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MELVINS

Five Legged Dog

„Hat es das gebraucht?“, fragte meine Oma immer kopfschüttelnd, wenn ich (mal wieder) etwas Indiskutables angestellt hatte. „Hat es das gebraucht?“, könnte man auch die MELVINS fragen angesichts dieses 36 Songs umfassenden Doppel-CD-Albums (Vinyl? Bislang nicht, müsste wohl eine 5LP- oder 6LP-Box sein ...) mit Akustikversionen ihrer liebsten Songs aus 38 Jahren Bandgeschichte. Album Nr. 25 ist es wohl, und die Frage nach der „Notwendigkeit“ beantworten King Buzzo, Dale Crover und Steven McDonald mittels des Titels sogar selbst: Als „five legged“ wird im englischen Sprachraum etwas bezeichnet, was man eigentlich nicht braucht: Tisch/Stuhl/Hund kommen mit vier Beinen bestens klar – ein fünftes Bein stört aber auch nicht wirklich, und damit ist die Frage nach dem Sinn dieses Projekts beantwortet. Außerdem machen die neuen Versionen alter Songs durchaus Spaß: sonst braten Buzzo und Co. ja eher gnadenlos noisig, doch diese reduzierten Versionen offenbaren neue Einblicke – ungefähr so, wie wenn man die übliche Runde beim Laufen mal andersherum dreht. Vor allem aber: der Wumms ist geblieben, der Gesang, das Schlagzeug – hier ist mehr Rhythmik, mehr Percussion, vor allem aber kein Lagerfeuer-Geklampfe. Ein paar wenige Coversongs sind auch dabei, etwa „Charlie“ von REDD KROSS, „Sway“ von den ROLLING STONES oder „Outside chance“ von Warren Zevon. Linernotes wären nett gewesen, stattdessen sind Booklet und Cover grafisch ausnehmend schön: Buzz’ Gattin Mackie hat es gestaltet.