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Interviews

MNMNTS

Saturierte Wochenendpunks

2011 erschien eine Platte auf dem renommierten Berliner Label Adagio830, die durchweg auf positive Resonanz stieß. Dabei handelte es sich um die erste Veröffentlichung der Trierer Band MNMNTS, die zwar auf Vokale im Bandnamen verzichtete, dafür aber mit „The Good Life“ ein ziemlich rundes Album gezimmert hatte, das mit einem Fuß im Emo der Neunziger stand und das andere Bein kräftig auf dem Parket des Hardcore tanzen ließ. Dass das Debüt so rund geworden ist, liegt zuletzt vielleicht auch daran, dass die Band fast zwei Jahre geprobt, live gespielt und sich auch personell gewandelt hat, bis ein Ergebnis in Form einer LP auf dem Tisch lag. Ein weiterer Line-up-Wechsel zeichnete sich dann während des Entstehens dieses Interviews ab. Sänger Seb, der mit seiner kratzig-atemlosen Stimme und den Tanzeinlagen auf der Bühne viel zum Sound und der Qualität von MNMNTS beigetragen hat, entschied sich kurz nach Ostern, die Band zu verlassen. Zu Wort kommen die beiden Gitarristen André und Sebastian.

Was treibt einen Haufen Endzwanziger dazu, irgendwann 2008 in Trier eine Band zu gründen? Ich hoffe, das Jahr stimmt, immerhin habt ihr im Januar 2009 schon in Darmstadt gespielt, da noch als MONUMENTS.

Sebastian:
Das Jahr stimmt, allerdings waren wir damals eher noch knackige Mittzwanziger, mit leichten Ausschlägen nach oben. Im Großen und Ganzen entsprangen MNMNTS unseren sich treffenden Lebenslinien; André zog gerade von Kassel nach Trier, ich selbst von Bonn aus. Jan kannte ich noch aus gemeinsamen Schultagen. Na, und bei den ersten Proben ist dann definitiv der Funke übergesprungen. Uns war eigentlich von Beginn an klar, dass das ganz gut funktionieren könnte. Wir wollten und wollen Songs schreiben, die dafür gemacht sind, live gespielt zu werden – und nebenbei wollten wir natürlich noch ein bisschen über die Welt meckern. Übrigens witzig, dass du die Show in der Oetinger Villa erwähnst, das war mit JUST WENT BLACK und circa eine Woche, bevor wir unseren ersten Sänger rausgeworfen haben. Damals war noch alles ziemlich chaotisch bei uns, wir waren irgendwie so was wie die Vorstufe einer Band, haha!

Also live zu spielen als klares Ziel der Band. Klappt das mit dem Touren so, wie ihr es euch vorgestellt habt? Es gibt immer wieder Bands, die es nicht schaffen rauszukommen, weil die Verpflichtungen der Bandmitglieder, wie Beruf, Studium etc., nicht unter einen Hut zu bringen sind.

André:
Ja, da sprichst du einen wichtigen Punkt an, der auch bei uns immer wieder zum Problem wird. Jan ist Lehrer und kann nur in den Ferien touren, Sebastians Studium ist in den letzten Zügen, so dass er auch immer mehr zu tun hat, und auch bei mir geht der Jahresurlaub oftmals hauptsächlich für die Band drauf. Bei Seb ist nun sogar der Punkt gekommen, dass Beruf und Band nicht mehr miteinander vereinbar sind, so dass er gerade ganz frisch aussteigen musste. Er ist als selbstständiger Tätowierer auf seine Wochenendaufträge angewiesen und das war in der jüngeren Vergangenheit immer wieder sehr schwierig. Nach unserer Tour rund um Ostern hat er dann einen Schlussstrich gezogen. Wir bedauern das sehr, da er den Sound von MNMNTS schon ziemlich geprägt hat und auch ein super Kerl ist, aber wir respektieren seine Entscheidung natürlich. Glücklicherweise haben wir direkt einen Nachfolger gefunden. Er heißt Philipp und wird ab sofort der neue Sänger der MNMNTS sein. Super Typ, starke Stimme. Komplett anders als Seb, aber geil. Wir hoffen schon bald wieder live zu spielen. Mal sehen, wie dann so die Reaktionen sind.

Sebastian: Und um die Frage vorwegzunehmen: Nein, diese ständige Unruhe bei uns ist nicht der Motor für unser kreatives Schaffen, haha. Ich jedenfalls wäre wahnsinnig froh, wenn diese Besetzung jetzt bis mindestens 2073 bestehen bliebe.

Hat es länger gedauert, bis das angesprochene Chaos in der Band sortiert war? Eure erste Veröffentlichung war nämlich „erst“ 2010 eine Vierer-Split-10“ auf Redfield Records.

Sebastian:
Das kann man wohl sagen. Im Grunde war das eine einjährige Katharsis, denn zwischen Anfang 2009 und Anfang 2010 waren wir komplett ohne Sänger/Sängerin. Die Notlösung war dann, dass André und ich den Gesang so gut es eben ging übernommen haben, da wir die Band nicht völlig auf Eis legen wollten. Da kam es dann schon mal vor, dass wir nur zu dritt auf der Bühne standen, wie bei einer Show in Kassel, als André kurzfristig krank wurde. Zudem half uns damals Dominik von TORPEDO HOLIDAY am Schlagzeug aus, weil Jan in der Hochphase seines Referendariats steckte. Von ursprünglich fünf standen also nur zwei MNMNTS-Mitglieder auf der Bühne, haha! Die Split-Platte ist demnach auch ein bisschen das Produkt dieser Zeit, mehr war einfach nicht möglich. Die Songs von „The Good Life“ beispielsweise entstanden – mit Ausnahme der drei Songs, die bereits auf dem 2008er Demo waren – innerhalb von zwei, drei Monaten. Das klingt jetzt vielleicht etwas klischeehaft, aber dieses schwierige Jahr war tatsächlich sehr wichtig für uns, so sehr es uns auch auf den Sack ging. Aber mittlerweile haben wir echt eine Art Galgenhumor im positiven Sinne entwickelt – uns kann einfach nichts mehr schocken. Denn eigentlich passieren dir als Band ja ständig unvorhergesehene Dinge. Und in dieser Hinsicht haben wir ein recht gutes „Krisenmanagement“ entwickelt.

Eure LP „The Good Life“ erschien dann Anfang 2011 auf Adagio830, meiner Meinung nach großartiges Label. Wie kamt ihr zu diesem Glück?

André:
Adagio830 ist wirklich grundsympathisch und ich kenne niemanden, der je ein schlechtes Wort über das Label verloren hätte. Wir können das im Übrigen sofort bestätigen: Robert ist supernett, er kümmert sich hervorragend und seine Veröffentlichungen sprechen zudem für sich. Wir könnten nicht glücklicher sein. Das Ganze kam so zustande, dass wir einige Rohfassungen aus dem Studio nach Berlin geschickt haben – und Robert antwortete umgehend, dass er Bock darauf hat. Und das war es dann auch schon.

Kommen wir näher auf die Platte zu sprechen: Das Artwork hat Benny von Druckwelle-Design gemacht, der bei euren Konzerten auch immer dabei ist und eure Touren fährt. Seid ihr in Wahrheit doch ein Sextett?

André:
Auf jeden Fall, Benny ist der beste Typ, der sich oftmals mehr für die Band aufopfert als wir anderen. Er war bisher bei jeder Tour dabei und gehört einfach dazu. Der Vorteil ist, dass Benny wirklich mit jedem Menschen auf der Welt gut klarkommt. Deswegen denken auch alle immer, dass die MNMNTS so eine sausympathische Band sind. Das liegt aber eigentlich nur an Benny, haha. Der Fairness halber muss man aber dazu sagen, dass wir mit Maxi auch noch einen siebten und supernetten Mann an Bord haben. Er ist der Kerl fürs Steuer, da sollte man Benny besser nicht dran lassen. Wir gehen bald wieder ins Studio, um eine 7“ aufzunehmen. Zur Zeit steht die Idee im Raum, ein Foto von Maxi und Benny auf jeweils eine Seite des Covers zu drucken. Fände ich ziemlich angemessen, mal sehen.

In erster Instanz drehen sich eure Texte um persönliche Befindlichkeiten. Die Texte tragen aber auch eine „politische“ Tiefe in sich. Warum habt ihr solche Gedanken und Anliegen nicht explizit formuliert?

Sebastian:
Nun, in „Phoney bohemians, asshole avantgarde“ haben wir das ja zum Teil. Aber eben nur da, das stimmt schon. Ich würde uns auch nicht als „politische Band“ bezeichnen; vor allem, weil ich dabei immer an US-Stadion-Punkrock denken muss. Das kommt mir oft einfach zu patronisierend daher. Da finde ich es besser, wenn sich die Leute selbst ihre Gedanken zu den Mechanismen der Welt machen. Aber natürlich sind wir durchaus politische Menschen, wenn du so willst. Ich meine, wer sich zur D.I.Y.-Szene zugehörig fühlt, sollte einfach an gewisse gemeinsame Werte glauben, da gibt es definitiv einen Grundkonsens. Das mag vielleicht elitär wirken, klar. Aber das „Bekenntnis“ zu diesen Werten ist ja freiwillig und keine Bürde. Jede Szene vertritt eben ihre eigenen Wahrheiten. Zudem würden wir uns, einmal von den elementaren Fragen abgesehen, kaum einigen können, politische Statements abzugeben, mit denen wir alle ausnahmslos einverstanden sind – über viele Dinge könnten wir uns in der Band herrlich streiten. Und ich denke auch, dass unsere „Hörerschaft“ politische Angelegenheiten recht unterschiedlich bewertet, aber eben in den fundamentalen Dingen mit uns übereinstimmt. „Politik“ und „Gesellschaftskritik“ wirken entweder zu mächtig oder zu hohl. Von daher wollen wir da gar nicht groß herumpredigen, sondern gehen tatsächlich, wie du oben geschrieben hast, auf die persönliche Ebene. Wir erzählen also in erster Linie Storys, wie das so ist, als Male White Middleclass Post-/Punk-Kid in diesen Zeiten in diesem Teil der Erde aufzuwachsen.

Inhaltlich wurde sich ja auch mit der „Szene“ auseinandergesetzt. Wie sieht denn generell gerade euer Interesse an Hardcore und Punk aus?

Sebastian:
Eigentlich ist Jonas der Einzige von uns, der noch überwiegend Hardcore hört. Schuld an diesem Umstand ist wohl die Tatsache, dass wir anderen mittlerweile Methusalem-ähnliche Altersstufen erreicht haben. Aber weißt du was? Ich glaube, dass ein geiles Riff oder eine nette Melodie sich an beinahe jeden Musikstil anpassen lässt, ohne an Geil- oder Schönheit zu verlieren. Und da kann es nur von Vorteil sein, dass bei uns verschiedene Geschmäcker aufeinander treffen. Musik hat so viel mehr zu bieten als nur D-Beat und Beatdowns!

Abschließend noch die Frage, wie für MNMNTS das gute Leben aussieht?

André:
Irgendwie gibt es ja mehrere gute Leben im Leben. Bezogen auf die Band ist das natürlich die Zeit auf Tour: Der Alltag wird komplett ausgeklinkt, alle sind nett zueinander, geben sich Mühe und man kann jeden Abend das machen, was man liebt. Klingt pathetisch, ist aber so. Aber es gibt genauso ein gutes Leben beim Arbeiten, in der Familie, mit seinen Freunden. Und eine Sache, die dabei in allen „guten Leben“ eine wichtige Rolle spielt, ist Kaffee. Vielleicht ist das die Antwort auf deine Frage: Kaffee!

Matin Nawabi

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #103 (August/September 2012)

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