SICARIO

Mit seinen beiden letzten Filmen „Prisoners“ und „Enemy“ (beide entstanden 2013) hatte Regisseur Denis Villeneuve sein inszenatorisches Geschick eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Dank reichlich unglaubwürdiger Drehbucheinfälle entwickelte sich das Horror-Szenario von „Prisoners“ aber gegen Ende immer mehr zu einem extrem schwachen Abklatsch von David Finchers „Sieben“.

„Enemy“, eine Verfilmung des Buches „Der Doppelgänger“ von José Saramago, wirkte deutlich überzeugender, auch wenn Villeneuve den Interpretationsspielraum der Vorlage auf nicht immer glückliche Weise deutete.

In visueller Hinsicht machte Nicolas Bolduc dabei aber einen ähnlich guten Job wie der britische Kamera-Veteran Roger Deakins bei „Prisoners“, der an zahlreichen Filmen der Coen-Brüder beteiligt war.

Auch bei „Sicario“, Villeneuves neuestem Film, übernahm Deakins wieder die Kamera. Dabei entstand einer der ästhetisch elegantesten Filme der letzten Zeit, bei dem es schon alleine ein Genuss ist, eine Kolonne bedrohlich wirkender schwarzer SUVs über staubige Straßen brettern zu sehen.

Deutlich enttäuschender ist dagegen die Story über die naiv-idealistische FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt), die zu einer speziellen CIA-Taskforce berufen wird, um dem Boss des mexikanischen Drogenkartells das Handwerk zu legen.

Letztendlich dient Macer nur als eine Art Tarnung für die sich am Rande der Illegalität abspielenden Aktionen der CIA-Leute, darunter auch der mysteriöse und extrem skrupellose Alejandro (Benicio del Toro), der seine ganz eigenen Ziele verfolgt.

„Sicario“ ist aber eher eine metaphorische Studie über Gewalt als eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem aussichtslosen Drogenkrieg der USA, wie sie etwa „Traffic“ war, denn dafür bleiben die Geschichte und ihre Charaktere insgesamt zu schemenhaft.