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Interviews & Artikel

NOT AMUSED

No John Peel in 2010

Etwas, das ich in der Szene dieser Tage vermisse, ist ein musikalischer Forschungsdrang, selber neue Bands jenseits des gängigen Punkrock-Mainstreams von Merchandise-Gürtelschnallen, großen Booking-Agenturen und etablierten Labels zu entdecken. THE NOT AMUSED aus Berlin sind genau so eine Band. Vor etwas mehr als zwei Jahren bin ich bei einer jener unendlichen Forschungsreisen durch das endlose Netz eher zufällig auf sie gestoßen und war sofort abhängig. Wären sie gut 30 Jahre früher entstanden, würden sich heute Sammler-Nerds alle zehn Finger nach ihren Scheiben lecken, so wie bei THE TOURS, den TRAINSPOTTERS, der INCREDIBLE KIDDA BAND und all den anderen unzähligen Punk/Powerpop-Bands, die der Nachwelt zumindest eine fantastische Single hinterlassen haben. John Peel würde ihre Songs im Radio spielen und man würde gerne die mickrigen fünf Euro auf die Theke legen, um diese Band mal live zu sehen. Leider ist John Peel nicht mehr unter uns, die Nerds sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, und fünf Euro bezahlt man höchstens einmal im Jahr für ein Bier bei einem richtigen Punkrock-Event. Grund genug, mittels eines E-Mail-Interviews gegen diesen Missstand vorzugehen.

Bei welchen musikalischen Vorbildern klauen NOT AMUSED ohne Rücksicht auf Verluste und warum ist es besser, gut zu klauen als schlecht „innovative“ Musik zu spielen, man könnte ja auch Elemente aus Emo, Streetpunk und Tango einfließen lassen?

Kidnap: Ein wenig abgeguckt wird sicherlich von all den obskuren Punk/Powerpop-Bands der späten Siebziger. Alle diese tollen Combos, die damals nicht über eine 7“ hinauskamen. Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, wo es doch soviel gute Musik gibt, die es wert ist, sie zu spielen, und die Spaß macht, drauf geschissen, ob’s das alles schon gab oder nicht. Innovativ sollen andere sein.

Baroness: Ich bin zu unmusikalisch zum Klauen, kann genau einen Rhythmus, aber wenn ich fähig wäre, würde ich gnadenlos überall klauen.

Urs: Wie sagen die Inselaffen so schön? Talent borrows – genius steals!

Welches war das schlechteste Review, das ihr bisher bekommen habt, und warum versteht derjenige überhaupt nichts von Musik?

Baroness: Ehrlich gesagt, verstehe ich selbst nicht viel von Musik.

Kidnap: Das war ein Review von Onkelchen im Moloko Plus. Keine Ahnung mehr, was der genau geschrieben hat, aber auf jeden Fall war es vernichtend und extrem großartig.

Urs: Mein persönliches Highlight war aus so einem Stadtmagazin aus dem Pott, die haben behauptet wir würden „tanzbaren Britpop“ machen ...

Ist auch einer von euch Ur-Berliner oder seid ihr alle zugewandert?

Urs: Ich bin Einwanderer, aber ich bring eigentlich nur die Gene wieder her, mein Opa ist nämlich gebürtiger Kreuzberger und mein Vater aus Spandau.

Baroness: Ich kenne genau drei Ur-Berliner und zwei sind auch schon weggezogen.

Was macht den Reiz an Berlin für euch und so viele andere Leute aus der Szene aus? Irgendwer scheint ja immer gerade dahin umzuziehen.

Urs: Hier isses jut und billig!

Baroness: Berlin ist laut, kalt, unfreundlich und hässlich, das ist total großartig!

Kidnap: Als ich vor fünf Jahren hierher gezogen bin, war das, als würde mir eine tonnenschwere Last von den Schultern fallen. Das Leben hier ist einfach viel entspannter, als es in meinem Fall damals in NRW war. Nicht, dass es mir sonderlich schlecht dort ging, aber die ersten Jahre in Berlin waren trotz Arbeit irgendwie wie Urlaub. Von den meisten Leuten, die ich hier kenne, will auch niemand mehr weg.

Was macht für euch als Band den Vorteil einer Stadt wie Berlin aus?

Urs: Es gibt hier Leute, die Mucke aus der Nische der Nische mögen ... sogar wir haben einen Fan!

Kidnap: Der Vorteil ist, dass man schneller Gleichgesinnte findet, mit denen man Musik machen kann. Ansonsten besteht in Berlin natürlich schnell die Gefahr, dass man sich als Band totspielt und niemanden mehr von der Glotze weglockt.

Baroness: Man findet immer noch einen Bassisten, wenn uns mal wieder einer davongelaufen ist.

Was denkt ihr, ist der vielzitierte D.I.Y.-Gedanke in der Punk-Szene heutzutage wirklich noch wert?

Kidnap: Er ist eine Menge wert! Heute schielen viele Bands nur noch nach professionellen Bookern und Labels, vergessen dabei aber oft den Spaß an der Sache. Mir ist das ganze Punkrock-Ding unterdessen viel zu glatt geworden. Es fehlen Ecken und Kanten und die Leute fangen an, beim kleinsten Anzeichen des Erfolges all ihre Ideale über Bord zu werfen. Man sollte doch eigentlich daraus gelernt haben, dass Majors und große Booking-Agenturen Bands vorwiegend zerstören, wohingegen der D.I.Y.-Gedanke die Sache am Leben hält.

Was für Erfahrungen habt ihr beim Vertrieb eurer Platten gemacht?

Kidnap: Die Erfahrungen reichen von ganz gut bis miserabel. Bei der ersten haben wir damals 50 Platten, also nicht gebrannte CDs oder so, als Promo rausgeschickt. Davon sehr viele an Mailorder auf der ganzen Welt. Das Porto hat uns damals aufgefressen und die Reaktionen waren auch auf Nachfrage sehr dürftig. Da hätte ich mir beim einen oder anderen eben ein bisschen mehr Herzblut erhofft.

Welche Scheiben sind noch erhältlich oder kommen bald und können ab sofort von Mailordern weltweit bei euch bestellt werden?

Kidnap: Es gibt die beiden Mini-LPs „Flaunting Their Talents“ und „By Appointment To Her Royal Highness“. Die Platten kann man direkt über unsere Seite oder bei Sprinter Records in der Schweiz bestellen. Vergangenes Wochenende haben wir drei Songs für eine neue 7“ bei uns im Keller eingespielt, die im Sommer als Co-Produktion zwischen Queen Mum Records und Sprinter Records in 300er Auflage erscheinen wird.

Ist es auf Dauer nicht nervig, wenn einem trotz aller Mühen ein gewisser Bekanntheitsgrad und „kommerzieller Erfolg“, also etwa nicht ständig Geld draufzahlen müssen, verwehrt bleibt?

Kidnap: Es nervt seltsamerweise erst dann, wenn man mit „Profis“ zu tun hat. Denn die sind es dann, die einem nach der Show mit vollem Haus ohne mit der Wimper zu zucken sagen, dass nun mal nicht mehr als ein Fünfziger drin ist und man auf Kosten für Sprit und Wagen sitzen bleibt. Unterdessen inserieren wir bei der Mitfahrzentrale, um die Kohle wieder reinzukriegen.

Baroness: Bis jetzt hat sich das noch in Grenzen gehalten, aus dem Alter, in dem man glaubt, dass man mit der Musik Geld verdient, sind wir hoffentlich alle raus. Ich finde es schön, wenn die Leute Spaß an den Konzerten haben und mitlachen können, wenn’s schief läuft, der Rest ist mir egal.

Urs: Geld haben wär’ schon gut, aber ohne geht’s auch.

Kidnap: Uns ist wichtig, auf Null zu kommen. Kommerziellen Erfolg hat nie einer von uns für möglich gehalten und das war auch sicher nicht der Grund eine Band zu starten. „Punk, not Profit“ oder wie war das noch gleich?

Mit den CARPETTES, LONG TALL SHORTY und den PRIVATE DICKS habt ihr ja schon gespielt beziehungsweise getourt, was für Erfahrungen macht man so mit gealterten englischen Punkrockern und mit welchen Erwartungen gehen solche Bands wieder auf die Bühne?

Baroness: Die PRIVATE DICKS verlieren grundsätzlich ihren Schlagzeuger, stagnieren dann in Verzweiflung und sehen sich schon bei dessen Beerdigung, während der Totgeglaubte dann mit dem Taxi zum nächsten Auftrittsort fährt. Die CARPETTES waren eine lustige Mischung aus christlichen Teetrinkern mit Metal-Gitarren und braven Lehrern, die haben schon etwas mehr aufs Geld geachtet.

Kidnap: Wir haben guten Kontakt zu vielen großartigen Leuten, die sich ordentlich den Arsch aufreißen, damit so was klappt, und bis jetzt waren die Bands, mit denen wir gespielt haben, sehr zufrieden. Solange das nicht gescheiterte Rockstars sind, die an den Durchbruch mit 55 glauben, macht es ihnen einen riesigen Spaß. Die PRIVATE DICKS hatten eine 7“ und einen Samplerbeitrag veröffentlicht ... Die konnten kaum glauben, dass sich überhaupt wer an sie erinnert.

Urs: Kommt immer darauf an, manche zählen nach jeder Show erst mal das Geld, andere machen’s, um wieder auf Tour zu sein und dann Spaß zu haben.

Welche Legenden stehen als Nächstes auf der NOT AMUSED-Liste und wen würdet ihr nach einem Lottogewinn als Vorband für die NOT AMUSED-„Muffin’ Out Queen Mom“-World-Tour einkaufen?

Urs: Amy Winehouse ... mit der kann man bestimmt super saufen!

Kidnap: Wir haben vor ein paar Jahren die ORDINARYS in London gesehen, eine Band aus den Siebzigern, von der es nicht mal eine Platte gab, und die waren sagenhaft! Leider hat der Sänger, so viel ich weiß, Krebs und es sieht nicht so aus, als würde das was geben. Seit Jahren schreibe ich mir immer mal wieder mit Kidder von der INCREDIBLE KIDDA BAND, aber irgendwie lassen die sich ums Verrecken nicht davon überzeugen, dass sie wieder spielen müssen. Hätte ich zu viel Geld, würde ich die VAPORS als Vorband spielen lassen, die haben nämlich einen ordentlichen Lattenschuss, was die Gage angeht. Vertraglich würde ich nur festlegen, dass die alle schön Vokuhila tragen müssten.

Baroness: Ich glaube, du hast eben den Namen für unsere nächste Tour gefunden.

Was denkt ihr, werden japanische Sammler in 20 Jahren für die erste NOT AMUSED-Scheibe hinblättern? Wäre eine NOT AMUSED-Platte somit eine bessere Investition als beispielsweise ein Bausparvertrag?

Baroness: Also, ich könnte jetzt nur erklären, warum ein Bausparvertrag für die meisten eine relativ schlechte Anlage ist, aber das wäre etwas langweilig, mit Preisen veralteter Medien kenn’ ich mich überhaupt nicht aus.

Urs: Ja, es gibt demnächst eine Riester-geförderte Single von uns.

Kidnap: Kann mir nicht vorstellen, dass es heute noch eine Band schafft, zukünftige Raritäten zu fabrizieren, aber das hätten Bands 1979 sicher auch nicht gedacht, hmmm ...

Zum Schluss noch die Frage: Warum lieber einmal NOT AMUSED als zum elften Mal die U.S. BOMBS, BONES oder gar SOCIAL DISTORTION?

Kidnap: Na, weil die allesamt Pomade inne Haare tragen, und wer will schon Rocker sehen!?

Baroness: BONES und SOCIAL DISTORTION hab ich noch nie live gesehen, aber wenn man auf Country steht, ist ein NOT AMUSED-Konzert sicher eher enttäuschend.

Dirk Klotzbach

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #91 (August/September 2010)

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