Interviews & Artikel : LOISIRS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

LOISIRS

Die beste Freizeitbeschäftigung der Welt

Das Wort "Loisirs" bedeutet Freizeit, wie man sie gestaltet und was man mit ihr, wenn man sie denn hat, anfängt. Meine erste Begegnung mit diesem Wort fand wohl in der gymnasialen Mittelstufe im Französischunterricht statt. "Ludovic spielt in seiner Freizeit gerne Fußball" oder so ähnlich. Die weitaus wichtigere Begegnung fand dann vor gut zwei Jahren in Ludwigshafen statt, wo das jüngst gegründete Europa-Büro von Go Kart Records ein Eröffnungs-Showcase gab. Schon im Vorfeld wurde mir gesagt, dass ich unbedingt die zwei französischen Bands LOISIRS und MYRA LEE anschauen müsste. Post-Punk, No-Wave, Rock'n'Roll. Das ging schon in die richtige Richtung, aber was ich dann zu sehen bekam, hat mich wirklich umgehauen. LOISIRS sind Punkrock, sie sind tanzbare Popmusik, sie sind Rock'n'Roll, mit einer unglaublichen Energie, die einen veranlasst, mehr als nur ein Bein zu schütteln und mit dem Kopf zu nicken. Eine Energie, die leider wohl nie für die Heimanlage festgehalten werden kann. Aber das ist es eben, was eine Liveband ausmacht.



In Rennes, der schönen Hauptstadt der Bretagne, in der laut Aussage eines Einheimischen hunderttausend Studenten ihr Unwesen treiben (?!), fand Ende September nun das dritte Aufeinandertreffen statt. Am Rande ihres Konzertes in einem kleinen Kunstcafé am Canal St. Martin hatte ich die Gelegenheit, mich mit den vier Franzosen zu unterhalten. Es komme nicht so oft vor, dass jemand sie nach einem Interview frage, dann auch noch ein Deutscher, das sei schon etwas Besonderes. Genauso aber auch für mich, da das Interview natürlich auf Französisch stattfand, was für meine eher behelfsmäßigen Sprachkenntnisse doch eine große Herausforderung darstellte.

LOISIRS - Freizeitbeschäftigung - der Name ist Programm, sagen sie. Die Band ist eine solche, wenn auch wohl die wichtigste, aber eben nicht mehr. Sie nennen es "Sonntagsmusik". Weit entfernt vom Broterwerb touren sie alle paar Wochenenden, Feier- und Urlaubstage durch Frankreich, wenn Frau/Kind/Arbeit es zulassen, auch mal ein paar Tage länger durch Deutschland oder Spanien, aber dann kommt es eben auch vor, dass der Veranstalter aufgrund der nur fünf zahlenden Gäste leider nicht mal Benzingeld zahlen will. Hart ist das Leben auf der Autobahn.

Wie auch ihre Begleiter EPILEPTIC, mit denen sie diesen Abend bestritten, kommen die LOISIRS aus Poitiers, einer Hunderttausend-Einwohner-Stadt ungefähr auf halbem Weg zwischen Paris und Bordeaux. Trotz der recht geringen Größe, ist mir die Stadt durch eine große Anzahl an guten Bands aufgefallen, die, sich deutlich voneinander abhebend, doch irgendwie in eine bestimmte Richtung gehen. Man wird zumindest oft ein "Post-" vor der Musikbezeichnung finden.

Mit der Gründung von "Oreille est Hardie", einem Verein, der im Punkrockjahr 1977 damit begann, Konzerte zu organisieren, ist so etwas wie eine erste kleine Szene entstanden. 1985 ist dann daraus das "Confort Moderne" entstanden, eine Halle für Konzerte und Ausstellungen, die mit ihrer Idee der Kombination verschiedenster Kunstrichtungen in Frankreich schon etwas besonders ist.

"Dadurch kamen im Laufe der Jahre unglaublich viele interessante Gruppen nach Poitiers, wie zum Beispiel FUGAZI und NOMEANSNO, die uns und die Szene natürlich beeinflusst und motiviert haben, selbst Musik zu machen. Deswegen gibt es auch seit geraumer Zeit eine große, ich sage mal ‚Rock'-Szene, die in ihren Musikstilen aber auch weit darüber hinausgeht. In den letzten Jahren haben sich dann auch Teile bestehender Bands mit anderen Bands zusammengetan, um neue Projekte zu starten."

So besteht die Gruppe FRIENDLY FIRE aus LOISIRS- und EPILEPTIC-Mitgliedern, ähnlich MICROFILM und andere. Insgesamt gibt es rund zehn Bands in Poitiers, die zusammen eine lockere musikalische Einheit bilden. Zusammen wird gespielt, abgehangen, auf Tour gegangen und hin und wieder eine neue Gruppe gebildet. Vereint mit dem kleinen Label Theatre Records, über das die meisten dieser Bands ihre Alben vertreiben, bilden sie eben diese besondere Szene von Poitiers. Auf die Frage, ob sie sich als kleines Washington D.C. Frankreichs sehen, müssen sie alle laut lachen und erklären: "Nein. Diese Einheit an Musikstilen gibt es in Poitiers nicht. Wenn man mal einen Blick über diese zehn Bands hinaus wagt, kannst du hier alles hören von Death Metal, über Hardcore und Emo, bis hin zu normalem Rock; und diese Bands haben jetzt nicht unbedingt viel miteinander zu tun. Außerdem ist Washington international wohl etwas präsenter als Poitiers, haha. Aber dass D.C. musikalisch als Vorbild gesehen wurde, können wir natürlich nicht leugnen."

Und dann gibt es noch den Einfluss aus der Nähe meiner Heimatstadt, nämlich Nürnberg, der lustigerweise bei Konzertankündigungen und auch in der Web-Biografie der LOISIRS zu finden ist: THE ROBOCOP KRAUS. Wie kommt das?

"Wir haben zusammen Wurst gegessen ... und Ziegenkäse ... Aber im Ernst: In der Zeit, in der wir mit den LOISIRS anfingen, hatten wir sie viel gehört und auch live gesehen. Dadurch kann man diesen Sound sicherlich auch bei uns heraushören. Aber die Biografie hat, wie es so oft ist, jemand anderes geschrieben, Greg von Theatre Records, und der sieht das eben so. Vielleicht gibt es auch andere Meinungen."

Gerade ROBOCOP KRAUS, aber auch eine große Menge anderer, internationaler Bands haben sich im Laufe der letzten Jahre immer mehr in Richtung Pop bewegt. Sie sind "klarer" geworden, in Hinsicht auf den Gesang und die Songstrukturen; und dadurch vielleicht auch in Hinsicht auf die Positionierung des eigenen Stils im großen Dschungel der Musikbezeichnungen. Die LOISIRS blieben aber trotz hörbarer musikalischer Weiterentwicklung bei verzerrter Gitarre und den unverzichtbaren Schreieinheiten.

"Es ist wohl eine ganz natürliche Sache, dass sich Gruppen weiterentwickeln und auch ändern. Neben deinem Beispiel gibt es auch eine ganze Reihe Bands, die bis vor einiger Zeit richtig harten Screamo gemacht haben und jetzt voll auf der Emo-Schiene gelandet sind. Bei uns ist das so: Wir proben nicht allzu viel, wir haben also schlichtweg zu wenig Zeit, um uns großartig zu ändern. Vielleicht liegt es aber auch an unserem Schlagzeuger, der fast immer das Gleiche spielt ..."

Viel Zeit bleibt auch nicht zum Proben, wenn eine Band es sich zum Ziel gesetzt hat, fast alles selbst zu machen. Das ist natürlich anstrengender als wenn die "unkünstlerische", organisatorische Arbeit von anderen übernommen wird, aber "wir haben und hatten nie das Ziel, von unserer Musik zu leben. Dadurch haben wir es um einiges einfacher als viele andere D.I.Y.-Bands." Diese D.I.Y.-Ethik ist ihnen auch sehr wichtig, da sie dadurch viele Freiheiten genießen können. Sie berichten von der Horrorvorstellung, in einem kleinen Bus durch Europa gekarrt zu werden, ohne mehr zu sehen als Bühne, Übernachtungsplatz und Autobahn. Oder dem vertraglichen Zwang zu unterliegen, in den nächsten zwei Jahren drei neue Alben aufzunehmen. Wohl deshalb haben sie einen Plattendeal kurzerhand abgelehnt, als sie ihn genauer unter die Lupe nahmen. Ihr letztes Album "Submergé Par Le Sublime" ist daraufhin als Splitrelease bei den Kleinstlabels Theatre Records, Rejuvenation Records und La Machoire rausgekommen, was natürlich weniger Distributionsmöglichkeiten bedeutet, aber einen freieren Kopf. Und der zählt, um weiterhin gute Musik machen zu können.

Christoph Schulz

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #70 (Februar/März 2007)

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