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JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE

Neues aus dem Halluzinogenozinozän

Ein Selbstläufer ist die Auseinandersetzung mit den Krefeldern noch nie gewesen. Dabei bleibt es. Die musikalischen Extremisten geben sich auf ihrem neuesten Album wiederum unberechenbar und ausgewiesen experimentierfreudig. Keine Erwartungen zu erfüllen, versteht sich von selbst. Die Herausforderung und Leistung bestehen darin, mit anderen, eigenwilligen Stilmitteln einen letztlich doch heftigen, eigentlich widersprüchlichen und zwingenden Crossover-Mix zu erschaffen. Gefühlt sind die Veröffentlichungen von JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE stets ein Spiegel ihrer Entstehungszeit. „Neues aus dem Halluzinogenozinozän“ klingt dann auch nach einem ungezügelten Beschäftigungsdrang, freigeistiger Umtriebigkeit, entfesselter Kreativität und selbstbewusstem Wagemut – der Attitüde nach irgendwie nach Pandemie-Wahnsinn. Während der rund halbstündigen Spieldauer gibt es immens viel Input, der aber nicht zufällig erklingt, sondern auf eine krude Eingängigkeit abstellt – in jedem Fall durchweg spannend bleibt und die Beschäftigung lohnt. Nein, Death-Grind steht nicht länger auf dem vordergründigen Plan. Komplexität und Härte weist „Neues aus dem Halluzinogenozinozän“ dennoch auf. Gehöriges Potenzial anzuecken, bietet das Quintett selbstredend ebenfalls. Den Krefeldern geht es ja gerade darum, Reaktionen zu provozieren. JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE fallen auch deshalb als künstlerisch brillant in einem avantgardistischen DEICHKIND-Verständnis auf. Zumal sie auf mehreren Wirkungsebenen unterwegs sind und man nichts als gegeben oder so eindeutig ansehen sollte, wie es beim Erstkontakt vielleicht erscheint.