalb geworden. Klar, wenn zwei Musiker abgängig sind, musste wohl mehr Elektronik ran, mit dieser Folge? Was für eine Bedeutung H.G. Wells, Marshall McLuhan und Richard Brautigan für das Album hatten – dies wird nur im Pressetext angedeutet –, hätte man gerne im Detail in Linernotes oder einem Textblatt erfahren, diese Information bleibt einem die Band aber schuldig. Gemischt von Claudius Mittendorfer (PARQUET COURTS, NEON INDIAN), ist „Fantasy Island“ mit dem famosen Titeltrack und dem überraschenden Cover „I can’t stand the rain“ ein weiteres famoses CLINIC-Album, und ich hoffe nur, man muss sich über den Fortgang der Dinge hier keine Gedanken machen.