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Interviews & Artikel

LES SAVY FAV

Lasst uns doch Freunde bleiben

Gegründet 1995 während der gemeinsamen Zeit an einer Kunsthochschule auf Rhode Island, überlebten LES SAVY FAV die Studentenjahre ihrer Mitglieder. In Brooklyn, NY fand man eine neue Heimat, lange bevor der Stadtteil zum hippen Hotbed "neuer" Musik wurde. 1997 erschien auf Self Starter Foundation das erste Album, 1999 das Meisterwerk "Rome" (auf dem von Bassist Syd gegründeten Label Frenchkiss), und 2001 dann "Go Forth" - zumindest auf Platte das letzte Lebenszeichen der eigenwilligen Indierocker. Sechs Jahre später sind Tim Harrington (Gesang), Syd Butler (Bass), Harrison Haynes (Drums) und Seth Jabour (Gitarre), der auch meine Fragen beantwortete, mit neuem Album ("Let's Stay Friends") zurück.


Seth, bei was störe ich dich?

Du störst nicht, ich mache gerade Mittagspause.


Bei was für einem Job?

Ich bin Art Director für eine Parfümfirma namens Sunrise - übrigens eine deutsche Firma. Ich arbeite da in der Werbeabteilung.


Das sagt mir, dass deine Band LES SAVY FAV dich bislang nicht zum reichen Rockstar gemacht hat.

Äh, nein. Und ich fürchte, daran sind wir auch selbst ein wenig schuld. Wir haben alle verschiedene Interessen außerhalb der Musik, um die wir uns in den letzten Jahren eher gekümmert haben.


Und sechs Jahre lang kein Album zu machen, ist auch nicht gerade hilfreich.

Definitiv nicht. Und wir waren zwischendurch auch noch für eine ganze Weile völlig inaktiv.


Aber warum hat es so lange gedauert?

Schon als wir 2004 unsere Single-Collection "Inches" rausgebracht hatten, hatten wir das Gefühl, das könnte unser letztes Projekt als Band gewesen sein. Danach kamen dann aber ein paar Singles auf dem australischen Label Pop Frenzy raus, parallel zu unseren Touren dort, und wir blieben weiter aktiv, spielten hier und da Konzerte. Im Sommer 2006 fingen wir dann an, wieder über ein Album zu sprechen, fanden alle den Gedanken reizvoll, auf jeden Fall noch eine Platte zu machen.


Ihr habt euch an einer Kunsthochschule kennen gelernt. Nun wurden schon in der Frühzeit des Punk Bands mit so einem Hintergrund als "Art Punk" geschmäht. Wie ist das bei euch?

Nun, ich habe mich daran gewöhnt, mit diesem Begriff zu leben. Ich denke aber auch, es ist nicht unser Job als Musiker, unsere Musik zu klassifizieren. Andererseits denke ich, dass die Bezeichnung in Bezug auf Bands wie WIRE oder TALKING HEADS durchaus Sinn ergibt, denn das waren ja Leute, die die Kunsthochschule besuchten und dann die Musik für sich entdeckten. Musik ist eben eine der Möglichkeiten, sich künstlerisch zu betätigen. Und wir sind auch keine politische Band, wie viele der Punkbands im England der Siebziger. Tims Texte sind eher, nun, intellektuell, regen durch ihren Inhalt zum Nachdenken an, wie man das auch von einem Gemälde oder einer Installation erwarten könnte. Und ich finde, das passt zu uns.


Von wem stammt denn das Cover-Gemälde des neuen Albums?

Das ist von Tim, und von ihm stammen ja fast alle unsere Cover, das gesamte Artwork.


Und was ist mit dir? Du bist doch auch Grafiker.

Ja, ich habe hier und da mal eine Singlecover oder ein T-Shirt gemacht, aber ich denke, dass Tim einfach besser ist und enthusiastischer an die Sache herangeht. Und speziell das Cover des neuen Albums liebe ich, denn es ist sehr gut ausgeführt. Meine Lieblingscover sind allerdings die von "Rome" und "The Cat And The Cobra".


Das Artwork des neuen Albums sieht mit dem nackten Paar und den wilden Tieren drumherum sehr biblisch aus. Was ist der Hintergrund?

Ich denke, das Thema hat was mit Tims katholischer Erziehung zu tun, das hat ihn sehr geprägt und macht einen wichtigen Teile seiner Persönlichkeit aus. Und so versucht er eben auch, entsprechende Themen in seine Kunst einfließen zu lassen, sowohl in die Bilder wie in seine Texte, in die er immer wieder gerne biblische Referenzen einbaut. Ein immer wieder auftauchendes Thema bei ihm ist das Leben in modernen Zeiten, und das Cover von "Let's Stay Friends" kann man so beschreiben, dass es Adam und Eva im Paradies zeigt, wie sie von den wilden Tieren dort abgelehnt und angefeindet werden.



Und die beiden sagen dann "Hey, let's stay friends!" oder was?

Das ist so das zugrunde liegende Thema, ja: "Sorry, dass wir gesündigt haben, dass wir Scheiße gebaut haben." Ich finde, es ist ein sehr starkes Bild, und das Artwork ist auch sehr gut gemacht. Tim ist übrigens bis heute ein gläubiger Katholik, er hat kirchlich geheiratet und geht regelmäßig in die Messe. Ich wurde auch so erzogen, aber als mich meine Mutter als Teenager dann nicht mehr gezwungen hat, in die Kirche zu gehen, bin ich nicht mehr hingegangen. Bei Tim ist das anders, für ihn ist sein Glaube eine wichtige Quelle für seine Texte, seine Kunst. Andererseits schreiben wir keine christlichen Rocksongs, das ist definitiv nicht der Fall, und unsere Lieder beschäftigen sich vielmehr mit alltäglichen Dingen, zu denen jeder einen Bezug hat, ganz egal, woran er glaubt.


Das klingt nach einer eher aufgeklärten Spiritualität, was ein Gegensatz ist zu all den Metalcore-Bands mit evangelikal-fundamentalistischem Hintergrund. Wo siehst du deren Hintergrund?

Ich vermute, dass das was mit dem Dogmatismus im Hardcore an sich zu tun hat. Über die Jahre hat sich dieser Dogmatismus ja immer wieder gezeigt, etwa wenn man an all die, nun, fundamentalistischen Straight Edge-Bands denkt. Bei Tim ist das definitiv was anderes, der hat eben seinen Hintergrund, aber macht sich seine eigenen Gedanken und formt die zu Texten, die auf jeden Fall nicht predigend daherkommen. Seine Texte sind sehr tiefgängig, und je öfter ich sie höre, desto besser verstehe ich sie. Wenn man seinen Hintergrund aber nicht kennt, würde man aber nicht darauf kommen, dass dieser oder jener Song etwas mit einer Geschichte aus der Bibel zu tun hat.


New York City und besonders Brooklyn haben sich in der Zeit zwischen eurem letzten Album und dem neuen stark gewandelt. Speziell Brooklyn wurde zum Synonym für eine neue Generation innovativer Bands. Was hat das mit euch zu tun?

Interessant, dass du das fragst. Also ich zog 1997 nach Brooklyn, Tim und die anderen ein paar Monate vorher. Und so haben wir von Anfang an mitbekommen, wie sich der Stadtteil Williamsburg nach und nach verändert hat. Wir gehören also ganz sicher nicht zu den Leuten, die erst in den letzten Jahren nach Williamsburg gezogen sind, weil das jetzt so ein hipper Szenestadtteil ist und man da wohnen "muss", um in einer Punk- oder Indierock-Band zu spielen. In der Tat ist Williamsburg aber immer noch ein New Yorker Stadtteil, in dem man es sich als Künstler leisten kann zu wohnen. In den letzten Jahren hat der sich aber so entwickelt, dass die Presse über Williamsburg schreibt, dass Bands mit Majorlabel-Deals von da kommen, und so weiter. Und wir müssen uns von Freunden fragen lassen, wie wir denn zu all diesen hippen Bands passen. Keine Ahnung, ist meine Antwort, wir waren ja schon da, als keiner von denen da lebte. Mittlerweile versuche ich das einfach zu ignorieren, aber ich finde es durchaus cool, dass dort, wo ich wohne, eine Musikszene existiert.


Dein Bandkollege Syd betreibt das Label Frenchkiss. Hast du damit irgendwas zu tun?

Nein, außer dass ich ihm mal mit Kleinigkeiten helfe, wenn er mich fragt. Er hat sein Team, er trifft die Entscheidungen, höchstens wenn es um das Signing einer neuen Band geht, fragt er uns mal nach unserer Meinung. Und natürlich ist auch unser neues Album für die USA wieder auf Frenchkiss erschienen - in Europa ist es auf Wichita.


Habt ihr noch Erwartungen an eure Band?

Meine Einstellung war und ist, niemals nie zu sagen. Ich finde, es ist eine gute Platte mit einer Menge Potenzial und wir müssen jetzt abwarten, wie weit sie uns bringt. Ich denke, Ende des Jahres sehen wir klarer.


Mich habt ihr jedenfalls schon begeistert - und ich finde, dass "Let's Stay Friends" im Vergleich zu euren früheren Sachen zugänglicher und straighter ausgefallen ist.

Eine interessante Feststellung, und ja, ich halte es für eine sehr ehrliche und selbstbewusste Platte. Unsere zwischenzeitliche Pause haben wir genutzt, um den Ballast abzuwerfen, der sich über die Jahre angesammelt hatte. Es sollte in unserem "Handwerk" keine Regeln und Einschränkungen geben, und so sind wir an die Platte herangegangen. So haben wir jetzt ein paar Songs auf der Platte, die einfach ganz klassische Rock'n'Roll-Nummern sind, während es uns früher auch mal passiert ist, dass wir klassisch anfingen, dann aber vom geraden Weg abkamen und bei ganz seltsamen, schrägen Noten landeten. Auf dem neuen Album hörst du eben keine junge, unerfahrene Band, die sich ihrer selbst nicht so ganz sicher ist, sondern eine selbstbewusste Band, die sich ihrer selbst sicher ist, die sich auf ihren Instinkt verlässt.


Aufgenommen habt ihr mit Chris Zane in den Gigantic Studios.

Ja, und wir hatten zuvor schon bei den Australien-EPs mit ihm gearbeitet. Er versteht uns einfach, er kann unsere Ideen interpretieren, und darauf kommt es an. Und es hat Spaß gemacht, mit ihm aufzunehmen.


Was für Musik hat dich, hat euch möglicherweise beeinflusst?

Also ich höre in letzter Zeit viel Dub aus den Sechzigern und Siebzigern, habe mir ein paar dieser Trojan-CD-Boxen geholt. Außerdem gefällt mir die neue CD von Panda Bear sehr gut, und die letzten beiden Alben der LIARS. Und ansonsten höre ich so querbeet, das hängt ganz von meiner Laune ab. Für die anderen kann ich nicht sprechen, aber wir sind da sehr offen, und tendenziell höre ich eher alte Bands, etwa GANG OF FOUR, und wenig Neue. Wir haben übrigens in letzter Zeit ein paar Coversongs aufgenommen, zum Beispiel "Precision auto" von SUPERCHUNK und "Wrong" von ARCHERS OF LOAF, und das war unsere Hommage an die Indierock-Bands der Neunziger, die wir hörten, als wir aufs College gingen, und die uns dazu inspirierten, selbst eine Band zu gründen.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #74 (Oktober/November 2007)

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