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SOPHIA

Holding On/Letting Go

Immer irgendwie etwas eigenartig, nach längerer Abstinenz erneut mit Bands konfrontiert zu werden, die man komplett aus den Augen verloren hatte. Zuletzt hatte ich 2009 das noch bei City Slang erschienene SOPHIA-Album „There Are No Goodbyes“ auf den Tisch bekommen, allerdings kam danach bis auf eine Reihe von Live-Alben nicht mehr allzu viel von Robin Proper-Sheppard, erst 2016 gab es mit „As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ ein neues Studioalbum, dem jetzt „Holding On/Letting Go“ folgt. Bei Alternative-Rock-Fans hat Proper-Sheppard wegen THE GOD MACHINE, die Anfang der Neunziger Jahre aktiv waren, noch ein dickes Stein im Brett, aber mit deren Alternative Metal/Goth-Hardrock haben SOPHIA wenig zu tun, denn ihr Indierock mit plakativem Trauerflor schlägt nur selten mal eine härtere Gangart an. „Schluffige Popmusik für verträumte Indierock-Slacker mit dezentem Pathos-Level“, habe ich das damals genannt, was aber gar nicht mal negativ gemeint war, denn Proper-Sheppards Songs besitzen eine authentische Emotionalität, zudem erinnert deren ästhetisch veredelte Melancholie manchmal an THE GO-BETWEENS oder THE CHURCH, was keine schlechten Referenzen sind. „Holding On/Letting Go“ ist zwar „nothing to write home about“, aber dennoch ein sehr geschmackvolles, möglicherweise leicht anachronistisches Gitarrenpop-Album, an dem man eigentlich nichts falsch finden kann.