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Interviews & Artikel

BACKYARD BABIES

Totgesagte leben länger - manchmal

Der Ruf, der dir vorauseilt, den wirst du so leicht nicht mehr los. So sagen beispielsweise nicht wenige über die BACKYARD BABIES, dass denen in den Jahren ihres Schaffens unterwegs das Feuer, die Leidenschaft abhanden gekommen seien. Und jedes neue Album wird immer wieder an "Total 13" gemessen, so auch das aktuelle, selbstbetitelte Werk. Dass das allerdings in Sachen Feuer und Leidenschaft dem Meilenstein tatsächlich ebenbürtig ist, damit hätte wohl auch der hartgesottenste Fan nicht mehr gerechnet - gehofft, ja, aber nicht damit gerechnet.

Aber ist das überhaupt fair, wenn man ständig an einem Werk aus seiner Vergangenheit gemessen wird? Sänger Nicke Borg kann das zumindest nachvollziehen, allerdings im positiven Sinne. "Ich habe das Gefühl, dass die Leute da draußen einfach merken, dass wir dieses Mal mit einer ähnlichen Einstellung an die Sache herangegangen sind wie damals. Und wir reden hier nicht über die Produktion, sondern über die Songs. Wir wollten damals wie heute uns selbst und allen anderen einfach etwas beweisen und das merkt man in Sachen Energie." Also eine Art Rückbesinnung auf Teile der Wurzeln? "Würde ich so nicht sagen. Wir haben im Laufe der Zeit verschiedenartige Alben aufgenommen und jeder Mensch hat andere Vorlieben, aber ich behaupte mal Folgendes: Wenn du dich als Fan von uns bezeichnest und dieses Album nicht magst, dann weiß ich auch nicht weiter."

Wobei man klarstellen muss, dass sich die Schweden hier nicht auch nur einen Jota anbiedern wollen. Vielmehr klingt "Backyard Babies" so, als ob die Band hier alle in der Vergangenheit gemachten musikalischen Erfahrungen mit dem Besten aus ihrer Sturm-und-Drang-Phase vereint hat. Dies sei aber nicht kalkuliert gewesen, sondern in der knapp einjährigen Entstehungsphase einfach so passiert. "Wir sind noch nie mit einem Plan an die Sache herangegangen, das geschieht immer ganz natürlich. Wir schreiben, spielen und nehmen dann auf. Darüber habe ich mich auch noch vor ein paar Stunden mit unserem Gitarristen Dregen unterhalten, manchmal kommt zwar etwas ganz Gutes dabei rum, dem dann aber vielleicht dieses allerletzte gewisse Etwas fehlt. Liegt vielleicht an der Sternenkonstellation ..." Guten Gewissens kann Nicke behaupten, dass die Band härter denn je an diesem Album gearbeitet hat. Was man auch hören kann, denn man wollte sich selber etwas beweisen. Erfreulich selbstkritisch gibt er zu, dass man im Nachhinein mit dem letzten Output "People Like People Like ..." nicht ganz so zufrieden war wie anfangs, aber die Flamme lodert wieder. "Ohne jetzt allzu klischeehaft klingen zu wollen, aber ich hab richtig Bock, die Sachen live zu spielen, du ahnst es nicht."
Warum eigentlich der Schritt zu einer eigenen Plattenfirma? "Ich erzähle dir nichts Neues, wenn ich sage, dass sich das ganze Geschäft gerade massiv verändert. Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht, das nur am Rande. Auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich nach zehn Jahren D.I.Y. nicht wirklich scharf darauf war, das wieder zu machen, aber für uns war das einfach die beste Lösung".

Denn so behält man die maximale Kontrolle über das, was mit seiner Musik passiert. Auch so geht Punk, denn schließlich will man nicht sein Leben lang dafür sorgen, dass sich andere Leute die Taschen voll machen, sondern muss auch selber sehen, wo man bleibt. Anders gesagt: Wenn die Hörer neue Wege gefunden haben, an Musik zu kommen, muss auch der Künstler neue Wege gehen, um sein Brot und seine Miete einzuspielen. "Denn dann können mich die dicken Plattenfirmen schlicht und einfach mal. Die haben den ganzen Scheiß mit ihren hanebüchenen Preiserhöhungen und was weiß ich noch alles doch angefangen! Und ich bin mir sicher, dass die Majors in ein paar Jahren von der Bildfläche verschwunden sein werden." Mit dieser These steht er nicht alleine da.

Zurück zum Album: Auch wenn die ganze Platte ein einziger Knaller ist, kann man einzelne Songs hervorheben. Es scheint eine Verbindung zwischen, "Nomadic", "Abandon", "Where were you" und "Saved by the bell" zu geben. .

"Richtig beobachtet. Ich habe mich achteinhalb Jahre mit einer Beziehung rumgeschlagen, die definitiv nicht gut für mich war. Ich musste mich quasi betäuben, damit ich mit dieser Person überhaupt umgehen konnte. Als wir mit der neuen Platte angefangen haben, ging es mir wirklich mies und ich hab mich anfangs immer noch ziemlich zugeknallt. Und was soll ich sagen, ein paar Monate später habe ich dann die Liebe meines Lebens getroffen.".

Und es scheint wirklich ernst zu sein, da im Hause Borg Heiratspläne geschmiedet werden. So entstand dann im Studio "Saved by the bell" als Therapie, ein unpeinliches Liebeslied, ein Mann und seine Gitarre. Der Titel hat übrigens nichts mit dem Boxen zu tun, sondern kommt aus der Zeit, als die Pest in Europa wütete, wie Borg im Stile des coolen Geschichtslehrers, dem man Zeit seines Lebens nicht begegnet ist, aufklärt.

"Viele Menschen sind anno Tobak nicht sofort daran gestorben, sondern fielen zunächst in ein Koma. Denen hat man dann eine kleine Glocke an ihren Körper gebunden, bevor man sie in den Sarg gelegt hat. Wenn die dann wider Erwarten wach wurden und sich bewegten, klingelte es aus der Kiste und dann hat dir die Glocke im letzten Moment den Arsch gerettet."

Glücklicherweise projiziert man seine Wut auch auf andere Dinge. Siehe "Idiots", eine Abrechnung mit dem weltweit grassierenden Wahn in Sachen "Igendwer sucht den nächsten irgendwas". Wobei man explizit nicht die Teilnehmer selbst angeht. "Die wissen es ja nicht besser. Aber der ganze Apparat dahinter ist echt das Letzte. Da werden junge Menschen regelrecht verheizt, jedes Jahr kommt ein neuer ‚Superstar‘ heraus und der davor wandert dann einfach in die Mülltonne." Ein auch hierzulande nicht unbekanntes Phänomen, frag' beispielsweise nach bei Tobias Regner. "Das muss man sich mal vorstellen, hier in Schweden haben wir deswegen zwanzigjährige Vollalkoholiker oder schlimmer, die das nicht verkraften, dass sie erst so hochgejubelt werden und dann ganz knallhart fallen gelassen. Ich verabscheue das zutiefst.".

Die Menschheit sei wohl an dem Punkt angekommen, an dem jeder für nur eine Minute Prominenz beinahe alles tun würde. Und einmal in Fahrt gekommen, holt er zum Rundumschlag gegen das Massenmedium aus: "Ich finde Fernsehen mittlerweile nur noch furchtbar, MTV ist der schlimmste Sender überhaupt. Music Television? Hallo? Wo denn? Da gibt es doch mittlerweile fast gar keine Musik mehr, da könnte ich echt kotzen."

Apropos Prominenz: GUNS N' ROSES-Keyboarder Dizzy Reed gibt sich unter anderem auf "Voodoo love bow" am Piano die Ehre. Kennen gelernt habe man sich schon vor Jahren und seitdem die Idee im Hinterkopf gehabt, mal was zusammen aufzunehmen. Dass das nicht auf dem seit Jahren angekündigten GN'R-Werk passiert, sollte klar sein. Und da zeigt sich der Vorteil des bekannten Musikers "Ich habe schon drei Songs von ‚Chinese Democracy‘ gehört. Die klingen richtig gut, Axl singt besser denn je." Er selbst wartet sehnsüchtig auf die Endfassung, denn: "Die Welt braucht diese Band!" Klingt, als ob da einer am Tag des Herrn in den Laden stürmen würde. Wenn die Produktion endlich mal beendet ist..

Die Produktion von "Backyard Babies" übernahm Jacob Hellner, dem man als Haus-und-Hof-Produzenten von RAMMSTEIN im ersten Moment nicht zugetraut hätte, ein dermaßen luftiges und nicht mit Overdubs zugekleistertes Album hervorzubringen. "Stimmt, er ist aber ein Perfektionist. Der gibt einfach nicht auf, bis etwas in seinen Augen fertig ist, was uns dann im Endeffekt anderthalb Monate Überziehung im Studio gekostet hat." Der Aufwand habe sich allerdings gelohnt. Die Band hat gespielt und gespielt, bis der perfekte Take im Kasten war, das sei genau das gewesen, was man gebraucht habe. Was genau? "Jemand, der uns sagt, worin wir gut sind und worin nicht. Das war eine neue Erfahrung für uns, anfangs war ich mir persönlich nicht sicher, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben."

Auch wenn er noch nicht den nötigen Abstand hatte, um das Album in Ruhe zu hören und für sich zu analysieren, ist er sich hundertprozentig sicher, dass die Band die richtige Wahl getroffen hat. Man kann ihm nur zustimmen. Was aber auch an der großartig aufeinander eingespielten Band liegt. Man wird ja auch mit den Jahren besser an seinem Instrument. "Ich wäre mir da, was mich angeht, nicht so sicher", stellt er sein Licht unter den Scheffel. Seiner Meinung nach sei es ein wesentlicher Faktor, dass man heutzutage den Mut und die Ehrlichkeit habe, es sich selbst einzugestehen, wenn etwas nicht vollständig überzeugt. "Wenn wir in der Vorbereitung irgendwann gemerkt hätten, dass nicht jeder von uns total hinter den neuen Songs stehen würde, hätten wir alles in die Tonne gekloppt und wieder von vorne angefangen.".

Was sich auch beim Cover manifestiert. "In fast jedem italienischen Restaurant auf der ganzen Welt hängt dieses Bild von den Jungs, die damals in New York die Wolkenkratzer hochgezogen haben. Das Interessante an diesem Foto ist ja, dass es diesen Jungs scheißegal ist, dass sie in fünfhundert Metern Höhe sitzen und Mittag machen. Ohne Netz und doppelten Boden. Und da lassen sich Parallelen zu uns ziehen, wenn wir versagen, dann fallen wir halt auf die Schnauze." Das sei das Gefährliche an diesem Geschäft.

Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und so geht es wieder auf Weltreise, natürlich auch nach Deutschland. Vorher geht es im großen Spiel durch Schweden, wo man mit Sicherheit wieder die vorderen Plätze der Charts belegen wird. Dafür wird es hierzulande nicht ganz reichen. "Ganz ehrlich - und ohne schleimen zu wollen - würde ich auf dieser Tour am liebsten dreimal bei euch spielen". Zurecht streut er ein, dass man sicher nicht die schlechteste Live-Band sei und genau das werde man in hiesigen Clubs unter Beweis stellen. So gehet hin und erlebet das Wunder aus Nässjö, von den wiederauferstandenen Totgesagten!

Tom Küppers

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #80 (Oktober/November 2008)

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