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VOODOO GLOW SKULLS

Livin’ The Apocalypse

Bereits 1988 gründeten sich VOODOO GLOW SKULLS als Quasi-Familienunternehmen in Riverside, weit im Hinterland von Los Angeles gelegen. Eddie Casillas an der Gitarre, Jorge am Bass, Frank als Sänger. 1991 kamen die Bläser dazu, 1993 erschien das aus diversen bis dato gemachten Aufnahmen zusammengestellte Quasi-Debütalbum „The Potty Training Years“, und im gleichen Jahr noch auf Dr. Strange Records von ein paar Käffer weiter das Debütalbum „Who Is, This Is?“ – genau richtig zum Ska-Punk-Boom jener Jahre. Epitaph noch ein paar Käffer weiter erkannte das auch, vier Alben erschienen dort und begeisterten auch jene, die „typischen“ Ska-Punk nicht so mögen, denn wie MGHTY MIGHTY BOSSTONES auch hatten die Casillas und ihre Mitmusiker eher einen aggressiven Hardcore-Ansatz, ergänzt um auch mal spanische Texte und eher mexikanisch anmutende Einsprengsel. Nach der Jahrtausendwende wechselten VGS zu Victory, waren weiterhin gefeierte Band auch auf europäischen Bühnen, doch war etwas die Luft raus: das 2012 auf dem eigenen Label Smelvis Records veröffentlichten neunte Studioalbum „Break The Spell“ verpuffte recht unbeachtet, und als im Juni 2017 Frank Casillas seinen Ausstieg als Sänger verkündete, hätte man auch mit dem Ende der Band kurz vor dem dreißig Geburtstag rechnen können. Doch es ging weiter, mit Efrem Schulz von DEATH BY STEREO wurde ein erstklassiger Ersatz gefunden, und mit „Livin’ The Apocalypse“ erschien nun das erste Album dieses neuen Line-ups, vor dem ich die Band ehrlich gesagt etwas aus den Augen verloren hatte. Angeblich zeichnet sich in den USA derzeit ja ein gewisses Ska-Punk-Revival ab, aber irgendwie passten VGS trotz Saxophon und Posaune und etwas Offbeat hier und da nie so ganz in dieses Genre – eben weil ihr Grundansatz derber und hardcoriger ist, siehe etwa „Story at 11“. Bisweilen klingt das auch fast schon mal wie einer der Ska-Ausflüge von NOFX. In Efrem hat die Band einen exzellenten, erfahrenen Sänger mit exakt passender rauh-aggressiver Klangfarbe gefunden, der aber auch die fast schon gerappt wirkenden klar phrasierten Parts beherrscht – ein Glücksfall für die Band, mit so viel Schwung weitermachen zu können. Und ich weiß auch wieder, warum ich die vor 28 Jahren abfeierte: dieser warme, groovende und zugleich kickende Sound ist wirklich einzigartig, hat sich – zum Glück! – über die Jahrzehnte nie irgendwelchen Trends angepasst oder wurde zum Opfer einer „musikalischen Weiterentwicklung“. Überraschend der Gastshouter bei „The walking dread“: Randy Blythe von LAMB OF GOD. Die Texte sind, was man versteht (denn sie liegen nicht bei) und was die Titel andeuten, durchaus engagiert. Dr. Strange hat dem Album ein schön dickes Cover nebst bedrucktem Innersleeeve sowie knallrotes Vinyl spendiert.