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Interviews

HELLACOPTERS

Die HELLACOPTERS spalten eine Nation. Für die einen sind sie noch immer die Speerspitze des Skandinavienrock, für die anderen sind sie eine mittlerweile langweilige Rockband auf der Suche nach dem grossen Geld. Sie haben es schwer, die Schweden. Zugegebenermassen, ich selbst kann mich kaum mit der musikalischen Weiterentwicklung nach dem hervorragend rauhen Debüt-Album "Supershitty to the max" anfreunden, aber - und so ist es nun mal - Geschmäcker sind verschieden, so soll es sein und so ist es gut. Wie sieht Trommelgott Robert Hellacopter selbst die Veränderung seit dem sensationellen Debüt und wie seit dem Weggang von Vorzeigegitarrist Dregen, der seit nunmehr knapp 2 Jahren bei den BACKYARD BABIES in die Saiten beisst?

Wie zum Teufel war eigentlich der Tourstart in Hamburg - der schönsten Stadt Deutschlands und gleichzeitig Sitz des neuen Labels - Universal?


"Puuhhh... abgefahren. Wir kamen am selben Tag aus New York, hatten Jetlag und drei harte Tage in den Knochen. Wir haben dort ein Video gedreht, mussten alles irgendwie in drei Tagen über die Bühne bringen, um dann am Samstag in Hamburg die Tour zu starten. Oh Mann, wir hatten nicht mehr als drei Stunden Schlaf jede Nacht, dann der Flug und dann abends auf die Bühne. Verdammt, ich war im Arsch. Aber die Show war klasse. Ich weiss bis heute nicht, woher wir die Energie nahmen."

Ihr wart also nicht mehr im Rotlichtviertel?!

"Verdammt, natürlich waren wir dort! Einige von uns haben den Teil der Stadt noch nie zu Gesicht bekommen, und wenn du schon mal in Hamburg bist, musst du das gesehen haben."

Kommen wir zum Geschäft! Natürlich ist die Frage nach dem Hintergrund eures Wechsels zum Major unausweichlich. Wie stehts damit? Hattet ihr bestimmte Gründe? Seid ihr angesprochen worden? Habt ihr gesucht?

"Hm... Lass mich versuchen, die Geschichte so kurz wie möglich zu fassen. Wir hatten "Grande Rock", das letzte Album, noch selbst aufgenommen für Psychout, unser eigenes Label. Wir haben die Aufnahmen und all den ganzen Kram aus der eigenen Tasche bezahlt und die Lizenzen dann an White Jazz in Europa und SupPop in Amerika verkauft. Es gab da schon einige wenige Anfragen von Majors, aber irgendwie ging es uns das damals noch zu schnell. Mit den neuen Aufnahmen war es dasselbe, wir haben sie in Eigenregie aufgenommen und finanziert. Genau wie wir es wollten, mit dem Produzenten, den wir wollten usw. Den fertigen Mix haben wir dann rumgeschickt, um zu sehen, ob einige der Majors noch immer Interesse an uns haben. Zu dem Zeitpunkt war White Jazz für uns eigentlich schon kein Thema mehr. Die Promo für "Grande Rock" lief eher beschissen und irgendwann wurde das Label an ein schwedisches Majorlabel verkauft, mit dem wir nichts zu tun haben wollten. Ja, wie gesagt, wir haben die neuen Songs dann an einige, für uns interessante Labels weitergegeben, mehrere Angebote bekommen, und uns im Endeffekt für Universal entschieden. Und ich glaube, dass wir mit Universal die bei weitem beste Wahl getroffen haben. Gut, es ist gerade mal ein halbes Jahr vergangen, seitdem wir den Vertrag unterzeichnet haben, aber bis jetzt läuft alles verdammt gut. Für uns hat sich kaum was verändert, ausser dass unsere Musik jetzt richtig gut promotet wird. Klar, es gibt vielleicht mehr Interviews, aber wir spielen noch immer in Clubs, bestimmen die Songs, die Aufnahmen, entwerfen die Cover und das ist uns wichtig."

Wo du gerade das Cover erwähnst. Das Foto im Innenteil erinnert mich an etwas. Die Band im Park, das Schloss im Hintergrund...

"...es ist nicht wirklich ein Schloss. Ein ganz kleines Schloss vielleicht, mehr so eine Art Herrensitz. Es gehört übrigens König Carl Gustav und wir kamen leider nicht näher ran, deshalb liegt es weiter im Hintergrund des Bildes."

Mein erster Eindruck war trotzdem, ich hätte das Bild schon einmal vorher irgendwo gesehen. Der Park, das Gebäude, der neblige, milchige Touch des Bildes...

"Ich weiss was du meinst. Es gab ähnliche Bilder von den STONES inmitten von Ruinen, oder von PINK FLOYD und DEEP PURPLE in Limousinen oder was auch immer. Wir wollten auch etwas in der Art haben, etwas mit grossen Statuen, ein bisschen bombastisch, aber wir haben das bestimmte Foto, genau diese Einstellung, sicher nicht irgendwo geklaut oder kopiert. Wir haben verschiedene Fotos gemacht. Wir haben uns sogar für einige Stunden einen Privatjet gemietet, um dort Fotos zu machen. Im Endeffekt gefiel uns das Bild im Park aber am besten."

Wenn du euer ersten Album "Supershitty to the max" und "High visibility" gegenüber stellst - wo liegen deiner Meinung nach die Unterschiede?

"Oh Mann, ich glaube der Unterschied zwischen den beiden Alben ist verdammt gross. Gar nicht mal vom Songwriting her, da unterscheiden sie sich kaum. Der Sound ist einfach ein komplett anderer. Wir haben "Supershitty..." in drei oder vier Tagen aufgenommen, "High visibility" in drei Wochen. Und natürlich haben wir im Laufe der letzten Jahre auch dazugelernt. Wir beherrschen unsere Instrumente besser, der Gesang ist besser geworden und irgendwann wollten wir das einfach nicht mehr in einem Haufen Distortion untergehen lassen. Wir haben uns einfach weiterentwickelt und das ist für eine Band auch ganz normal, denke ich. Das macht die Sache spannend und aufregend. Wären wir immer noch auf dem Stand von damals, würde ich jetzt wohl nicht hier sitzen. Es muss weitergehen, sonst wird es langweilig."

Wie war das, als ihr die neuen Songs geschrieben und euch auf die Aufnahmen vorbereitet habt? Hat man da nicht vielleicht doch schon das ein oder andere mal den Erfolg im Hinterkopf? Das man sich überlegt, ob man einen Song vielleicht anders arrangiert, mehr Mainstream, ausgerichtet auf ein größeres Publikum?

"Sicher nicht! Wir haben die Platte genauso aufgenommen wie wir sie haben wollten. Wie wir wollten, dass sie klingt. Wir hatten nie den Gedanken etwas so oder anders zu machen, nur weil es dann vielleicht massenkompatibler wird. Nimm als Beispiel NIRVANA. Ich glaube kaum, dass NIRVANA "Nevermind" damals mit dem Hintergedanken aufgenommen haben, mit dem Album berühmt zu werden. Ein halbes Jahr später waren NIRVANA das große Ding. Ich meine, ich wäre froh wenn es bei uns so laufen würde, aber wir haben bestimmt nicht darauf hingearbeitet."

Hattest du nie den Eindruck, dass sich seit dem Weggang von Dregen etwas verändert hat?

"Klar, es ist immer eine Veränderung, wenn jemand die Band verlässt und ein anderer seinen Platz einnimmt. Strings kam auch nicht direkt nachdem Dregen die Band verlassen hatten. Ein guter Freund von uns übernahm seinen Part für einige Monate. Er hat mit uns einige Shows gespielt, war mit uns in Amerika, aber er passte einfach nur zu 90% in die Band, wenn du weisst, was ich meine. Eines Abends sah ich dann Strings in einem kleinen schwedischen Club. Verdammt, hast du ihn schon mal Gitarre spielen sehen? Unglaublich! Ich sah ihn dort auf den Bühne und war sofort begeistert. Ich kannte ihn vom Sehen, aber wir hatten noch nie ein Wort miteinander gesprochen, obwohl wir ungefähr den gleichen Freundeskreis hatten. Vielleicht lag es daran, dass er vier Jahre jünger ist als der Rest der Band. Naja, auf jeden Fall sprach ich mit den Jungs und sie meinten, dass wir mit Strings zumindest die langhaarigste Band der Welt wären, noch dazu mit zwei Roberts, was sein richtiger Name ist. Wie dem auch sei, wir sprachen ihn an, er hatte Lust und alles passt bestens. Nicht dass du mich falsch verstehst - mit Dregen war es auch grossartig. Ihm gefiel das Glam-Ding allerdings immer besser als dem Rest von uns, und das hat im Nachhinein gesehen wohl den Ausschlag gegeben, dass er die Band verlassen hat."

Wenn ich euer Publikum heute sehe und mit dem vor ein paar Jahren vergleiche, habe ich schon den Eindruck, dass sich da was verändert hat...

"Ich glaube nicht. Vielleicht sind nach dem ersten, eher "noisigen" Album einige Leute abgesprungen, aber sonst hat sich da eigentlich nicht viel geändert. Ich meine, klar, eine Menge Leute sind hinzugekommen, aber an sich hat sich das Publikum nicht grossartig geändert."

Ich frage, weil ich das in meinem direkten Umfeld selbst oft mitbekommen habe. Gerade im Vorfeld zum heutigen Abend kam von vielen Leuten die gleiche Resonanz. Dass ihr euch nach "Supershitty..." immer mehr Richtung 70er Jahre Rock orientiert hättet, weg vom guten alten Rock´n´Roll, usw... Viele Leute sehe ich nicht mehr bei euren Shows: Punkrocker, die tättowierte Greaser-Fraktion, die mit den 8-Balls und den Flammen auf den Armen...

"Oh man, irgendwie hab ich die ganze Sache mit den 8-Balls, Hot Rods und dem ganzen anderen Kram satt. Plötzlich kam jeder mit dem Scheiss an und gehörte dann auch dazu. Ich kann dir nicht sagen, was sich verändert hat. Für uns war es nie so, dass wir an einem Punkt angelangt waren, an dem wir uns gesagt haben, dass wir von jetzt an eine andere Richtung einschlagen wollen. Wir haben uns einfach entwickelt, ohne darüber nachzudenken."

Mir fällt in dem Zusammenhang ein, dass einer unserer Leser meinte, ihre hättet "eure Wurzeln verloren"?!

"Was? Ganz im Gegenteil, verdammt nochmal! Wir sind gerade auf dem Weg zu unseren Wurzeln. Als wir angefangen haben Musik zu machen, haben uns Bands wie die NEW BOMB TURKS oder die DEVIL DOGS sicher beeinflusst und ich bin noch immer grosser Fan dieser Bands, aber 70er Jahre-Rock hat uns schon immer begleitet. Ich liebe diese Musik. Viele Leute hören noch immer die alten Stones-Sachen und das wird auch immer so bleiben. Es gibt auch nicht wirklich gute oder interessante neue Musik. Ich denke, es hat seinen Grund warum viele Leute noch immer alte Musik hören..."

Du hast vorhin erwähnt, dass ihr auch in den Staaten getourt habt. Welchen Status habt ihr eigentlich in den USA? Ich habe den Eindruck, dass das Skandinavien-Rock-Ding dort erst jetzt so richtig Fuß zu fassen scheint.

"Ich weiss nicht. Mittlerweile waren wir zwar schon viermal in den Staaten, aber ich könnte dir jetzt nicht genau sagen, ob die Amis auf unser Ding stehen. Wir hatten immer das Glück, dass wir mit befreundeten Bands dort spielen oder touren konnten: mit den NEW BOMB TURKS z.B., den SUPERSUCKERS, ZEN GUERILLA, QUADRAJETS. Die haben natürlich ihre Fans und so mussten wir nie vor leeren Häusern spielen. Im Februar kommt das neue Album in den Staaten raus und irgendwann danach werden wir dort auch wieder touren. Dann wird sich wohl auch zeigen, ob die Amis die Schweden mögen."

Und Japan?


"Oooohhh, Japan! Mann, die Japaner sind bekloppt. Wir waren mittlerweile zweimal dort. Für mich ist es immer, als laufe ich durch einen Zukunftsfilm. Ich glaube, die Japaner haben alle einen an der Waffel. Und klein sind die. Ich bin dort ein Riese - das ist fantastisch."

Wenn du so zurückblickst - die Touren die ihr gemacht hat, Amerika, Japan - welches war für dich so das größte Erlebnis, der beeindruckendste Moment?

"Ich glaube die Zeit in Australien. Wir waren dort kurz nachdem Dregen die Band verlassen hatte. Es war total irre. Wir haben sogar in Tasmanien gespielt. Weisst du, irgendwo auf dieser Insel zwischen Australien und dem Südpol. Unglaublich. Wahrscheinlich hat dort noch nie zuvor eine Rockband aus Europa gespielt. Vermutlich sind deswegen auch 80 - 100 Leute gekommen. Für sie muss das so etwas wie Zirkus gewesen sein. Das sind Sachen, von denen ich vorher nicht einmal geträumt hätte, weil sie ausserhalb meiner kleinen Welt lagen. Plötzlich stehe ich auf einer kleinen Bühne in einem kleinen tasmanischen Dorf und denke, dass ich jeden Augenblick aus einem Traum erwachen muss. Es war unglaublich. Das werde ich nie vergessen. Ich glaube, das ist mit das Größte was dir passieren kann. Weisst du, am Anfang bist du froh, wenn du irgendwie deine erste Single rausbringen kannst, den ersten verdammten Tonträger. Dann das erste Album - wow!!! Und gerade mal ein Jahr oder zwei Jahre später tourst du durch Australien, Neuseeland und Tasmanien. Das ist fantastisch."

Ich hätte jetzt eigentlich damit gerechnet, dass du die Shows mit KISS erwähnst...

"Verdammt ja! Da sagst du was! Natürlich war das genau so unglaublich, genauso unwirklich wie die Konzerte in Tasmanien. Oh man, mit KISS! Unsere Helden! Es ist verdammt schwer in Worte zu fassen, wie ich mich da gefühlt habe. Da waren 70.000 Leute in zwei Tagen, 35.000 pro Auftritt. Unsere Eltern waren da, mit Video-Kameras und Fotoapparaten. Sie hatten VIP-Pässe und ... pffff ... Wahnsinn. Wir haben KISS aber nur einige Minuten getroffen. Aber das hat mir gereicht. Zum Glück waren sie voll kostümiert, als wir uns trafen. Ich wollte KISS nie unmaskiert begegnen. Ich hatte immer das Gefühl, das würde einen Traum von mir zerstören. Und plötzlich standen sie vor mir - KISS!!! Die Band, die mich seit meiner Jugend begleitet hat, stand mir gegenüber - geschminkt! Das was so verdammt abgefahren. Es war so als würde man Spiderman über den Weg laufen."

Es war also nicht so, dass ihr backstage zusammen gesessen habt, nach der Show noch ein paar Biere hattet, usw...?

"Nein nein. Du kannst dir nicht vorstellen, was um die Band herum vorging. Jeder von ihnen hatte seinen eigenen Road-Manager, ständig waren sie von tausenden Leuten umlagert - Presse, Prominenz, Frauen. Wir hatten eigentlich nur wenige Minuten Zeit um mit ihnen zu reden zu können. Aber das war auch ok so. Und Gene Simmons selbst hat mir etwas sehr wichtiges mit auf den Weg gegeben: You have to follow 2 rules if you wanna make it as a rock band: 1.) Don´t ever get married!! 2.) Be sure to make a lot of money. Sprach es und ging weiter..."

Und an dieser Stelle geht mein Dank an einen unglaublich symphatischen Robert und an Gene Simmons für ein Schlusswort, das von mir hätte sein können.

Tom van Laak

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #42 (März/April/Mai 2001)

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