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PAUL WELLER

On Sunset

Paul Weller hätte es sich einfach machen können, indem er mit einem „Stanley Road 2.0“ die Fred Perry-tragende Dadrock-Fraktion zufriedengestellt hätte. Er hätte natürlich auch den Weg seiner ungelenken, angestrengt wirkenden „Musique concrète“-Experimente auf der EP für Ghost Box fortsetzen können, öffentliche Meinung und Fans außen vor lassen. Weller ist aber lang genug im Geschäft und was läge da näher, als mal eben den Mittelweg zu gehen, beinahe beiläufig eines der kreativsten und solidesten Alben seiner Karriere zu veröffentlichen, dabei Experimentierwut und solides Pop-Writing mit einer Nonchalance zu verbinden, wie es seinerzeit einem Bowie in seinen besten Momenten gelungen wäre. Gleich der Opener, das siebeneinhalbminütige „Mirror ball“ ist eine Westentaschen-Symphonie, hier kommt Weller kurz auf seine Collagen-EP zurück, kombiniert aber auch beschauliche Piano-Improvisationen, seltsame Synthie-Teppiche und unberechenbare Tempowechsel, dennoch kommt der Song auf den Punkt, sogar mit einer anhänglichen Ohrwurmmelodie, das muss man erst mal bringen ... In vielen Songs setzt Weller dann auf breitwandige Streicherarrangements, ohne dabei ansatzweise schwülstig zu klingen, verbindet diese aber mit zeitgenössischen R&B-Elementen, die Zusammenarbeit mit COL3TRANE auf der neuen Single „Earth beat“ funktioniert bestens. Schön auch, dass Wellers alter STYLE COUNCIL-Buddy Mick Talbot mit seiner unnachahmlichen Hammond mithilft. Mit „On Sunset“ hat Paul Weller ein durchweg angenehmes Album mit enormen Tiefgang geschaffen, sämtliche Experimente sind gelungen, und dabei sind sogar noch ein paar Melodien für die Ewigkeit rumgekommen.