Interviews & Artikel : PIEBALD :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

PIEBALD

Sich wiederholen? Kommt nicht in Frage!

Es gibt etwas, das nicht viele Menschen ihr Eigen nennen dürfen: guten Humor. Man sollte wissen, was zu welcher Zeit die Lachmuskeln seiner Mitmenschen aktiviert, und dabei vielleicht nicht unbedingt unter die Gürtellinie schlagen. PIEBALD aus Boston und vor allem ihr Sänger Travis haben glücklicherweise die Gabe, nicht nur die Beine und Köpfe ihrer Zuhörer zur Bewegen animieren zu können, sondern zaubern ihnen auch ein Lächeln ins Gesicht. Die Musik, die sie dazu verwenden, lässt sich mit einer Stilrichtung nicht beschreiben. Sagen wir es so: Die Band macht, worauf sie Lust hat. Gestartet im Hardcore, benutzt die Band elf Jahre nach ihrer Gründung kaum noch verzerrte Gitarren, weiß aber immer noch in den Hintern zu treten. Im Email-Interview beantwortet Bandgründer Travis nicht nur Fragen zur kommenden Platte "Accidental Gentlemen", die die Band wieder von ihrer vielseitigsten Seite zeigt, sondern zeigt, dass auch die beliebtesten Nice-Guys sich Gedanken über das Weltgeschehen machen.



Während ich mich für das Interview vorbereitet habe, hab ich auch nach einer PIEBALD-Biographie gegoogelt. Zufällig stieß ich dabei auch auf eine Piebald-Schlange. Erkennst du dich in diesem Reptil wieder?


Ich denke nicht, dass wir so viele Gemeinsamkeiten haben, da wir ja auch nicht auf dem Boden herumkriechen und Gift versprühen. Übrigens gibt es ja auch Piebald-Pferde. Das kommt daher, dass das "Piebald" ja so was wie "scheckig" bedeutet. Ach ja, es gibt auch das Piebald-Syndrom, bei dem Zahnblomben Radiowellen empfangen.



Wenn du auf die letzten beiden Jahre, seit der Veröffentlichung eures letzten Albums "All Ears, All Eyes, All The Time", zurückblickst - denkst du, dass du erfolgreich warst?

Das hängt davon ab, wie man Erfolg definiert. Auf mich allein bezogen, würde ich sagen "ja" und "nein". Einerseits hatte ich eine großartige Zeit, anderseits steckte ich auch bis zum Hals in Schwierigkeiten.



War es schwierig für euch, euch für ein neues Album zu motivieren?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben in der Zeit nach dem letzten Album eigentlich keine Pause mit dem Songschreiben gemacht. Die meisten Songideen entstanden auf Tour, dennoch haben wir die kompletten Songs erst Anfang des letzten Jahres im Studio fertig gestellt, während wir schon dabei waren aufzunehmen. So gesehen, schreibe ich ständig Songs und werde nicht aufhören.



Du hast einmal in einem Interview erzählt, dass ein guter Song eine Menge Abwechslung braucht und dass es sich bei einem Album genau so hält. Um nicht langweilig zu werden, müssten verschiedene Stimmungen und Sounds rübergebracht werden. Wo liegen denn deine Einflüsse, die dich zu ständigen Variationen hinreißen?

Überall und nirgendwo. Mich beeinflussen natürlich auch Sachen, die nicht mit Musik zu tun haben. Aber wenn du meine musikalischen Einflüsse wissen willst: SPIRITUALIZED, SUPERCHUNK, DINOSAUR JR, THE STOOGES und befreundete Bands wie THE FORMAT, ME WITHOUT YOU und THE SIDE EFFECT.



Am Anfang eurer Karriere habt ihr Hardcore gemacht. Sei ehrlich: PIEBALD hören sich kein bisschen mehr wie eine Hardcore-Band an. Beschreibe doch bitte mal die Entwicklung deiner Band in den letzten elf Jahren.

Niemand behauptet, dass PIEBALD sich noch nach Hardcore anhören. Aber wir kommen definitiv aus diesem Bereich, und es war damals ein wunderbares Umfeld, um als Musiker aufzuwachsen und sich zu entwickeln. Musikalisch haben wir seitdem jedoch viele verschieden Musikstile gehört und haben viele Lebenserfahrungen gemacht. Natürlich haben wir auch versucht uns selber weiterzuentwickeln. Wenn wir jetzt etwas schreiben, soll es sich total neu anhören. Wir wollen immer etwas komplett anderes schaffen.



In jeder Plattenbesprechung, die ich über euch gelesen habe, werdet ihr als "positiv-thinkers" oder "nice-guys" dargestellt. Sieht ihr das genauso oder gibt es auch eine "dunke" Seite an PIEBALD?

Ich würde schon sagen, dass wir nette Leute sind und positiv denken. Natürlich haben auch wir unsere negativen Momente. Wer hat die nicht? Vor allem in letzter Zeit hat sich ja auch das Weltgeschehen verschlechtert. Das kann einen manchmal auch sehr runterziehen.



Ist "Accidental Gentlemen" eigentlich ein Konzeptalbum, und würdest du gerne mal ein solches Album schreiben?

Der Albumtitel schien auf verschiedene Arten zu passen: Das Album selbst entstand irgendwie zufälliger als unsere anderen bisherigen Alben. Und wir sind auch eher zufällig Gentlemen. Ich denke, dass in den letzten drei Jahren so was wie ein Konzept entstand - das Album selbst hat aber kein "Überthema". Irgendwann möchte aber auch jeden Fall gerne mal ein Konzeptalbum schreiben.



Erzähl mir, wovon die Lyrics handeln.

Es gibt Worte und Konversationen, die einem auf der einen Seite das Gefühl geben großartig zu sein und auf der anderen Seite, das Gefühl am Boden zerstört zu sein. Ein anderes Thema ist, wie die Menschen mit ihrer Welt umgehen und wie sie zu Grunde richten. Wir zerstören Ressourcen und Lebensräume ohne das wir uns der Konsequenzen für die nachfolgenden Generationen bewusst werden. Dazu kommen noch Songs über einen Freund von uns mit dem Namen Mike Parziale, Fahrradfahren und Menschen, die immer Aufmerksamkeit wollen.



Ich würde sagen, dass die sarkastischen, ironischen und vor allem humorvollen Texte deine Band auszeichnen. Was hältst du davon wenn Leute deine Songs auf Konzerten mitsingen, ohne die Lyrics zu verstehen?

Ich denke nicht, dass man immer alles komplett verstehen muss, um Dinge zu fühlen und in der Sache aufzugehen. Ich mag beispielsweise diese abgefahrene Band DUNGEN, kann und werde sie aber niemals verstehen. Es gibt einfach etwas in der Musik, dass man nicht verstehen muss, sondern einfach nur fühlen kann.



Würdest du sagen, ihr sprecht eine bestimmte Gruppe von Menschen mit eurer Musik an?

Naja, eigentlich nicht. Wir selbst sind in den letzten Jahren erwachsener geworden und wir machen jetzt auch andere Musik als noch vor zehn Jahren. Früher haben wir ja wie schon gesagt Hardcore gemacht, heute würde ich das, was wir machen, eher als gereiften Rock'n'Roll bezeichnen. Während der letzten Jahre haben wir so viele Leute kennen gelernt, Musik gehört und sogar ein paar Drummer verschlissen. Wir haben ein ganz anderes Leben entwickelt und da ist eine musikalische Veränderung unausweichlich. Entweder sind die Leute, die uns seit unserer ersten EP hören, diese musikalische Reise mitgegangen, oder sie haben sich während der Zeit verabschiedet. Für ein paar Jahre hieß es auch, wir würden Emo machen. Ich denke, dass wir mit jedem Album andere Leute mit immer unterschiedlichen Musikgeschmäckern ansprechen. So gesehen, kann ich deine Frage nur verneinen.



Ihr habt euch schon mal getrennt. Wie kam es dazu?

Aaron, unserem zweiten Gitarristen fiel damals auf, dass er kein normales Leben mehr hatte. Er hat es damals vermisst eine Freundin haben zu können, jeden Tag zur Arbeit gehen zu können und abends nach Hause zu kommen. So hat er dann den Entschluss gefasst aus der Band auszusteigen. Nach ein paar Tagen war er jedoch sein "normal life" total leid und hat mich wieder angerufen. Wir haben seit dem auch einen anderen Schlagzeuger. Jetzt läuft alles super - wir sind eine harmonische Band.



Gibt es dein Lieblings PIEBALD-Album?

Natürlich mag ich unser neues Album am meisten, aber auch nur deswegen weil es die neueste Erfindung ist. Ich beschäftige mich eigentlich nicht viel mit den alten Sachen. Schließlich leben wir ja hier und jetzt.



Denkst du, dass du alle Ziele, die du dir gesteckt hast, erreicht hast?

So gesehen ja. Aber es wird immer wieder neue Herausforderungen geben und neue Standards die gesetzt werden müssen. Wir versuchen niemals stillzustehen und uns vorwärts zu bewegen.



Ich hab irgendwann mal gelesen, dass du einen Job als Lehrer hattest. Wie hast du es geschafft sowohl auf Tour zu sein als auch ein geregeltes Leben zu führen?

Ich habe nicht direkt als Lehrer gearbeitet sondern als Nachhilfe-Lehrer. Wir haben jetzt alle Jobs, verbringen aber soviel Zeit wie möglich mit der Band. Auf jeden Fall ist es nicht einfach, beide Sachen unter einen Hut zu bringen, aber man kann es schaffen.



Braucht die Welt eine weitere Band wie euch?

Wäre das denn überhaupt möglich? Ich denke nicht, dass es eine Band geben sollte, die uns kopiert und nacheifern sollte. Schließlich würde es dann so eine Art Wettbewerb zwischen den beiden Bands geben, und es will ja keiner, dass Blut fließt, oder?



Was würden die Leute über dich sagen, wenn du über Musik reden würdest?

Das ich ein Idiot wäre.


Sebastian Wahle

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #70 (Februar/März 2007)

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