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Interviews & Artikel

CAPTAIN’S DIARY

Punkrock am Lagerfeuer

Dass Punkrock nicht zwangsläufig immer laut, hart und schnell daherkommen muss, ist eine Binsenweisheit. Musiker wie Chuck Ragan (HOT WATER MUSIC), Greg Graffin (BAD RELIGION) oder Mike Ness (SOCIAL DISTORTION) beweisen mit ihren Soloprojekten immer wieder, dass allein der Spirit zählt und manch vermeintlich geruhsames Singer/Songwriter-Stück mehr Punk sein kann als ein uninspiriertes Zwei-Minuten-Hardcore-Brett. Auch der Oberhausener Sebastian Müller alias CAPTAIN’S DIARY setzt seit geraumer Zeit auf das Konzept „Akustikgitarre plus Stimme – sonst nix“. Im April erschien sein großartiges drittes Album „Niemals jedem recht“, das den Captain für mich schon jetzt zu einer der Entdeckungen des Jahres macht. Grund genug, mit Sebastian mal ein wenig über deutsche Texte, musikalische Vorbilder und Lagerfeuerromantik zu plaudern.

Nach zwei englischsprachigen Alben singst du auf „Niemals jedem recht“ erstmals fast durchgängig auf Deutsch. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Ja, die ersten beiden Alben, die ich 2004 und 2007 D.I.Y. im kompletten Eigenvertrieb veröffentlicht habe, waren in englischer Sprache. Als ich um die Jahrtausendwende mit dem Songwriting angefangen habe, dachte ich, dass meine Stimme besser zu englischen Worten passt. Zu deutschsprachigem Punkrock hatte ich zu der Zeit noch keinen engeren Bezug. Erst nach und nach habe ich Bands wie MUFF POTTER, TAGTRAUM, JUPITER JONES, ESCAPADO und PASCOW für mich entdeckt. Vor drei, vier Jahren habe ich mich dann erstmalig getraut, auf Deutsch zu schreiben. Dabei merkte ich dann, dass meine Sorge, möglicherweise platt oder pathetisch zu klingen, unbegründet war und dass es sich sehr gut anfühlte. Klar ist natürlich, dass ich mich mit den neuen Texten nackig mache, aber das macht man sich als Typ mit Gitarre allein auf der Bühne sowieso, und ich fühle mich wohl damit, ehrliche Musik zu machen. Es gibt deutlich vielfältigere Möglichkeiten, seinem Ärger und seiner Freude Luft zu machen, wenn man die Muttersprache benutzt. Deshalb bin ich sehr froh, mich für diesen Schritt entschieden zu haben.

Du hast deine ersten beiden Alben erwähnt, die du selbst produziert hast. Beim dritten stand dir mit Sven Peks, der ja auch Gitarre bei SENORE MATZE ROSSI spielt, zum ersten Mal ein „richtiger“ Produzent zur Seite. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Sven kenne ich seit 2007, als ich zum ersten Mal mit den wunderbaren SENORE MATZE ROSSI die Bühne geteilt habe. Als wir darüber gesprochen haben, dass ich an der Planung für das Einspielen der neuen Platte sitze, haben wir uns auf eine Kooperation geeinigt. Die Aufnahmen mit Sven waren vom ständigen Austausch auf Augenhöhe geprägt und er hatte oft sehr gute Einfälle hinsichtlich verschiedener Instrumente – wie zum Bespiel den Einsatz von Percussion oder einem Glockenspiel –, die die Songs noch nach vorn gebracht haben. Mit der Entscheidung, gemeinsam mit Sven aufzunehmen, bin ich sehr glücklich und ich würde mich immer wieder für ihn entscheiden.

Obwohl das Album ja über weite Strecken im akustischen Singer/Songwriter-Stil daherkommt, kann es deine offensichtlichen Punkrock-Wurzeln nicht verleugnen. Hast du eine „Szene-Vergangenheit“?

Ja. Mitte/Ende der Neunziger habe ich einige Versuche gewagt, eine Band an den Start zu bringen. Selbstverständlich spielten wir Punkrock mit gesellschaftskritischen Texten.

Woher kam dann deine Entscheidung, solo weiterzumachen?

Leider fielen immer wieder die Proben aus, Konzerte zogen wir auch nicht an Land und irgendwann war dann auch die Motivation am Ende. 2001 habe ich mich dafür entschieden, mich einfach hinzusetzen und Lieder zu schreiben. Nachdem über drei Jahre einige Songs entstanden waren, spielte ich 2004 dann mein erstes „richtiges“ Konzert. Da das Publikum sehr begeistert von meinem Set war, hatte ich Blut geleckt und wollte unbedingt mehr davon. So habe ich mich entschieden, das Ganze solo weiter zu betreiben und bis heute habe ich es nicht bereut.

Als ich dein Album gehört habe, musste ich spontan an Musiker wie Frank Turner oder Chuck Ragan denken, die auch beide durch Punk- und Hardcore-Bands bekannt geworden sind und jetzt als Singer/Songwriter große Erfolge feiern. Siehst du da eine Geistesverwandtschaft zu diesen Musikern? In deinem Song „Wenn das hier dein Weg ist“ zitierst du ja auch Turners EP „Campfire Punkrock“ ...

Ja, den Begriff „Campfire Punkrock“ habe ich bewusst ausgewählt. Genauso sehe ich die Musik, die ich mache. Denn auch die Songs von PROPAGANDHI, SATANIC SURFERS, LAGWAGON, NOFX und anderen genialen Bands entstehen häufig zuerst akustisch, und der einzige Unterschied ist meiner Meinung nach, dass ich darauf verzichte, sie mit 200 bpm zu versehen. Und die Menschen, von denen ich mir dabei etwas abgucken möchte, kann ich an einer Hand abzählen. In musikalischer Hinsicht gehört Frank Turner definitiv dazu. Das Gleiche gilt für Chuck Ragan: Er ist maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass ich angefangen habe, selbst Musik zu machen.

Arne Ivers

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #97 (August/September 2011)

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