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KORA WINTER

Gott segne, Gott bewahre

„Dieser Staat ist kein Zuhause für dich. Er frisst dich auf und spuckt dich aus.“ Segnen und bewahren. Halten und fallen. Selbstzweifel und Selbstermächtigung. Was KORA WINTER auf ihrem zweiten Album vom Stapel lassen, ist schon nicht ohne. Ein Koloss aus verschiedenen Bewusstseins- und Emotionsebenen, verpackt in ein ebenso wuchtiges Soundkorsett irgendwo zwischen vertrackter Metalcore-Härte und orchestralen Momenten – und all das beschreibt es noch nicht mal im Ansatz. KORA WINTER wollen herausfordern, zermürben – und gleichzeitig aber auch umarmen und einordnen. Dass die Gratwanderung gelingt, liegt in der Finesse der einzelnen Songs, die den gesellschaftskritischen und persönlichen Aspekten sowohl textlich als auch musikalisch den richtigen Rahmen verpassen. Das geht in den weniger zugänglichen Momenten in Richtung THE HIRSCH EFFEKT, dann denkt man natürlich an CALLEJON – und doch fallen KORA WINTER angenehm aus dem Rahmen. Eine unbändige Wut treibt die Band an, sowohl aus dem nach innen gerichteten Schmerz zahlreicher Erfahrungen gespeist als auch in der nach außen gerichteten Absage an die Mehrheitsgesellschaft; eine authentische, wuchtige und wichtige Wut. Ein Album, das lange nachhallt und einen ordentlich durchschüttelt.