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L7

Wargasm – The Slash Years (1992-1997)

L7 wurden 1985 von Donita Sparks, Jennifer Finch und Suzi Gardner in Los Angeles gegründet, mit Dee Plakas hatte sich dann ab 1990 die All-Girl-Besetzung zusammengefunden, mit der L7, angefeuert durch den Grunge-Hype und ihren Deal mit Sub Pop, zu einer der bekanntesten und einflussreichsten weiblichen Rockbands der Neunziger wurden. Mit der Ansage „Geh mir aus dem Weg oder ich rempel dich weg!“ machten L7 1990 im „Smell The Magic“-Opener „Shove“ sehr eindeutig klar, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Noch bevor die Riot Grrrl-Bewegung der frühen Neunziger so richtig Fahrt aufgenommen hatte, setzten L7, deren Debütalbum 1988 auf Epitaph erschienen war, bereits die thematische Tonalität dafür und wurden dabei befeuert durch ihren zwar aus dem Punk kommenden Sound, der aber trotz ihrer geografischen Herkunft bestens zum Grunge-Hype passte, der damals gerade von Seattle aus Fahrt aufnahm. Genau genommen war „Smell The Magic“ zunächst nur eine EP, somit taucht in der „offiziellen“ Diskografie nach dem 1988er Debüt auch erst für 1992 mit „Bricks Are Heavy“ das nächste Album auf. Mit dem waren L7 dann auch, wie viele Bands aus dieser Generation, bei einem Majorlabel gelandet, in diesem Fall Slash, die für weltweite Präsenz von allem sorgten, was sich irgendwie als „Grunge“ eintopfen ließ. Und in der Tat sind L7 hier, auch bedingt durch eine sehr massive, trockene Produktion vom damals als Allzweckwaffe gehandelten Mischpult-Genie Butch Vig, noch ein ganzes Stück zwingender, packender als beim schon sehr starken „Smell The Magic“ – die Band hatte sich durch reichlich Shows zu einem enorm tighten Act entwickelt. Und mit „Pretend we’re dead“ hatten sie auch einen richtigen Hit am Start, die beiden weiteren Singles waren „Everglade“ und „Monster“, wobei „Shitlist“ für mich ehrlich gesagt der neben „Pretend ...“ zweite Hit ist. Wie bei den Cherry Red-Boxen üblich, sind auf der „Bricks ...“-CD neben dem eigentlichen Album noch die Single-B-Seiten enthalten, darunter das GUNS N’ ROSES-Cover „Used to love him“. Im Juli 1994 erschien dann mit „Hungry For Stink“ das nächste Album, produziert von GGGarth. Schöne Anekdote: „Fuel my fire“ zollt „Lost cause“ von COSMIC PSYCHOS Tribut. Trotzdem, dem Album mangelt es etwas an Standout-Tracks, will sagen: Hits. Eine rundum solide Sache, aber leider nicht die erwartete Steigerung nach den beiden enorm starken Vorgängern. Auch hier sind wieder Bonussongs enthalten. Rob Cavallo und Joe Barresi waren dann die Produzenten des im Februar 1997 veröffentlichten dritten Major-Albums „The Beauty Process: Triple Platinum“, das leider produktionstechnisch mit weniger Wumms und Dreck auskommen muss. Live war die Band damals und in der Folgezeit weiterhin gefragt, aber was die Verkaufszahlen anbetraf, genügte das den Major-Standards nicht mehr. Zudem war Bassistin Jennifer Finch ausgestiegen. Die Folge: Keine Vertragsverlängerung, das 1999er Album erschien dann auf dem bandeigenen Label. Rückblickend sind alle drei Alben starke Zeitdokumente und recht gut gealtert, und inhaltlich nahmen sie vorweg, was dieser Tage wieder stark diskutiert wird: Wie sind Frauen in der (Rock-)Musikwelt vertreten? Die Triple-CD-Box kommt labeltypisch mit einem umfangreichen Booklet.