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WIRE

Mind Hive

Über WIRE wurde an dieser Stelle schon sehr viel geschrieben, deshalb nur kurz die Basics. Obwohl die Band bereits im Oktober 1976 in London zusammen kam, nennen Colin Newman (voc, gt), Graham Lewis (voc, bs), Bruce Gilbert (gt) und Robert Gotobed (dr), den 1.

April 1977 als Gründungsdatum. An diesen Tag erfolgte der erste Auftritt als vierköpfige Punkband im Londoner Roxy und, an diesem Tag wurden auch die beiden Songs „Lowdown“ und „12XU“ für die legendäre Compilation „Live At The Roxy“ aufgenommen.

Auch wenn das im November 1977 veröffentlichte Debütalbum „Pink Flag“ zu Recht als Blaupause für viele Punkbands gilt, hatten sich die Musiker zu diesem Zeitpunkt bereits weiterentwickelt und dem rohen Punkrock der frühen Tagen längst den Rücken gekehrt.

Reduktion wurde fortan zu einem Schlüssel für WIRE. Die folgenden Alben „Chairs Missing“ (1978) und „154“ (1979) gelten als Post-Punk-Klassiker, gerade weil sich hier immer stärker die Abkehr vom Punkrock hin zum Avantgarde-Punk andeutete.

Nach einigen Unterbrechungen in der Bandgeschichte spielen die vier Gründungsmitglieder seit 2000 wieder unter dem alten Bandnamen zusammen. Zwar verließ Bruce Gilbert 2004 die Band, er wird aber seit 2010 durch Matthew Simms ersetzt.

Das letzte WIRE Album „Silver/Lead“ aus dem Jahr 2017 wurde in Ox #131 mit „immer wieder ein faszinierendes Erlebnis, diese Band“ nicht nur treffend beschrieben, sondern das kann auch für „Mind Hive“ als Fazit 1:1 übernommen werden.

WIRE gelingt hier (wieder) das Kunststück, ein neues Album vorzulegen, das frisch und innovativ klingt, aber dennoch angenehm vertraut wirkt. Neben „typischen“ WIRE-Songs, wie „Be like them“ (Gesang: Colin Newman) und „Cactused“ (Gesang: Bruce Gilbert), gibt es mit „Primed and ready“ einen schroffen Dance Floor-Track und mit „Off the beach“ gleich einen zuckersüßen Britpop-Ohrwurm.

Stücke wie „Unrepentant“ spiegeln hingegen die ruhige, in sich gekehrte Seite wider. Hier klingen späte XTC durch. Apropos, wenn die Bandgeschichte einmal ausgeklammert wird, könnte man natürlich beim Hören der insgesamt neun Songs einwenden, dass die Stücke (oder Song-Elemente) auf „Mind/Hive“ einen doch irgendwie an die XY-Indie- oder XY-Post-Punk-Band erinnern würden.

Ja, das mag sein, doch Achtung, nicht WIRE bedienen sich bei anderen (aktuellen) Bands, sondern es verhält sich genau umgekehrt: mit ihren ersten drei Alben haben WIRE Bands wie SONIC YOUTH, R.E.M., BLUR, BIG BLACK, MINUTEMEN, MY BLOODY VALENTINE, THE CURE, THE SMITHS, MINOR THREAT oder BLACK FLAG erst inspiriert, die ja nun ihrerseits auch wiederum diverse Bands inspiriert (und ganze Genres definiert) haben.

Das heißt, WIRE befinden sich auf einer Metaebene oder, salopp gesagt, sie spielen in einer anderen Liga.