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COCONUT KINGS

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Eine Band mit Streetcredibility sind die COCONUT KINGS aus dem Wallis in der Schweiz auf jeden Fall. Entstanden aus dem Duo Hannibal Slim (Gesang, Gitarre) und Captain Boogie (Gitarre und „Stompin’ drum machine“) haben sie sich mittlerweile zu einer fünfköpfigen R’n’B-Formation erweitert.

Zunächst spielten (und probten!) die Kings tatsächlich auf der Straße, wo sie neben dem Spaß auch etwas Geld verdienen konnten. Auf ihrem nun frisch veröffentlichten Debütvinyl spielen sie eine irrsinnige Mixtur aus Swing, Jazz, Calypso, Soul, Delta- sowie Rhythm’n’Blues.

Dazu kommt noch schmutziger Rock’n’Roll, und fertig ist ein Gebräu, das zu allerlei Schandtaten verleiten kann und Untugenden beschwört. Ein Album, dem der Spaß aller Beteiligten an der Produktion jederzeit anzuhören ist, allerdings definitiv keine Aufnahme, mit der man seinen Freunden die neue Saphir-Nadel des High-End-Plattenspielers vorführen sollte.

Doch spielt Audiophilie hier auch überhaupt keine Rolle, es wird schlicht in gloriosem Mono mit übersteuerten Analoggeräten gearbeitet, es könnte sich durchaus um eine Aufnahme aus den frühen Fünfziger Jahren handeln.

Die COCONUT KINGS spielen die 15 Nummern mit ungestümer Leichtigkeit, bereits bei dem Opener „I wish you would“, ein Song von Billy Boy Arnold, dem die YARDBIRDS zu Weltruhm verhalfen, zeigt sich, dass hier ein durchweg virtuoses Ensemble am Werk ist.

Die Gitarrenarbeit von Roman Bader überzeugt voll und ganz, und der rauhe Gesangsstil von Micael Da Costa erinnert tatsächlich an Muddy Waters und andere Helden der goldenen Chess-Ära. Für die Aufnahmen haben zwei Mitglieder der befreundeten MOONLIGHT GANG an Piano und Kazoo ausgeholfen.

Ein starkes, völlig authentisch klingendes Album zum Einstand einer Band, die ohne Retro-Allüren auftritt, sich wenig um moderne Hörgewohnheiten schert, und der man ihre Bluesbesessenheit jederzeit abnimmt.

Großes Lob gebührt noch für das schicke Coverartwork, der LP liegt zudem ein ansehnliches DIN-A2-Poster bei!