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DROPKICK MURPHYS

Turn Up That Dial

Einfach mal wieder auf die Kacke hauen wollen DROPKICK MURPHYS nach den langen Monaten im Lockdown voller Stillstand und Starre. „Turn Up That Dial“ ist verbunden mit der Aufforderung, wieder mehr Blut durch die Adern fließen zu lassen. Die Celtic-Punks aus Boston, Massachusetts mussten ihr zehntes Studioalbum unter erschwerten Bedingungen produzieren. Die Hälfte der Songs war geschrieben, als der Lockdown kam. Der Rest passierte vom Homeoffice aus. Für die Aufnahmen durften immer nur zwei der insgesamt sieben Bandmitglieder ins Studio, alles andere lief über Videokonferenzen, gesteuert von Ted Hutt, der schon die letzten drei Alben, „Going Out In Style“ (2011), „Signed And Sealed In Blood“ (2013) und „11 Short Stories Of Pain & Glory“ (2017), produziert hatte. Dieses Jahr blicken DROPKICK MURPHYS auf 25 Jahre Bühnenerfahrung zurück. Was 1996 als Wette im Bostoner Club Rathskeller begann, ist heute ein kleines Wirtschaftsunternehmen. Vergangenes Jahr hat die Band zwei große Streamingkonzerte gespielt, eines davon im leeren Bostoner Baseballstadion Fenway Park, die insgesamt 22 Millionen Besucher sahen. Die ersten beiden Alben „Do Or Die“ (1998) und „The Gang’s All Here“ (1999) hatte noch RANCID-Gitarrist Lars Frederiksen produziert. Beim ersten Mal war der Sänger noch Mike McColgan, der dann aber ausstieg, um Feuerwehrmann zu werden. Vier Jahre später kehrte er mit den STREET DOGS in den Punkrock-Zirkus zurück. Seit 1999 steht Al Barr am Mikro bei den Murphys, der vorher bei den BRUISERS war. Mit Barr entwickelte sich die Band im Laufe der Jahre zur erfolgreichsten Celtic-Punk-Band des Planeten. Auf „Turn Up That Dial“ bedient Gründungsmitglied Ken Casey zum ersten Mal nicht den Bass. Er war vor drei Jahren in einen Motorradunfall verwickelt und hat durch den erlittenen Bandscheibenschaden das Gefühl in den Fingern verloren. Ihn ersetzt das langjährige Crew-Mitglied Kevin Rheault, Casey fungiert deshalb als zweiter Sänger neben Barr. Gemeinsam schmettern sie hymnische Gute-Laune-Songs wie „Smash shit up“, „Middle finger“ oder „Good as gold“ in die Menge. Mitreißende Upbeat-Nummern zwischen Punkrock und Irish Folk. Die DROPKICK MURPHYS wollen mit „Turn Up That Dial“ einen positiven Impuls setzen nach dem schlimmen Jahr 2020. Das war es nicht nur wegen neben Corona, sie haben auch viele Freunde durch Drogen verloren. Mit „I wish you were here“ gibt es außerdem einen sehr melancholischen Song über den Tod des Vaters von Sänger Al Barr. Am musikalischen Konzept der Bostoner hat sich dabei nicht viel geändert. Neben Bass, Gitarre und Schlagzeug sind Akkordeon, Dudelsack, Mandoline oder Flöte zu hören. Eine Verbindung, die neben DROPKICK MURPHYS vielleicht nur noch FLOGGING MOLLY so perfektioniert haben.