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Interviews & Artikel

ALIANS

Dieses Interview liegt nun schon einige Monate zurück, da am Jahresanfang in Köln in der Mütze bei einem der dünn gesäten Konzerte in Deutschland der ALIANS aufgezeichnet. An diesem Freitagabend überließ der Regen dem Schnee ausnahmsweise mal das Zepter, so dass ich nach einer Stunde Autofahrt von Wuppertal nach Köln endlich meinen Wagen in der Berliner Straße abstellen konnte. In der Mütze eingetroffen traf ich auf den Veranstalter Holger, der mit seinen KollegInnen die Planung des Abends bei vegetarischer Küche durchging, mir freundlicherweise feste und flüssige Kost anbot und mich mit Kazi, dem Bandleader, Gitarristen und Sänger der polnischen Skapunkformation ALIANS bekannt machte. Nachdem nun die Band ihr Mahl eingenommen hatte, nahmen Kazi und ich auf zwei Kinderstühlen in der Ecke des Übernachtungsraumes Platz und so begann nun folgender Dialog...

Sag´ mal, wie heißt du noch mit Nachnamen?

Ich? Brunner, wieso? (Kazi spricht in Polnisch zu seinen Bandkollegen, die allesamt zu lachen beginnen, was mich erst einmal etwas verstört.)

Wieso? Nach dem Gespräch kläre ich dich auf, o.k?

Na dann. Was steckt hinter der Bandbezeichnung ALIANS und hinter dem Titel eures aktuellen Albums „Rôwne Prawa“?

ALIANS ist der Begriff für Einheit, Verbindung und Zusammenschluß. Wir als Gruppe bilden eine Einheit. Zum einen, da wir miteinander kommunizieren und zum anderen, da die Band ALIANS mittlerweile aus acht Personen verschiedenster Charaktere und Erfahrungen besteht. Der Titel unserer Platte „Rôwne Prawa“ bedeutet nichts anderes als die polnische Übersetzung des Peter Tosh-Songs „Equal Rights“.

Da ihr euch bei den Texten eurer Muttersprache bedient, möchte ich gerne wissen, mit welchen Themen ihr euch darin auseinandersetzt.

Wir sind politisch engagiert, versuchen dies aber nicht auf jene Art zu propagieren, unsere Ideen in Köpfe anderer zu hämmern. Wir wollen den Leuten einige unserer Ansichten näher bringen, denen sie zustimmen, aber die sie auch ablehnen können. Ich schreibe die Texte. Aufgrund meines Alters und meiner Lebenserfahrung versuche ich die Inhalte etwas ironisch, aber dennoch positiv zu gestalten. Ich will den Leuten weder sagen, was sie zu tun noch was sie zu lassen haben sollen. Ich will sie nicht vor den Kopf stoßen oder deprimieren. Ich habe mehr Spaß am Weitergeben positiver Aspekte, denn das Leben ist doch so schon beschissen genug. Oder glaubst du wirklich noch daran, du könntest die Welt grundlegend verändern? Ich versuche auf eine positive Art mit anderen Leuten zu kommunizieren. Eine Möglichkeit, die wirklich jedem/r offen steht und sozusagen der erste Schritt, mit Leuten Spaß zu haben! So gesehen ist Kommunizieren oftmals viel politischer als so manche typisch politische Aktion.

Wie siehst du denn in diesem Zusammenhang die Oi!-Bewegung?
Ich bin jetzt dreißig Jahre alt und habe während der letzten zehn Jahren viele Leute aus dem Oi!-Umfeld kennengelernt. Viele davon sind Fans von uns und einige zählen wir zu unseren Freunden. Wir wissen aber auch, dass es darunter einige Typen gibt, die alles andere als in Ordnung sind. Es gibt sehr viel Kriminalität in dieser Szene, die in Polen mittlerweile sehr an Popularität gewinnen konnte. Einige Leute davon sind wirklich cool und andere eben total scheiße. Ähnlich verhält es sich mit der Musik. Nehmen wir die exzellenten DROPKICK MURPHYS, die ich in einem Konzerthaus eines jüdischen Zentrums kennenlernen durfte. Selbst an dieser Location befanden sich, mir einfach unverständlich, immer noch zahlreich vorzufinden, Shitheads im Publikum.

Kommen wir jetzt mal auf euer Label Antena Krezyku zu sprechen.

Antena Krezyku ist neben dem Label QQRYQ das dienstälteste DIY-oder Independentlabel, das aufgrund dieser Philosophie begonnen hat. Beide Labels waren Ende der achtziger Jahre sehr wichtig, da Polen bis zum Zusammenbruch des Kommunismus ein sehr abgegrenztes Dasein im musikalischen Sinne und im Verhältnis zu westeuropäischen Ländern fristete. Zudem war dies die Zeit, sich neu zu orientieren. Auch wenn das Interesse beider Labels an den ALIANS damals nicht sehr groß war, muß man ihnen dennoch hoch anrechnen, dass ohne Antena Krezyku und QQRYQ Polen längst nicht diverse musikalischen Einflüsse und Ideen bekommen hätte. Einige Jahre wurde es ziemlich still um Antena Krezyku, aber als das Label wieder zu arbeiten begann, interessierten sie sich auch für das Material der ALIANS. Nicht typisch für Antena, denn eigentlich veröffentlichen sie intellektuellere Musik, wie Jazzcore, so dass wir auf Antena Krezyku derzeit die einzige Punkband sind. Wie so oft eben auch eine Sache der Kommunikation und dementsprechend sind alle Beteiligten zufrieden damit. Fakt ist, ohne diese beiden Labels QQRYQ und Antena Krezyku wäre die Szene in Polen heute nicht das, was und wie sie heute ist.

Und welche anderen Labels haben sich mittlerweile dazu gesellt?

Eines der wichtigsten Labels ist mittlerweile das Rock´n´Roller. Parallel dazu veröffentlichen die Leute auch ein Fanzine namens Garaz, das ohne Zweifel das beste polnische Fanzine ist: Exzellenter Schreibstil, musikalische Vielfalt und ein professionelles Layout! Der Herausgeber ist übrigens ein Freund von uns, der uns beim Vertreiben unserer Platten behilflich ist.

Beschränkt sich diese Vertriebstätigkeit jetzt lediglich auf Polen?

Leider ja. Kein einziges polnisches Label besitzt gute ausländische Vertriebsstrukturen oder Kontakte zu internationalen Rundfunkstationen. Vielleicht ist das internationale Interesse an polnischer Musik einfach generell nicht vorhanden? Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Künstler in ihrer Landessprache singen und die Sprache ungewöhnlich und alles andere als leicht verständlich ist? Ich weiß es nicht.

Trotzdem habt ihr von eurem 1996 erschienenen Album „Cala Anarchia Miesci Sie W Uliczniku“ satte 15.000 Kopien verkauft. Wie viele Leute kommen denn in der Regel auf eure Konzerte?

Das ist sehr unterschiedlich! Gestern hatten wir noch einen Auftritt auf einem Festival in Polen vor circa 1.500 Besuchern. In der Regel füllen wir Clubs mit einer Kapazität von 400 oder 500 Zuschauern. Das Problem ist, dass es nicht so viele dieser sogenannten alternativen Veranstaltungsorte gibt und wir deshalb auch mehr in normalen Clubs und Pubs spielen.

Auf eurem aktuellen Album bedient ihr euch diverser Coverversionen von Peter Tosh oder THE CLASH, deren Einflüsse auch in euren eigenen Stücken vorhanden sind. Wer außer diesen Musikern haben eure Musik sonst noch geprägt?

Der Erinnerungen unserer Anfangstage mit den ALIANS wegen haben wir diese Nummern eingespielt. Manche sind der Meinung, wir sollten eine Platte ohne Covers einspielen, andere hingegen wünschen sich ein Album nur Interpretationen anderer Bands, da wir aufgrund verschiedenster Einflüsse alles machen könnten: DEAD KENNEDYS, CONFLICT, BAD BRAINS und die individuellen Erfahrungen eines jeden einzelnen ALIANS-Musikers. Mal ganz abgesehen von den westlichen Bands gab es natürlich auch polnische Gruppen, die uns beeindruckten: DEZERTER in den 80er Jahren oder ARMIA, die mittlerweile zu Recht Kultstatus besitzt.

Habt ihr vor den ALIANS in anderen Bands gespielt?

Szkodnik an der Trompete spielte früher in einer professionellen Reggaeband. Beim Rest der Band begann alles mit den ALIANS, angefangen haben wir als Trio in der typischen Rockformation: Bass, Gitarre, Schlagzeug. Nach zwei Jahren wünschten wir uns Aufnahmen mit einem Akkordeon. Korbol spielte die Teile ein und seitdem ist er fest in der Band, auch wenn er bei dieser Tour nicht mit dabei ist. Für die nächsten Aufnahmen wollten wir eine Trompete, dann einen Bläsersatz. Das schöne an der Band ist, dass bisher niemand ausgestiegen ist und die ALIANS über Jahre hinweg gewachsen sind.

Wie ging das eigentlich mit der Alternativszene in Polen los, wie mit euch, was hat sich verändert?

Als wir begannen Musik zu machen, war die Independentszene in Deutschland längst vorhanden, während sich diese in Polen erst noch entwickeln mußte. In den Zeiten des Kommunismus war es nicht möglich, Eigenes zu kreieren, ohne dass dies nicht sofort als etwas Illegales betrachtet wurde. Nach dessen Zusammenbruch gab es endlich Raum für Neues. Folglich wuchs die Anzahl der Bands, so dass wir begannen, Clubkonzerte zu organisieren und auch wir als ALIANS konnten uns endlich frei weiterentwickeln. Während der Zeit des Kommunismus nutzten Bands auf Tour den Zug als Fortbewegungsmittel. Unglaublich, was wir dabei erlebten. Das Land war arm. Wir trafen viele arme Leute am Bahnhof. Wir liefen mit unseren Instrumenten unterm Arm in der Gegend herum. Seltsamer Gedanke, denn heute würdest du derartige Szenen auf einem polnischen Bahnhof nicht mehr vorfinden. Unglaublich was sich im letzten Jahrzehnt verändert hat. Egal, ob nun im positiven oder negativen Sinne, ob nun Wirtschaft oder Musik betreffend. Sicher war vieles schwieriger, aber die Leute waren begeisterungsfähig und zeigten Eigeninitiative, als sie sahen, hey, da ist eine Punkrockband, die Konzerte organisiert. Dem ist heute leider nicht mehr so. Und wie ist das in Deutschland?

Ähnlich, was sowohl Begeisterung als auch Eigeninitiative betrifft.
Inwiefern hat sich denn die Clublandschaft verändert?


Es ist schwieriger geworden, Gigs an Land zu ziehen. Vor zehn Jahren waren die Gagen ausländischer Bands und die Erwartungen polnischer Bands betreffend Auftrittsmöglichkeiten kleiner als heute. NOMEANSNO für wenige hundert Dollar in unserer Stadt wäre heute mittlerweile unmöglich. Es existierten Stadtteilzentren, die für jegliche kulturelle Veranstaltung genutzt werden konnten. Die Ausnahmen bestehen heute aus gerade Mal zwei besetzten Häusern. Ansonsten gibt es diverse kommerzielle Clubs und deren Leute, die sich mehr oder weniger als Booker sehen, mit denen jedoch ein erfolgreiches Zusammenarbeiten selten funktioniert. Gute Locations sind Studentenclubs, in denen man sich auch als Fremdveranstalter einmieten kann, von denen es allerdings auch immer mehr schwarze Schafe als faire Typen gibt. Heute würde ich mir nicht mehr die Mühe machen, eine Band zu formieren. Es ist alles viel zu teuer geworden.

Wer ist denn für die Tourneen in England, Frankreich oder der Schweiz zuständig?

Wir arbeiten weder mit Agenturen noch mit Promotern. Lieber kümmern wir uns selbst um alles. In Deutschland waren wir schon einige Male für Einzelkonzerte oder Wochenendshows. Mit Holger arbeiten wir jetzt das dritte Mal. Mit engagierten Leuten, die wir wie ihn zufällig kennengelernt haben, funktioniert dies auch in anderen Ländern. Möglich, dass eine Agentur einen besseren Überblick besitzt, aber die Erfahrung hat uns gezeigt, dass die selbst geplanten Tourneen bisher immer sehr erfolgreich waren. Wenn ich da an diese eine „großartige“ Agentur denke... Da lief wirklich alles schief! (lacht)

Bei welcher Tour war das denn und was lief denn da so verkehrt?

Egal! Darüber will ich jetzt kein Wort mehr verlieren ...

Na gut. Aber zur russischen Szene besitzt ihr so gut wie keine Kontakte?
Die Kommunikation zwischen Polen und Russland ist aufgrund der politischen Vergangenheit verständlicherweise sehr minimal. Russland ist DAS Synonym für den Kommunismus. Damit werden die Menschen in Russland in Verbindung gebracht. Zugegeben, billig und kompletter Unsinn, aber existent und deshalb problematisch, da diese Vorurteile nach all den Jahren immer noch in den Köpfen der Menschen manifestiert sind. Unabhängig davon ist es aber auch schwierig und wegen der Gangs nicht ungefährlich, dort zu spielen. Wir pflegen mittlerweile etwas Kontakt zu den UKRAINIANS und zur Skapunkband SPITFIRE.

Habt ihr denn Probleme mit politischen Gruppierungen?

Die Probleme, mit denen wir uns fast tagtäglich auseinandersetzen müssen liegen mehr in subtilen, intoleranten Gegebenheiten. Anfang der Neunziger spielten wir einen Gig mit FUGAZI. Jede Zeitung in Polen berichtete über die heftigen Auseinandersetzungen mit Nazi Skins während dieser Show. Mittlerweile haben sich die faschistischen Gruppierungen von Musik distanziert und arbeiten nur noch im politischen Untergrund. Kürzlich wurde eine Organisation ausgehoben, die man für nicht mehr existent hielt und eigentlich nichts mit der Neonaziszene zu tun hat. Jetzt, einige Jahre später fand man in den Wohnungen dieser unauffälligen Leute umfangreiches Propagandamaterial. Hier liegt das Problem. Du wirst nicht in Form physischer Gewalt mit derartigen Gruppierungen Bekanntschaft machen, sondern das sind rechtsgerichtete Organisationen, die sich selbst nie als Faschisten bezeichnen würden, aber wo sind hier die Unterschiede?! Die kooperieren mit den faschistischen Gruppierungen, ohne dies natürlich offiziell zuzugeben. Aber sowohl deren Magazine kannst du in jedem Geschäft kaufen, als auch deren Sendungen in einem der offiziellen Rundfunkanstalten hören, die letztendlich sowieso alle rechts gerichtet sind!

Kommt das denn in den polnischen Medien rüber, dass sich die deutsche Bevölkerung gegen derartige Strömungen wehrt?

Selbst unsere größte, sehr konservativ Bericht erstattende Tageszeitung begrüßt den Widerstand der deutschen Bevölkerung und schreibt darüber sehr positiv, wie ansonsten all die anderen Medien auch, was mich manchmal selbst überrascht! ´Rechts sein´ in Polen ist aber aus dem Blickwinkel des polnischen Journalismus nicht mit einer deutschen, rechten und klar faschistisch definierten Gesinnung vergleichbar; Dagegen hat man was, so verrückt dies alles jetzt auch klingen mag!

Beschreibe doch mal die derzeitige Situation der polnischen Jugend?

„Manchmal habe ich den Eindruck, 99 Prozent der polnischen Jugend verfolgt nur eine fixe Idee: 1. Irgendwie schnelles Geld verdienen, um nach Deutschland zu kommen. 2. In Deutschland angekommen, zwei Jahre lang auf dem Schwarzmarkt arbeiten, um gutes Geld zu verdienen. 3. Wieder zu Hause in Polen zurückgekommen, Geschäfte mit der Mafia tätigen, um wieder das schnelle Geld zu machen... Die polnische Jugend ist orientierungslos und zum Teil sehr aggressiv. Drogen und Gewalt sind an der Tagesordnung, ähnlich wie das Leben in einem südafrikanischen Ghetto. Dort geboren und aufgewachsen sind die Möglichkeiten auszubrechen sehr gering.

So frustierend?

Du warst noch nie in Polen, oder? Speziell in Großstädten, wie Warschau, solltest du verdammt wachsam sein. Das Problem dabei ist, dass weder Gelder für die innere Sicherheit noch für das Bildungswesen vorhanden sind. Das größte Handycap jedoch ist der Einfluß der Kirche, da ohne deren Zustimmung keinerlei gesellschaftliche oder politische Aktivität durchgeführt werden kann. Bisher wurde einmal eine Benefizveranstaltung für polnische Krankenhäuser organisiert. Die Bands erhielten allesamt die gleiche Gage, Hotel und Catering. 200.000 Besucher konnten zwei Tage lang rund um die Uhr kostenlos Musik genießen. Eigentlich eine großartige Sache, die zudem noch einen guten Zweck erfüllt. Wäre da nicht die Kirche, die im letzten Jahr diesem Festival nicht zugestimmt hat. Trotzdem trafen sich auch im letzten Jahr 20.000 sehr junge Menschen nur des Treffens wegen, wurden aber von Hooligans und anderen Schlägertrupps ohne Eingreifens von Sicherheitskräften zum Teil brutal zusammengeschlagen... Die Kirche war vor 1990 im Kommunismus immer in der Oppositionsstellung und hat aus dieser Position heraus ihre derzeitige politische Macht festigen können. Die Jugend aber ist auf sich alleine gestellt. In einer Kleinstadt in Polen hast du als junger Mensch entweder die Möglichkeit dich der Kirche anzuschließen und in deren Kreisen deine Karriere aufzubauen, oder du bist und bleibst ein Niemand!

Kommen wir noch mal auf die Band zurück. Welche Aktivitäten sind in diesem Jahr noch geplant?

Das neue Album „Rôwne Prawa“ läuft in Polen sehr gut, deshalb werden wir vermehrt zu Hause spielen. Dennoch hoffe ich, dass wir in diesem Jahr wieder in Norwegen, in den Niederlanden und einige Male in Deutschland spielen werden. Mein Traum, in Spanien zu spielen, wird aber wohl auch in diesem Jahr nicht erfüllt werden. Wir werden uns in diesem Jahr auf das Schreiben neuer Songs konzentrieren, um 2002 ein weiteres Album zu veröffentlichen!

Kazi, deine letzten Worte an unsere Leserschaft.

Das war wohl alles etwas schockierend, was ich euch über Polen berichtet habe. Solltet ihr mal in Polen sein und dann noch die Möglichkeit haben ein Konzert zu besuchen, dann denkt darüber nicht lange nach! Besucht es und ihr werdet feststellen, wie begeisterungsfähig das polnische Publikum ist!

Wir haben uns bis zum Auftritt der ALIANS, der trotz einiger technischer Schwierigkeiten großartig war, noch über viele weiteren Themen unterhalten. Unter anderem, was es mit meinem Nachnamen in Polen auf sich hat. Nur so viel dazu: Es existiert ein polnischer (Anti-)Kriegsfilm über das Dritte Reich. Die Figur des deutschen Doppelspions Brunner kennt wohl jedes Kind und findet noch in mancher polnisch-schwarzer Pädagogik als Erziehungsmittel Verwendung...

Simon Brunner

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #44 (September/Oktober/November 2001)

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