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LAGWAGON

Railer

Da war doch eben erst ein Solo-Album? Hat Joey Cape nichts zu tun, hat er Langeweile? Obwohl, „Hang“ kam ja schon 2014, das war es an der Zeit für einen neuen Longplayer, der sich in die Liste der Ein-Wort-Titel-Alben der Band einreiht, die zu den allerersten auf Fat Wreck zählt.

Da ist bald das 30. Betriebsjubiläum fällig. „Railer“ als Titel kann man nicht verstehen, wenn man nicht zur Band gehört – in deren Jugendsprache, so verraten sie im Beipackzettel, bedeutete das sowas in der Art „leider geil“ oder „Scheiße, aber cool“.

Dazu passt dann auch das Artwork mit Achtziger-Attributen wie Walkman, MC und Inliner-Skates. An gleicher Stelle äußert sich Joey auch zu seiner Situation als freischaffender Künstler in einer sauteuren Stadt, San Francisco: nichts zu tun bedeutet leere Kassen.

Daraus jetzt zu schließen, LAG WAGON hätten mit „Railer“ eine Pflichtübung abgeliefert, ist Quatsch, zu locker aus dem Handgelenk geschüttelt wirken die 12 Songs mit dem Trademark-Sound, die mir besser gefallen als das Soloschaffen von Joey.

„Surviving California“ ist ein guter Kommentar zur Lebenssituation im übervölkerten Bundesstaat, „Bubble“ beschreibt einen Teilaspekt des Band-Daseins, und „Jini“ überrascht durch die Vertrautheit seiner Melodie: ja, hier hat jemand bei „Heaven is a place on earth“ von Belinda Carlisle genascht.

LAG WAGON sind in gewisser Weise ein Anachronismus, ein Fossil aus der goldenen Zeit des Fat Wreck-Sounds, aber wie ihre immer noch vollen Shows beweisen, gibt es nicht wenige, die genau das hören wollen.

Und zwar genau so, ohne Modifaktionen, ohne Schnickschnack.