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Interviews & Artikel

RIVERBOAT GAMBLERS

Southern-Fried Texas Punk-Rock

Hell yeah, Punk Rock‘n‘Roll lebt! Ohne platte Attitüden, ohne aufgesetzte Rock‘n‘Roll Klischees oder Stylings, im Vordergrund nur die Musik. Und das ist verdammt gut so! Die RIVERBOAT GAMBLERS aus – und das ist wichtig – Denton in Texas scheinen sich wenig um durch die Gegend fliegende Mikros oder aufgerissene Decken in den Clubs zu scheren. Ebenso wenig schert sich das durch den Club sprintende und auf Traversen kletternde Energiebündel alias Frontmann Mike über blaue Flecken oder aufgerissene Knie. Die Band, nicht weniger agil, springt gerne auch auf angrenzende Tresen – den Drummer aus berechtigten Gründen mal ausgenommen. So schaffen sie es, die 300 Volt der kürzlich auf Gearhead erschienenen CD „Something To Crow About“ live auf mindestens 600 Volt hochzuschrauben. High Voltage Garage-Punk! Wer die GASOLHEADS mag, wird die RIVERBOAT GAMBLERS lieben, besonders nach diesem amüsanten Interview, in dem Mike (voc), Pat (bass), Mark (guit.), Fadi (guit) und Jesse (drums) aus – ich wiederhole noch mal – Denton in Texas, die Geheimnisse der Musikszene Austins preisgaben. Verpasst auf keinen Fall die Tour im August! Oder: Mietet euch euren eigenen Grabstein und haltet die Jahreszahl frei ...

Wer sind die RIVERBOAT GAMBLERS, und wie ist es, einer von ihnen zu sein?

Mike:
„Nun, bei den RIVERBOAT GAMBLERS zu sein, ist wie eine Bestrafung. Ich wurde in diese Band gezwungen. Nein, ernsthaft, es könnte nicht besser sein! Wir sind so glücklich, als wenn wir Hämorrhoiden hätten.“

Und wann sind die Hämorrhoiden entstanden?

Mike:
„Wir haben 1997 in Denton angefangen. Wir waren vorher in anderen Punkbands und hatten keine Lust mehr auf das, was wir machten, waren einfach nicht auf dem gleichen musikalischen Kurs. Wir sind mit den Bands in eine Richtung gesteuert, und plötzlich haben die anderen dagegen angekämpft, so haben wir es dann einfach bleiben lassen und etwas Neues angefangen, wo wir mehr experimentieren können.“
Pat: „Eigentlich wollten wir, dass die Leute uns hassen, was allerdings komplett nach hinten losging. Plötzlich liebten sie uns, keine Ahnung, warum.“

Ist das nicht ein Grund aufzuhören?

Mike:
„Ja! Na klar, jetzt wo du es sagst ...“
Pat: „Stimmt, die Show ist vorbei, wir sollten abhauen! Wo ist mein Flugticket? Nun, Mike, Fadi und ich sind von Anfang an dabei, Jesse seit zwei Jahren, und Mark kam erst vor ein paar Monaten, im September dazu.“

Was ist mit den alten Mitgliedern passiert? Im Krankenhaus?

Mike:
„Sie sind alle tot. Nein, zwei von ihnen gehen jetzt väterlichen Pflichten nach. Wir hatten fünf verschiedene Gitarristen und zwei Drummer. Ein paar sind jetzt in anderen Bands.“

Warum gibt es erst jetzt ein Album, wo es euch schon so lange gibt?

Mike:
„Ehrlich gesagt, gibt es zwei Alben und eine 7“. Aber in den ersten vier Jahren haben wir das Banddasein nicht wirklich ernst genommen und nur aus Spaß gespielt. Wir wussten nicht, wie man tourt, noch nicht mal, wie wir außerhalb Dentons spielen können – wir wussten gar nichts. Wir waren noch in der Schule und spielten auf Partys, nur so zum Spaß. Wir haben nie gesagt ‚Los jetzt, wir müssen auf Tour gehen‘ oder ‚Wir müssen unbedingt ein Album aufnehmen‘. Die Band hat sich niemals zu irgendetwas gezwungen, alles hat sich allmählich von alleine entwickelt.“

Ist das erste Album auch bei Gearhead rausgekommen?

Mike:
„Nein, es ist bei einer sehr üblen Plattenfirma erschienen, Vilebeat Records. Der Typ, dem das Label gehört, ist einfach nur ein blöder Idiot. Wir stecken gerade in einem Rechtsstreit mit ihm, weil wir ihm noch ein neues Album schulden. Wir haben ihm die Aufnahmen geschickt, mit altem Material, B–Seiten und Coverversionen. Es ist ca. 25 Minuten lang, 14 Songs. Und er war ziemlich angepisst: ‚Das ist zu kurz! Wir brauchen ein längeres Album‘. Darum streiten wir gerade. Ist eine ziemliche üble Situation. Wir sind eine Punkband, er wusste, als er mit uns den Vertrag machte, dass wir 25-Minuten-Sets spielen.“
Jesse: „Er gibt den Bands nur etwas Geld für die Aufnahmen, und dann hofft er, dass die Bands von selber bekannt werden, und er eine Menge Geld machen kann. Null Werbung, Promotion, Presse oder Toursupport. Du kannst die CD ja noch nicht mal in irgendeinem Laden kaufen!“

Und läuft es mit Gearhead besser?

Pat:
„Oh, wir haben gar keinen Deal mit denen. Solange wir noch an Vilebeat gebunden sind, können wir zu keinem anderen Label. Vilebeat ließ uns ausnahmsweise ein einziges Album bei Gearhead rausbringen. Der Typ war dumm genug, uns das zu erlauben.“

Wann soll denn das neue Album rauskommen?

Jesse:
„Keine Ahnung. Wir haben ihm die Aufnahmen gegeben, aber wir wissen nicht, ob er uns zwingen will, noch mehr Songs draufzupacken. Ansonsten vielleicht im Sommer.“
Mike: „Also, ehrlich gesagt, so traurig das ist, würde ich nicht auf das Album zählen. Du wirst es wahrscheinlich nirgends finden, selbst wenn du danach fragst. So lief es mit dem ersten Album auch. Wir haben aber eine Split-7“ mit THROW RAG aufgenommen, die auf derem Label erscheinen wird. Wir haben beide Cover der BIG BOYS eingespielt. Ich freu mich schon darauf. Wir werden auch noch einige andere Singles machen. Und hoffentlich bekommen wir bald die Lizenzen von Vilebeat zurück, wir versuchen es auf jeden Fall. Offensichtlich liegt es nicht an uns, sondern leider in seiner Macht, und er wird wahrscheinlich nach mehr Geld fragen.“

Zurück zu den Shows. Bei den Zugaben habt ihr häufiger auf die schon gespielten Songs zurückgegriffen. Seid ihr zu faul zu üben?

Mark:
„Das liegt an mir, da ich erst seit kurzem dabei bin und nur eine gewisse Anzahl Songs spielen kann.“
Mike: „Kurz nachdem Mark in die Band kam, sind wir gleich auf Tour gegangen. Wir hatten also nicht viel Zeit, zu Hause zu proben, an sich so gut wie gar nicht. Aber ich kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und neue Songs zu schreiben!“

Wie viele Clubs habt ihr eigentlich schon zerlegt?

Pat:
„Alle!“
Mike: „In Holland haben wir einen Club ziemlich zerstört. Die Decke war abgehangen mit diesen billigen Verkleidungen. Die fielen plötzlich runter, und wir haben angefangen, die Teile zu zerbrechen. Es ist einfach passiert.“
Pat: „In einem Club in LA sprang Mike durch die Wand, komplett hindurch. Auf der anderen Seite landete er fast auf einem Hometrainer, da dort ein Fitnessclub war.“
Jesse: „Und bei einer Show in Denton – wir waren die Opener – griff Mike nach einem Rohr und zerbrach es. Leider war es eine Gasleitung, und der Club musste die Show abbrechen.“
Mike: „Ich hab ihnen unser Geld gegeben. Früher mussten wir oft noch Geld an die Clubs zahlen, jetzt eigentlich nicht mehr. Wir wollen auch niemandem im Publikum verletzen, es ist jedenfalls noch niemand im Krankenhaus gelandet.“

Bis auf Pat - bei einem Konzert hat er sich doch sehr verletzt, oder?

Pat:
„Ja, das war in einer Bar in San Fransisco, da bekam ich nach einigen Songs das Mikro ins Gesicht geschleudert. Wir haben dann noch einige Songs gespielt, aber da es so stark blutete, musste ich ins Krankenhaus.“
Mark: „Unsere Freunde in Austin haben für uns ein Benefizkonzert organisiert, ohne dass wir sie gebeten hatten. Von überall, Minneapolis, Seattle, haben uns Leute Schecks geschickt oder per PayPal oder Kreditkarte gespendet. Selbst Bands, mit denen wir eigentlich zusammenspielen sollten – wir mussten ja die Tour abbrechen –, schickten uns ihre Gage. Das war wirklich klasse.“

Und was musstest du bezahlen?

Pat:
„6.000 Dollar für einen Zahn, zwei müssen noch gemacht werden, ich hab halt keine Krankenversicherung. Aber ich habe mich bei The Music Health in Nashville, TN angemeldet, das ist eine Organisation für Musiker, die keinen Cent verdienen. Die haben uns 3.000 Dollar gegeben.“

Was sagt ihr dazu, wenn ihr mit Bands wie den HIVES verglichen werdet?

Mike:
„Wäre cool, wenn wir mit den HIVES verglichen werden könnten, was unsere Kontoauszüge angeht. Ich weiß nicht, ich kann das nicht ganz nachvollziehen, aber es ist egal, ich mag die HIVES, sie sind großartig.“
Pat: „Wir sind auch schon mit NASHVILLE PUSSY verglichen worden, was ich auch nicht verstehen kann, oder mit den STROKES.“

Mit wem würdet ihr euch denn selber vergleichen?

Pat:
„Neil Diamond, BEATLES ... Wir mögen die SHAGGY HAIRCUTS, die RAMONES, MISFITS, die DICTATORS. Beeinflusst hat uns vieles.“
Mike: „Du schreibst ja verschiedene Songs. Wenn du in schlechter Stimmung bist, schreibst du einige Wochen lang traurige Songs, in der nächsten Woche schreibst du poppigere, und dann geht‘s vielleicht mehr in Richtung New Wave. Wir hören uns sehr viele verschiedene Sachen an, das beeinflusst natürlich auch unsere Songs. Jedes Album, das wir machen, unterscheidet sich vom vorhergehenden.“

Wie hat euch denn die Europa-Tour gefallen? Wie waren die Reaktionen?

Fadi:
„Großartig! Vor allem auch dafür, dass es die erste Tour in Europa war.“
Mike: „Ja, es läuft richtig gut, besonders für eine Band, die noch nie hier war, und deren Album man hier kaum bekommen kann. Die Leute in Holland waren richtig gut zu uns. Holland, Deutschland und Belgien waren echt klasse.“
Jesse: „Wir bekamen hier mehr Presse als jemals in den Staaten.“

Habt ihr das erwartet?

Mike:
„Überhaupt nicht! Ich hätte gedacht, dass auf einigen Shows vielleicht 50 Leute erscheinen. Dabei gab es Shows, auf denen über 400 Leute waren! Im Durchschnitt kamen 100 bis 200 Leute zu den Shows.“

Wird es eine weitere Tour geben?

Pat:
„Ja, im August kommen wir wieder. Seetz, unser Booker, versucht auch ein paar Festivals zu buchen. Wir haben erst auf wenigen gespielt, aber ich glaube, die europäischen Festivals sind ganz anders als die amerikanischen.“
Mike: „Ich hoffe, die Leute, die uns gesehen haben, haben Spaß gehabt und kommen beim nächsten Mal wieder.“

Wie ist denn die Musikszene in Austin?

Mike:
„Ich finde, Austin hat die beste Musikszene Amerikas. Dort gibt es die verschiedensten Bands und die unterschiedlichen Szenen. Die Bands, die in Austin spielen, sind sehr weit von Los Angeles und deren geldorientierter Musikindustrie entfernt. Sie machen einfach Musik, nicht um berühmt zu werden, sondern weil sie die Musik mögen, und ich denke, dass bei vielen Bands, die nach Los Angeles gehen, das Geld eine größere Rolle spielt.“

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #55 (Juni/Juli/August 2004)

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