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Interviews & Artikel

SS-KALIERT

Von Vernunft und Gerechtigkeit

SS-KALIERT aus dem Ruhrgebiet etablierten sich in den letzten Jahren zu einer der wenigen deutschen Punkbands, die auch in Japan oder den USA einen Namen haben, woran auch ihr Deal mit dem US-Label Punk Core seinen Anteil hatte. Und das mit dem Namen entwickelte sich 2009 zum Problem, wollte ihnen doch übereifrige Polizisten, Staatsanwälte und Richter anhängen, sie würden sich mit dem Doppel-S in ihrem Namen auf die schwachsinnige Schutz-Staffel Hitlers beziehen. Einen Prozess später sieht das anders aus, das Verfahren wurde eingestellt, und weil Gutes auch mal im Doppelpack kommt, unterschrieben sie auch zeitgleich bei People Like You. Benni erklärte mir, wie das letztlich alles lief.

Benni, wie lautet die Entscheidung des Gerichts?

Wir wurden in der ersten Instanz zu Geldstrafen von insgesamt 3.300 Euro wegen „Anmaßung von verfassungsfeindlicher Symbolik“ oder so verurteilt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Wir sind dann in Revision gegangen und am Ende ist das Ganze auf Staatskosten fallen gelassen worden.

Was hat das für finanzielle Konsequenzen? Ihr hattet ja alle Anwälte, die haben bei so einem komplexen Thema sicher einige Stunden Arbeit hineingesteckt. So etwas kann ja richtig teuer werden.

Für uns gar keine. Unsere Anwälte meinten, dass die das mit der Staatskasse regeln. Die waren ja selbst alle auf unserer Seite und auch privat sehr an dem Fall interessiert.

Ist die Sache damit endgültig ausgestanden oder besteht die Gefahr, dass ihr in absehbarer Zeit wegen der gleichen Sache noch einmal angeklagt werden könnt?

Ja, also theoretisch gesehen, könnte man uns noch mal deswegen verklagen, aber unsere Anwälte gehen nicht davon aus, und selbst wenn, sind sie bestens vorbereitet, hehe.

Apropos Anwälte: Ihr hattet gleich drei, und richtig gute Leute. Wie kamt ihr an die ran, wie „sportlich“ haben die die Sache gesehen? Vor Gericht haben sie ja einen sehr engagierten Eindruck gemacht.

Im Grunde genommen hatten wir vier Anwälte. Also mein Anwalt ist der, der auch immer die KASSIERER und FBI rausboxt, den hab ich durch Wölfi empfohlen bekommen. Dieser kannte von früher noch Fabians Anwalt, als der ihn in seiner Jugend schon mal vertreten hat. Nils hat, insofern ich richtig informiert bin, einfach seinen Familienanwalt hinzugezogen und A.G.s Anwalt hat noch Fabians Anwalt irgendwie hinzugezogen. Wie schon gesagt, alle Anwälte haben sich auch privat sehr mit dem Thema befasst und sie waren vom ersten Urteil auch sehr erschüttert.

Hattet ihr eigentlich zu einem Zeitpunkt mal richtig Schiss, so von wegen: Auweia, das geht schief, das wird alles richtig teuer und kann uns das Genick brechen?

Klar, ein bisschen im Hinterkopf hatten wir immer, dass wir da auch gut draufzahlen könnten. Wir hatten allerdings von sämtlichen befreundeten Bands angeboten bekommen, Soli-Shows für uns zu spielen, wenn’s drauf ankommt. Das hat uns sehr viel bedeutet und wir mussten zum Glück nicht darauf zurückgreifen. Besten Dank geht an dieser Stelle noch mal an PESTPOCKEN, Liesel von VERSAUTE STIEFKINDER, FAHNENFLUCHT, DISTURBANCE und RAWSIDE,

Würdest du nach dem ganzen Ärger sagen: Okay, wir haben uns mit der Auswahl von Namen und Logo auf dünnem Eis bewegt und mussten da jetzt durch. Oder denkst du eher: Provokation hin oder her, wir haben uns nichts zuschulden kommen lassen und Vernunft und Gerechtigkeit haben gesiegt?

Dass wir damit anecken werden, wussten wir schon, das war auch mit einer der Gründe, warum wir den Namen gewählt haben. Aber rechtlichen Stress hätten wir nie im Leben erwartet, weil wir uns wirklich nichts zuschulden haben kommen lassen. Zumindest nicht, den Namen beziehungsweise das Logo betreffend. Da gibt es bei uns eher einige Textzeilen, bei denen wir gedacht haben, dass man damit Stress bekommen könnte, aber aufgrund des Logos? Never ...

Was hast du, was habt ihr aus der ganzen Sache gelernt? Hat die Erfahrung deine Einschätzung des Justizsystems verändert? Ich meine, letzten Endes hat ja die „Gerechtigkeit“ gesiegt, was man ja durchaus auch als positiven Aspekt eines funktionierenden Justizsystems werten könnte – wenn man nicht total die „Fuck the system!“-Schiene fährt.

Was hätte ich denn daraus lernen sollen? Nichts, außer dass ich unser Justizsystem noch mehr verachte und mich mittlerweile wirklich frage, wieso ich überhaupt noch auf Steuerkarte arbeiten gehe und Sachen legal kaufe, wenn die Steuern, die ich bezahle, für solchen Mist verwendet werden. In meinen Augen hat nicht die Gerechtigkeit, gesiegt, sondern die Vernunft. Ich feiere seitdem jedenfalls noch mehr jeden Steuerhinterzieher, der damit davonkommt.

Euer Rat an Bands oder Labels, die wegen einer ähnlichen Thematik Probleme mit der Justiz bekommen?

Mir persönlich hat der ganze Support, den wir von der Underground-Szene bekommen haben, gezeigt, dass wir nicht allein stehen, dass auch bei einem finanziellen Engpass Leute hinter einem stehen, die einem helfen, so dass wir nicht die nächsten Monate oder Jahre für den Staat spielen müssen. Das ist ein verdammt cooles Gefühl und hat mich immer zum Weitermachen animiert. Genau das empfehle ich auch allen anderen: Einfach euer Ding durchziehen, ihr seid nicht allein!

Jetzt, da der Scheiß überstanden ist, wie geht es weiter? Neue Platte? Was macht euer Label Razorblade-Music?

Wir spielen jetzt erst mal hier und da ein paar Shows. Aber hauptsächlich arbeiten wir intensiv an unserem neuen Album – über die Hälfte ist schon fertig.Wir haben kürzlich bei People Like You Records unterschrieben, wo wir unser drittes Album hoffentlich schon im Herbst rausbringen werden. Danach folgt natürlich das für uns typische Programm, Tour, Tour Tour und Tour ... Razorblade-Music läuft auch richtig gut im Moment, Anfang des Jahres haben wir mit „Operation Isolation“, der neuen HELLRATZ-Scheibe, ein echtes Killer-Release rausgebracht, von einer sehr engagierten jungen Band. Die zweite Veröffentlichung für dieses Jahr steht auch schon in den Startlöchern: Es ist das Debütalbum von DISTRICT DIVIDED aus L.A.

Und was ist dran an dem Gerücht, dass euer zweites Album „Addiction“ auf eurem eigenen Label Razorblade Gold erreicht hat?

Ja, die Geschichte ist wahr, wir haben genau 100.372 Exemplare verkauft und somit den Goldstatus geknackt. Tobbe von People Like You ist dadurch ja auf uns aufmerksam geworden. Wir wollten das aber nicht so an die große Glocke hängen, weil das als Punkband ja nicht so cool sein soll, haben wir gehört ...

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #90 (Juni/Juli 2010)

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