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Interviews & Artikel

DEAD BROTHERS

Keine Angst vor dem Tod

"Dead Music For Dead People" und "Day Of The Dead" sind die Titel der ersten beiden Platten der kosmopoliten Schweizer DEAD BROTHERS. Auch auf dem neuen (regulären) dritten Werk "Wunderkammer" handeln die Lieder häufig - und meist augenzwinkernd - vom Tod. Dead Alain (Gesang, E-Banjo), Dead Delany (Schlagzeug, Gesang, Gitarre, Lap-Steel, Waschbrett, singende Säge), Dead Pierre (Klavier, Gitarre) und Dead Christoph (Blasinstrumente) sind die letzten Überbleibsel eines einst vielköpfigen Beerdigungsorchesters, die anderen Mitglieder sind verstorben, viele davon gewaltsam zu Tode gekommen. Live präsentiert sich der Vierer dennoch in prächtiger Unterhaltungslaune (siehe Bericht vom Offenburger Gig in der letzten Ausgabe). Neben dem genialen "Wunderkammer" gibt es seit Anfang dieses Jahres auch einen Dokumentarfilm über die Band. Das ist Grund genug, mit Sänger und Banjo-Spieler Alain Croubalian etwas zu plaudern.


Wie und wann ging es mit den DEAD BROTHERS los?

Wir haben die DEAD BROTHERS 1998 gegründet. Wir waren Teil des Electric Circus, der damals jedes Jahr einen Monat lang durch Europa tourte. Anstelle von Tieren, waren Menschen hier die "Attraktionen". Für unseren Part haben wir einen trinkenden Medizinverkäufer erfunden, wie man ihn aus amerikanischen Western kennt, der für Geld singen muss, überall wo er hinkommt.

Ihr bezeichnet euch als "Funeral Orchestra", als Beerdigungsorchester. Was steckt dahinter?

Besonders wichtig war hierfür die Begegnung mit Jean Ziegler, bis 2002 Soziologie- und Politikprofessor in Genf und Verfasser vor allem globalisierungskritischer Bücher, sowie das Buch "Les vivants et les morts" vom Autor, Schauspieler und Filmemacher Gérard Mordillat. Wir haben gelernt, der Tod ist unkapitalistisch. Denn der Tod macht die Menschen träge. Und weil sie Angst vor dem Tod haben, können sie diese Trägheit nicht überwinden. Warum sollte man sich anstrengen oder kreativ sein, wenn man doch sowieso stirbt? Deshalb ist es wichtig, über den Tod zu sprechen, das Tabu zu brechen, um die Angst zu nehmen. Außerdem: die besten Lieder handeln normalerweise sowieso vom Tod.

Eure Musik lehnt sich stark an die Musik der 1920er und 30er an.

Wir gehen zurück zu den Wurzeln des Rock'n'Roll, den wir über alles lieben. Egal, ob Django Reinhardt oder "yodeling cowboys", es ist Blues, hat aber europäische Wurzeln und zu denen gehen wir zurück. Wir versuchen, die Spannung zwischen primitiv und gebildet zu halten, zwischen wild und zivilisiert, hübsch und hässlich, schön und grausam. Wir sind eben eine paradoxe Band.

Im Gegensatz zu den beiden ersten Alben erscheint euer neues drittes Album "Wunderkammer" eingängiger. Oder besser gesagt: die Melodien, die ihr immer schon hattet, kommen auf "Wunderkammer" viel stärker zum Ausdruck. Seid ihr weniger sperrig oder habt ihr etwas am Songwriting geändert?

Wir haben da viel Arbeit reingesteckt, ohne es aufdringlich zu machen. Durch die vielen Live-Auftritte kennen wir uns jetzt auch als Band besser, spielen besser zusammen und drücken auch klarer aus, was wir zu sagen haben. Die Platte klingt auch besser und tiefer, weil wir mehr Zeit und Geld dafür gebraucht haben.

Neben drei regulären Platten gibt es noch euren Soundtrack zu dem Tattoo-Film "Flammend' Herz". Da weicht ihr von dem Funeral/Death-is-not-the-end-Konzept etwas ab. Hattet ihr an dieser Geschichte schon vor dem Film Interesse?

Wir sind keine Tattoo-Fans, aber von Filmen und menschlichen Abenteuern, wie diese Geschichte von den drei alten Tätowierern. Olli Ruts und Andrea Schuler, die Produzenten von "Flammend' Herz", hatten unsere Platten und wollten, dass wir die Filmmusik machen. Es war nicht ganz einfach, die Geldgeber zu überzeugen, uns komische Käuze wollten sie am Anfang überhaupt nicht! Und ich kann verstehen, dass man unsere Musik nicht gut zeitlich einschränken kann, unser Sound ist nicht zeitgebunden.

DEAD BROTHERS haben nicht nur die Musik zu einem Film geschrieben und auf Vinyl gebannt, sondern wurden selbst Gegenstand eines Films: "Death Is Not The End". Wie kam es, dass Slowboat einen Film über die DEAD BROTHERS drehte?

Marc Littler, in Südafrika geboren, wollte nach Amerika ziehen, wo er Film studiert hat. Dann hat er aber in Frankfurt, im Dreikönigskeller, eine von unseren Platten gehört - "Day Of The Dead" um genau zu sein. Da beschloss er, einen Film über uns zu machen. Aber sein Pech war, dass wir nicht aus New Mexiko oder New Orleans stammen, sondern aus der Schweiz. Er ist nicht am nächsten Tag ausgewandert und lebt heute noch in Frankfurt. Wir spielen bald auch in seinem nächsten Krimi ...

Wo wurde gedreht und wie lange habt ihr für den Film gebraucht?

Genf, Frankfurt, Berlin, Winterthur und Bern. Das Ganze hat bis zur Fertigstellung über ein Jahr gedauert. Marc hat auch alles selber finanziert!

Die Interviews haben ja eine narrative Struktur. Hattet ihr vor dem Drehbeginn ein Konzept oder wurde ad hoc gedreht?

Marc weiß, wie man Filme macht. Er ist sehr gut, aber er sagt, er hätte bei diesem Dokudreh mehr über sich und das Filmemachen gelernt als wirklich über die DEAD BROTHERS. Aber ich glaube auch, dass Marc die Struktur vom Erzählerischen aus den Songs übernommen hat. Die Texte haben diese Moritat-Qualität, und Marc hat den ganzen Film um die Songtexte herum gedreht, was für mich völlig richtig ist. Die Songs bekommen mit den Bildern eine zusätzliche Bedeutung, eine neue Interpretation. Das Komische ist, dass der Film das erste richtige DEAD BROTHERS-Interview war. Wir wussten nicht, was der jeweils andere erzählt, und auch nicht, dass die gleichen Fragen an jeden von uns gestellt worden sind. Wir werden in einem Interview nie wieder so unschuldig antworten können ...

Im Film stellt ihr euch und eure familiäre Herkunft als Menschen dar, ziemlich spannend im Übrigen. Erklärt sich vielleicht aus der kosmopolitischen Zusammensetzung - Alain hat armenische, ägyptische und Schweizer Vorfahren, Delany ist aus Neuseeland, Pierre hat indische Ahnen - erst die Musik der DEAD BROTHERS?

Nein. Die Musik, ist einfach davon geprägt, dass wir nicht nur in einer Welt suchen, sondern über Grenzen hinweg ... Musik kennt eben diesen Grenzen nicht. Wie im Film: wir suchen das universelle Element, das die Menschen in Kairo, in Bombay und in Kalifornien gleichzeitig zum Tanzen und zum Träumen bringt.

Es gibt im Film den Satz, dass Musik immer etwas kaputt/unperfekt/schräg sein muss, damit es DEAD BROTHERS-Musik ist. Was ist damit gemeint?

Delaney meint, dass diese unperfekten Ecken und kaputten Kanten es ermöglichen, in Musik einfach reinzukommen, sie besser zu verstehen. Die glatte perfekte Seite ist für uns zu technisch und nicht menschlich genug. Die Menschen machen immer wieder etwas ein bisschen anders, schräg ist eben menschlich.

Andreas Huether

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #67 (August/September 2006)

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