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Interviews & Artikel

SKINNY LISTER

Greenwich Mean Time

„The Devil, The Heart & The Fight“ ist das aktuelle Album der Londoner Folkrock/-punk-Band SKINNY LISTER, das ich zum Anlass nahm, Sam Brace, der 2009 zu den Mitgründern zählte, zunächst Bass spielte und dann zur Mandoline wechselte, um ein paar Worte zu den Wurzeln seiner Band zu bitten.

Vor zwanzig Jahren bin ich nach London gezogen und die meiste Zeit lebte ich in Greenwich oder unweit davon. Der Stadtteil ist ein kleiner Touristenmagnet, berühmt für seinen Park, seine Museen, den historischen Dreimaster The Cutty Sark und mit seiner stolzen Seefahrertradition. Als ich zum ersten Mal dort war, wirkte alles ein bisschen heruntergekommen, dennoch war es ein magischer Ort mit alten Buchläden, verwinkelten Pubs, Antiquitäten- und Geschenkläden. In meine Erinnerung sind jene ersten Tage dort die witzigste und verrückteste Zeit meines Lebens. Ich ging zur Uni, war gerade von zu Hause ausgezogen, es gab späte Fußballspiele im Greenwich Market, viele Partys und die Clubnächte in der Trafalgar Tavern, dazu Alkohol, mehr Alkohol und alles, was es sonst so gab.

Die wichtigste Sache in dieser Zeit war allerdings, dass ich die Greenwich Traditional Musicians Co-operative, kurz GreenTrad, entdeckte, den lokalen Folk-Club, der sich jeden Dienstag im The Cricketers traf, der Kneipe direkt neben dem Haus, in dem ich ein Zimmer gemietet hatte. Ich erinnere mich immer noch an den Moment, als ich das erste Mal den Klang von Violinen und Quetschkommoden durch die Wand hörte. Ich war fasziniert und musste unbedingt nachsehen, was da abgeht. Was ich vorfand, war ein Pub mit einem bunt gemischten Publikum und Musik, die so locker und schnell gespielt wurde, wie ich es noch nie im Leben gehört hatte.

Ich holte mir einen Drink, fand einen Sitzplatz und sah ein bisschen zu. In Greenwich existierte zu dieser Zeit noch eine aktive Marineakademie, also waren auch immer ein paar Männer in Uniform da, mit Kapitänsmützen oder einem sonst wie offiziell wirkenden Aufzug. Viele der Musiker trugen Bärte und sahen in meinem Augen irgendwie lustig aus. Die normalen Besucher schienen von der Musik gut unterhalten, tranken viel, tanzten herum, insgesamt eine aufgedrehte Atmosphäre. Es war ein spannender Anblick.

Und dann, um Punkt elf, legten die Männer ihre Instrumente nieder und begannen zu singen. Aber es waren nicht bloß die Musiker, der ganze Pub begann aus vollem Herzen einzustimmen, jeder schien zu wissen, was kommt, und alle stimmten ein und sangen Shanties und Seefahrerlieder, die ich nie zuvor gehört hatte. Ich verliebte mich sofort in diesen Ort, die Musik und die Leute. Es war wie eine Offenbarung für mich, und ich wusste, dass ich diese Musik ein bisschen genauer studieren musste. Ich ging jede Woche wie beseelt hin und brachte alle meine Freunde mit, wir nannten es „Hauling“. Ein „Haul“ jede Dienstagnacht war bald ein Ritual und sollte zum festen Bestandteil meines Lebens werden. Das ließ später etwas nach, bis ich dann ernsthaft damit anfing, selbst Folkmusik zu machen. Ich denke heute, ohne meine damalige Entdeckung wären SKINNY LISTER eine komplett andere Band geworden, falls es SKINNY LISTER dann überhaupt gegeben hätte.

Seit der Zeit, als ich die GreenTrad-Folknacht entdeckte, hat Greenwich unglaubliche Veränderungen durchgemacht. In den späten Neunzigern schlug die Gentrifizierung zu, es gab eine neue Zugverbindung zur Cutty Sark, was die Mieten im Viertel in die Höhe trieb. All die interessanten kleinen Lädchen und die schönen alten Kneipen wurden vertrieben, sogar mein geliebter Cricketers-Pub musste dichtmachen und die Folk-Session 2005 umziehen. Seither wurde es immer schlimmer. Die Lebendigkeit und die Seele des Viertels ist dahin, an Stelle der kleinen Läden und Pubs befinden sich heute Restaurantketten, Starbucks, schnöselige Feinkostläden und jede Menge miese Touristenfallen. Meine Erinnerungen an diesen Ort sind noch lebendig, leider ist er jedoch heute nur ein Schatten seiner selbst. Inzwischen fühlt sich Greenwich wie ein komplett neuer Stadtteil an. Die Häuser mögen zwar noch die alten sein, aber was sich unter ihren Dächern eingenistet hat, ist wirklich abscheulich.

Ich bewahre meine Erinnerungen. Der Folk-Club findet weiterhin jeden Dienstag statt., nur jetzt ein Stück die Straße runter im The Star & Garter Inn. Es ist nicht mehr ganz so verrückt wie früher, aber trotzdem immer einen Besuch wert. Und du kannst nie wissen, vielleicht triffst du dort eines Tages einen bärtiges, komisch aussehenden Typen von der Band SKINNY LISTER, der ein paar der alten Seemanns-Shanties singt, die er vor Jahren dort gelernt hat. Gesegnet sei die Folk-Night und alle, die dabei waren.

Sam Brace

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #129 (Dezember16/Januar17 2016)

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