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WASTED

Modern Lie

Wenn eine Band wie WASTED seit unfassbaren 26 Jahren beständig die Bühnen Europas beackert, dann kann man zweifellos von einem Phänomen sprechen. Und die vier Finnen wissen nach wie vor genau, was sie tun, auch wenn seit ihrem letzten Mini-Album „The Truth Will Not Be Televised“ bereits sechs Jahre vergangen sind. Mit „Modern Lie“ legt die Band nun einen Langspieler vor, der vor allem durch seine musikalische Vielschichtigkeit begeistert. Hier trifft angepisster Garage-Punkrock auf düstere, verspielte Post-Punk-Anleihen, die doch unerwartet oft an JOY DIVISION und Co. erinnern. Das liegt insbesondere an den beschwingten Drums sowie den hohen Bassläufen, die das Klangspektrum stark auflockern. Obgleich das durchweg Hymnische und die mitsingtauglichen Refrains unmissverständlich klar machen, wo sich die Finnen nach wie vor verorten: im Punk. Das unterstreichen nicht zuletzt die sozialkritischen, wütenden Texte, in denen Sänger Ville bei Themen wie Gentrifizierung oder Klimawandel den Finger genau in die Wunde legt. Absoluter Anspieltipp ist das flotte „Trenches“ mit seinem knarzigen Bass, den Schrammelgitarren und den dazu wunderbar kontrastierenden Gitarrenleads, die den Gesang zuckersüß umspielen. Erstaunlich tanzbar, erstaunlich sperrig und eingängig zugleich, doch niemals beliebig. Ein Album, das mit jedem Durchlauf an Qualität gewinnt.