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Interviews & Artikel

DETROIT 442

Welcome to Detroit, Motherfucker!

DETROIT 442, hervorgegangen aus den HILLSIDE STRANGLERS, und wie diese regelmäßig auf Touren durch unswww.detroitnoise.comere Lande, tragen ihre Heimatstadt nicht nur im Herzen, sondern auch im Namen. Uns bekannt durch Theodor Fontanes "John Maynard" oder "Robocop 1-4", ist die Motorenstadt sowohl reich an Mythen wie Extremen. Detroit, Welthauptstadt der Amputationen, besticht durch eine schockierende Arbeitslosenquote, hohe Kriminalität und eine strikte Rassentrennung. Die Normalität der Gewalt ist nur schwer zu akzeptieren, aber Musik scheint in Detroit schon immer den Ruf einer einenden Qualität besessen zu haben, und sei es, weil den Menschen in den Werkshallen eine Ahnung ihrer Gleichheit gewährt war. Nur in Detroit setzte sich diese in der Musik fort, um wenigstens kulturelle Schranken einzureißen. Die Musik von DETROIT 442 mit ihren monotonen bluesartigen Repetitionen ist ein Echo des Fabriklärms und auch wenn die Stadt stirbt, beschwört die Band doch die Bilder eines vergangenen Detroits.


Kann man sagen, dass DETROIT 442 mehr oder weniger die HILLSIDE STRANGLERS sind?


Eric: Nicht unbedingt. Ich habe vorher Bass gespielt, aber wir konnten mit der alten Besetzung nicht mehr auf Tour gehen und haben deswegen beschlossen, etwas Neues zu beginnen, auch wenn an einigen unserer Lieder schon bei Hillside gearbeitet wurde.

Personalwechsel hin oder her, ihr habt dieselbe Internetadresse, und ohne jegliche Veröffentlichung, vom Demo abgesehen, wärt ihr wohl auch kaum auf Tour.

Lacy:
Ich bin die Person hinter Detroit Noise Records, meinem Label. Ich entschied, dass es Zeit war für eine Veränderung, deswegen habe ich DETROIT 442 zusammen mit Eric gegründet. Wir spielen aber nur neues Material. Es ist ein anderer Stil.

Eric: Im Grunde ist es Lacys Songwriting, das die Leute an die HILLSIDE STRANGLERS erinnert.

Lacy: Ich kann bei D442 jetzt eigentlich mehr Songs schreiben. Auf der CD sind drei, vier Lieder, die noch mit Hillside entstanden sind.

Eric: Die Texte hast du ja ohnehin alle selbst geschrieben.

Ich weiß, dass die HILLSIDE STRANGLERS immer wieder planten, nach Europa zu kommen, die Touren wurden aber jedes Mal abgesagt.

Lacy:
Beim ersten Mal wurde der Gitarrist verhaftet und durfte die USA oder den Staat Michigan nicht verlassen. Beim nächsten Mal hatte dann der Trommler häusliche Probleme, um die er sich zu kümmern hatte. Wir hätten es mit dieser Einstellung nie mehr geschafft zu touren und es wurde ohnehin Zeit für etwas Neues. Ich wollte etwas anderes machen, einen ursprünglicheren Stil spielen.

Eric: Manch einer sagte uns nach, wir würden wie Metal klingen. Das lag vielleicht an einzelnen Bandmitgliedern, ich will aber auch nicht verhehlen, dass einige Konzerte ganz schön laut waren.

Wurde der Bandname wegen des klassischen Stils gewählt?

Lacy:
Weil das ein altes BLONDIE-Lied ist? Ach, es sollte "Detroit" im Namen vorkommen.

Eric: DETROIT 442 ist ein alter Oldsmobile-Motor.

Mike: Der Größte und Schnellste seiner Zeit.

Eric: Würden wir uns nach einem neuen Motor benennen, würden wir demnach wahrscheinlich Speed Metal machen.

Im CD-Booklet ist leider nur ein Text abgedruckt.

Lacy:
Die Texte sind alle auf der Internetseite. Aber wie ich im Klappentext sage: "Hört euch die CD an und findet die Texte selbst heraus!" Manchmal kommen dabei sogar individuell bessere Texte heraus, haha.

Eric: Hier drüben scheinen sich auch mehr Leute für die Texte zu interessieren als zu Hause und für unsere Sicht der Scheiße in Amerika, die wir in unserer Musik projizieren.

Warum seid ihr so anders, liegt das an der Nähe zu Kanada?

Lacy:
Ach, hör mir mit Kanada auf! Seit zehn Jahren habe ich dort Einreiseverbot. Sie würden mich verhaften, wenn ich nach Kanada ginge.

Wofür?

Lacy:
Für die Einreise nach Kanada, haha.

Die Einreise nach Kanada scheint schwerer zu sein als die nach Israel.

Lacy:
Ja, genau.

Ich las in der New York Times, dass in Detroit dieses Jahr 900.000 Menschen arbeitslos sein würden. Macht sich das bemerkbar?

Eric:
Es werden wahrscheinlich bedeutend mehr sein. Sie zählen nur die, die im vergangenen Jahr arbeitslos geworden sind, die anderen fallen sowieso aus der Statistik heraus. Du weißt, dass Detroit "the motor city" genannt wird, nahezu jeder arbeitet in der Autoindustrie oder bei Zulieferern. Sie bieten uns Abfindungen an, zu kündigen und auf die Krankenversicherung zu verzichten. Die Abfindungen sind gewöhnlich ein Jahreslohn.

Wie groß ist Detroit? Unter 4 Millionen Einwohnern?

Lacy:
Die Vorstädte eingeschlossen, an die 3,5 Millionen. Im eigentlichen Stadtgebiet leben jedes Jahr weniger Menschen. Es gibt immer mehr entvölkerte Gegenden.

Eric: Schwarzen-Viertel wirken manchmal wie ein Gitterrost. An manchen Blöcken stehen bis zu 16 Häuser, an anderen nur eines, es sieht aus wie in Bagdad, aber es sind keine Soldaten, sondern Stadtbewohner und es dehnt sich aus. An der Tankstelle gegenüber von meinem Haus werde ich nahezu jeden Tag nach Geld gefragt. Die reichen Leute bauen suburbane Trabantenstädte mit Golfplätzen und entfernen sich immer weiter vom Stadtkern. Nach zwei Jahren ziehen sie dann weg, lassen diese riesigen Städte leer stehen, während die Leute in der Innenstadt möglicherweise nicht einmal Möbel besitzen. Aber im Grunde hat jeder die Stadt aufgegeben und versucht, ihr zu entkommen.

Mike: Als die großen drei - Chrysler, General Motors und Ford - Schwierigkeiten hatten, mit Toyota und so Schritt zu halten, waren sie gezwungen, ihre Unternehmen zu verkleinern. Es trifft auch die Zulieferer, weil in China billiger produziert werden kann.

In der New York Times stand auch, Detroit sei eine Industriemetropole in einem postindustrialisierten Amerika.

Mike:
Das trifft es ziemlich gut.

Eric: Ich würde sagen, dass Dreiviertel der Werke mittlerweile aufgegeben wurden. Es funktioniert nur noch mit merkwürdigen Steuergesetzen. Wenn das Band anhält, kostet das tausend Dollar pro Sekunde. Wenn der Händler einen Motor nicht liefern kann, weil ein Bolzen fehlt, müssen wir ihm die Standzeit in Rechnung stellen. Stell dir vor, in der Endfertigung müsste fünf Minuten auf eine Zulieferung gewartet werden, das ist ruinös. Der chinesische Händler hat diese Probleme nicht, denn er muss niemanden bezahlen und erhält Steuervergünstigungen. Und die reichen aus, um andere aus dem Geschäft zu drängen. In Europa ist es dasselbe.

In Berlin wird als Ausweg nach dem Abzug des produzierenden Gewerbes gern der Kultur- und Wissenschaftsstandort beschworen. Wofür ist Detroit bekannt?

Eric:
Detroit war immer bekannt für seine Musik, Musik aller Stilrichtungen. In letzter Zeit hattest du EMINEM, Kid Rock, die WHITE STRIPES. Es gibt sehr viele Bands und dadurch auch ein hohes Maß an Inspiration.

Ich wundere mich nur, weil ich auch mal was über streng nach Rassen getrennte Viertel gelesen habe.

Eric:
Ja, wie zum Beispiel Mexicantown, wo viele legale Einwanderer leben und es offensichtlich viele mexikanische Restaurants gibt. Oder Hentrane, das sehr polnisch zu sein scheint, wo die Leute gar kein Englisch können. Die meisten haben in den Fabriken gearbeitet und sich in diesen Mietskasernen angesiedelt, die großen Vermietungsgesellschaften gehören.

Angenommen ich wäre als Tourist in Detroit. Könnte ich diese Viertel aufsuchen?

Eric:
Nee, die sind so weit ab vom Schuss, dass, wenn du dort eindringen würdest, man annähme, du wolltest Drogen, Ärger oder wärst ein Bulle.

Sean: Du hättest keinen Grund, dort hinzugehen.

Grenzüberschreitungen finden also nur in der Musik statt.

Eric:
Du triffst dich ja am Arbeitsplatz. In den Fabriken arbeiten Polen, Ungarn, Schwarze, Mexikaner und Chinesen. Und wenn die sich nicht mögen, tun es zumindest ihre Kinder, die sich ebenfalls in der Schule treffen und eines Tages heiraten.

Worauf bezieht sich der Titel der CD, "Living In The Age Of Fear"?

Lacy:
Wann immer du den Fernseher anstellst, wird eine neue Qualität des Terrorismus ausgerufen. Auf dem Flughafen mussten wir zum Beispiel unsere Schuhe ausziehen, fast so, als ob wir damit werfen wollten. Es ist lächerlich, doch viele Leute glauben dieser Panikmache. Wie war das mit dem "Millennium Bug" vor dem Jahr 2000? Nichts ist geschehen, gar nichts.

Du beziehst dich also auf den Michael Moore-Film "Bowling For Columbine", dass diese Kultur der Angst dazu dient, dich deiner Rechte zu beschneiden ...

Lacy:
Dich deines Lebens zu berauben oder dir etwas zu verkaufen, ja.

Mike: Die Leute haben zu viel Zeit, sich Sorgen zu machen.

Eric: Ja, sie sind zu ängstlich, ihr eigenes Leben zu leben. Auf Reisen zu gehen, wie wir, das würden viele nicht wagen, so verängstigt sind sie. Alles, was du benötigst, sind Fernseher und Telefon, dann brauchst du auch nicht mehr das Haus zu verlassen. Es ist bizarr zuzusehen, wie alles langsam stirbt. Ich würde gerne Veränderungen sehen, einen Protest. Stattdessen hast du den Irak-Krieg, der als Entschuldigung für alles herhält.

Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Irak-Krieg und den verängstigten Fernsehzuschauern?

Sean:
Der Krieg wird von den Medien geführt.

Lacy: Wir haben einen Haufen von 24-Stunden-Nachrichtensendern und da liest keiner mehr die Nachrichten vor, sondern sagt nur seine Meinung. Und derjenige, der am lautesten schreit, behält am Ende recht, auch wenn es jeder Grundlage entbehrt. Wenn jemand lauter als die anderen "Kaninchen können fliegen" schreit, dann glauben die Leute, dass Kaninchen höher fliegen können als Schweine.

Eric: Es würde auch keine Rolle spielen, wenn jemand das Gegenteil herausfinden würde.

Walmaul

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #75 (Dezember 2007/Januar 2008)

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