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Interviews & Artikel

THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY

Teddybärenmonster

Seit einigen Jahren schon ist Fysisk Format aus Oslo das spannendste norwegische Label, wenn es um Musik zwischen Hardcore, Metal und Rock geht. Dort haben auch THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY, die Band um den ehemaligen HELLRIDE- und WONDERFOOLS-Bassisten Zugly, ihre Heimat, die soeben mit „Misanthropical House“ ihr neues Album veröffentlicht haben. Weil die Platte so enorm kickt, stellten wir ihnen ein paar Fragen.

Natürlich ist das neue Album einer Band immer ihr bestes: Was ist besser und anders an „Misanthropical House“?

Magne:
Wie bei den beiden vorangegangenen Alben wurden die grundsätzlichen Sachen im Top Room Studio aufgenommen, aber fertig gestellt und gemischt haben wir die Platte dieses Mal im Nabolaget/Neighbourhood Studio in Oslo zusammen mit unserem Freund Anders Nordengen. Auch das Mastering war diesmal anders, das hat unser Freund Ruben Willem erledigt. Außerdem sind einige der Songs deutlich schneller und einige noch langsamer, so dass es vielleicht abwechslungsreicher erscheint oder auch nicht ...

Eric: Dass das neueste Album einer Band immer das beste ist, stimmt nicht und hat auch bei GBZ nie gestimmt. Dass wir überhaupt noch in der Lage sind, den Prozess des Schreibens, Probens, Aufnehmens und Veröffentlichens eines Albums zu überstehen und abzuschließen, ist nichts weniger als ein Wunder. Wir haben diese Band mit der schwachen Hoffnung gegründet, 2010 irgendwie eine EP rauszubringen, was ganz gut geklappt hat, und was dann folgte, war der ständige Kampf, nicht komplett zu versagen. Es ist alles immer irgendwie gut gegangen. Und vielleicht ist einer der Gründe, warum die Leute unsere Sachen hören und zu unseren Shows kommen, der Nervenkitzel, eine Nummer zu hören, bei der jederzeit alles schiefgehen kann und manchmal auch schiefgeht. Die neue Platte, wie schon die letzte, unterscheidet sich von den frühen Sachen dadurch, dass wir einen anderen Leadsänger haben, Ivar, der seit unserer berüchtigten Europatournee 2013 und der darauffolgenden Norwegentour mit KVELERTAK dabei ist. Er führt ein ruhigen und abgeschiedenes Leben im Kaczynski-Stil in einer Hütte tief in den Wäldern – also wie der Unabomber, mit Ausnahme der Bombenherstellung natürlich – und kehrt hin und wieder in die Zivilisation zurück, um Gigs zu spielen und sich was in der Apotheke zu besorgen. Das neue Album ist auch insofern anders, als dass wir unseren langjährigen Produzenten und Freund Tommy Akerholdt, der bei SILVER und TURBONEGRO spielt, diesmal vom Haken gelassen haben. Das Nachwuchswunderkind Anders Nordengen hat einen tollen Job gemacht, ohne dass er wusste, worauf er sich eingelassen hat, als er unser Angebot annahm, das Album zu produzieren und zu mixen.

Bei urbandictionary.com finde ich diese Definition von „zugly“: „Eine Dame, die sich in einem verwirrten Geisteszustand befindet. Dies geht einher mit miesen Ansichten, seltsamen Gesichtszuckungen und Spliss in den Haaren. Oder jemand, der die Farben Rot und Weiß mit einem Spritzer Glitzer mag.“ Ah, ja ... eure Definition?

Magne:
Hahaha, das war mir neu! Diese Definitionen kannte ich noch nicht, aber es sind ziemlich lustige. Zugly ist der Spitzname von Lars, unserem Bassisten, seit wir ihn kennen – was mich betrifft, mindestens seit 1996 oder so. Ich erinnere mich, dass das damals auf eine Snaredrum in unserem Proberaum gekritzelt war. Ich weiß nicht genau, wo das herstammt, aber in den Achtziger Jahren gab es ein Spielzeug namens „Zugly Doll“, eine Art ausgestopftes Tier oder so was.

Little Steven hat euch mal in der Last Train Bar in Oslo gesehen und sein Kommentar war: „Es ist die schlechteste Band, die ich je in Norwegen gesehen habe! Kein Zweifel! Wahrscheinlich die schlechteste Band der Welt!“ Was habt ihr getan, um dieses Urteil zu verdienen?

Magne:
Ich schätze, wir haben ihn auf dem falschen Fuß erwischt.

Eric: Diese Geschichte ist Teil der Osloer Rock-Folklore geworden. Er war wohl nicht allzu sehr von unserer Leistung beeindruckt, schätze ich.

Ihr sagt über euer neues Album: „,Misanthropical House‘ ist ein sehr emotionales Album. Es reflektiert den norwegischen Way of Life, der oft aus Gejammer und Beklagen besteht. Im Punk muss wieder mehr herumjammert werden!“ Nun, Norwegen ist eines der reichsten Länder der Welt, man würde meinen, ihr hättet keinen Grund herumzujammern.

Magne:
Wir lieben die Probleme unserer reichen Landsleute. Wie wenn einem die Kartoffelchips ausgehen, aber immer noch Dip übrig ist. Es ist Mist, wenn einem der Dip ausgeht, wenn man eine zweite Tüte Chips öffnet.

Eric: Je reicher wir Norweger sind, desto mehr jammern wir anscheinend über die unbedeutendsten Dinge. Man kann sagen, dass das zu einer Lebensart geworden ist, seit wir in den Sechziger Jahren die Ölvorkommen entdeckt haben. Und niemand scheint die Tatsache in Frage zu stellen, dass uns das zu einem eher kleinlichen, dekadenten und selbstsüchtigen Volk macht. Nachdem das Jammern den Kern des norwegischen Wertekanons ausmacht, scheint es naheliegend, dass unsere Musik die Lächerlichkeit dessen aufs Korn nimmt. Schließlich sind wir große Fans der Doppelmoral. Zum Beispiel die Tatsache, dass wir Punkmusik spielen und gleichzeitig staatliche Fördermittel erhalten, das ist das selbsternannte Genre Oilpunk. Es ist schon eine lahme Satire, dass uns das lieber ist, als tatsächlich einen Standpunkt zu haben. Aber schließlich sind wir Norweger! Die Fassade aufrecht erhalten, lächeln und unglücklich sein – das können wir am besten.

Ihr klagt auch über „körperlichen Verfall“, über Hämorrhoiden, Pilze, Fettleibigkeit, Haarausfall, Depressionen und einen Kater. Wie alt seid ihr eigentlich, Jungs? Ist das alles?

Magne:
Nun, gerade ist der Letzte von uns dreißig geworden, also sind wir jetzt alle im mittleren Alter, schätze ich, und das fordert seinen Tribut. Wir sind nicht unbedingt die Gesundheitsfreaks, die wir sein sollten. Wir haben sogar eine Schüssel Gluten auf unseren Backstage-Rider geschrieben.

Eric: Nachdem wir seit Jahrzehnten Musik machen, sollte es keine Überraschung sein, dass das langsam an Körper und Verstand zehrt. Seit wir in die mittleren Jahre gekommen sind, ist uns bewusst, dass alles, was du da erwähnst, unvermeidlich auf uns zukommt. Dennoch scheinen die Norweger das lieber für sich zu behalten, niemand trägt seine Hämorrhoiden mehr mit Stolz. Der Song „Vik bak meg Satan“ ist eine Ode an die unausgesprochenen Gräuel, die unzähligen blutenden Arschlöchern im ganzen Land widerfahren. Irgendjemand musste mal aufstehen und das Schweigen brechen!

Da es von TURBONEGRO im Februar ein neues Album geben wird und auch GLUECIFER 2018 wieder auf der Bühne stehen: Wie steht ihr zu diesen Veteranen der Osloer Szene?

Magne:
Beides sind großartige Bands und auch mehr oder weniger Freunde von uns. Aber da es einen leichten Altersunterschied gibt, sind ein paar von uns als Fans der Bands großgeworden und einige, wie Zugly, sind mit ihnen aufgewachsen. Sowohl THE ABUSERS als auch HELLRIDE hatten, glaube ich, bereits Shows zusammen mit Turbo und Glue. Ivar hat auch mindestens mit einem Turbo gespielt, als er bei SILVER war.

Eric: Sowohl Turbo als auch Glue waren uns wichtig, als wir anfingen, und in vielerlei Hinsicht sind sie es immer noch. Obwohl wir erst seit wenigen Jahren eine Band sind, sind wir alle schon lange Teil der Scandirock-Szene. Ich persönlich fand die neueste TURBONEGRO-Single etwas antiklimaktisch, aber ich freue mich trotzdem auf das Album. Und natürlich werden die GLUECIFER-Shows in Oslo im kommenden Herbst ein großes Ereignis sein. Warum nicht GBZ zum Line-up hinzufügen und es zu einem Scandirock-Spektakel machen?

Euer Coverartwork ist wieder vom norwegischen Künstler Flu Hartberg. Wer ist er? Und glaubt ihr, dass ihr mit dem Cover durchkommt, etwa mit dem Typen am Kreuz? Ich habe gehört, dass es in Norwegens eine Menge fundamentalistischer Christen gibt.

Magne:
Flu ist vor allem als Cartoonist für eine der wichtigsten Zeitungen Norwegens, Dagbladet, bekannt. Aber er ist auch verheiratet oder zusammen mit einer Frau aus dem Distrikt Hadeland, wo auch wir herkommen, das ist unsere Verbindung zu ihm. Er ist ein wirklich talentierter und netter Kerl. Die Zeichnung fasst die Platte zusammen, und man kann die in den Texten vorkommenden Charaktere sämtlich auf dem Cover wiederfinden.

Eric: Es ist mir nicht mal in den Sinn gekommen, dass der ans Kreuz genagelte Kerl schon Provokation genug sein könnte, um die konservativen Christen aus ihren Ruhesesseln aufzuschrecken. Was die fundamentalistische Rechte angeht, habe ich gehört, dass sie ohnehin am liebsten traditionelle norwegische Volksmusik mögen, also denke ich, dass ihnen unsere neue Veröffentlichung am Arsch vorbeigehen wird.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #136 (Februar/März 2018)

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