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Interviews & Artikel

Dafür / dagegen

Lagerfeuerpunk

Sie sind heute überall, die Noch- oder Ex-Sänger einer Punk/Hardcore-Band, die richtig solo oder mit Band

im Hintergrund durch die Lande ziehen und zu Akustikgitarrenbegleitung von Herzschmerz singen. Kann gut sein, muss aber nicht. Und kann man mögen, muss man aber nicht.

Dafür

Schnelle, laute Musik, verzerrte Gitarren. Punk, Hardcore, Szenezugehörigkeit. Das ist geil, das wollen wir haben. Aber doch nicht immer. Morgens um sieben kann ich nicht SICK OF IT ALL hören, und wenn ich mit meinen Kindern spiele, müssen SLIME nicht unbedingt „Bullenschweine“ brüllen. Irgendeinen Ausgleich braucht auch der Punkrocker. Früher, da musste man sich verstecken mit seinen Folk- und Indie-Platten. Aber dann nahmen Joey Cape und Tony Sly das Tempo aus ihren Songs und spielten sie einfach nur auf ihren Westerngitarren. Chuck Ragans Reibeisenstimme funktioniert auch ohne HOT WATER MUSIC im Hintergrund, und seien wir ehrlich, seine Solo-Alben sind um Klassen besser als der jüngste Band-Output. Matze Rossi, einst mit TAGTRAUM in einer meiner absoluten Lieblingsbands, reißt heute nur mit Gitarre und Stimme alles nieder. Es sind viele mittlerweile und das ist geil.

Und die Konzerte erst. Ein Typ und seine Gitarre – wo bleiben eigentlich die Frauen in diesem Genre? – mehr braucht es doch nicht. Die Leute auf der Bühne und davor sind die selben wie sonst bei den Punk-Shows auch, dafür brummen Kopf und Ohren am nächsten Tag nicht so, während man sich in seinem gewohnten Umfeld einen gemütlichen Abend machen kann. Für die Musiker selbst hat das Ganze auch nur Vorteile: Kein Equipment schleppen, keine elendslangen Sound- und Linechecks, Gitarre einstöpseln, „Check, one, two, three“ ins Mikro sagen und gut ist es. Und klar, wer träumt nicht vom Leben auf Tour? Party, Exzess, zehn Mann im VW-Bus Baujahr ’95, keine Klimaanlage, aber Männerschweiß und immer diese Enge. Warum nicht einfach den Gitarrenkoffer schnappen, ein paar Klamotten, ein bisschen Merch und ein Buch in den Rucksack packen und den nächsten Zug nehmen? Okay, Joey Cape macht das vielleicht nicht, der fährt wohl trotzdem mit dem Sprinter, aber TV Smith macht das. Und der ist doch mehr Punk als wir alle.

H.C. Roth

Dagegen

Zwischen Jack Wolfskin-Katalog und Landlust ist noch Platz für das subkulturell angehauchte Neo-Biedermeier, in das sich der von der Moderne gestresste Städter heimelig hineinkuscheln kann. Bot das weite Feld Americana in ihren besten Momenten Einblicke in die Abgründe der Gesellschaft, von Sklaverei und Rassismus im Blues über das Elend der Wanderarbeiter und Besitzlosen im Folk bis hin zum Leben der Ausgestoßenen und Randständigen bei Blaze Foley oder Calvin Russell, die alle zu scharfsinnigen Beobachtungen und poetischen Ausdrucksformen fähig waren, so singt nun ein ideeller Gesamtlagerfeuerpunk wie Chuck Ragan über das Glück der bürgerlichen Kleinfamilie, verklärt die Natur als spirituellen Ort – in dem man sich wie Putin als kerniger Mann in der Wildnis inszenieren kann – und das Leben on the road, also die öde Begleiterscheinung eines Musikerdaseins, an dessen Ende die Heimkehr ins wohlige Familiennest steht. Heimat, Natur, Familie, das ist die regressive Flucht ins Private und ihre idyllische Ausmalung. Musikalisch ist das im besten Falle belanglos und schablonenhaft, zumeist aber mieser Kitsch, vor dem alle weglaufen müssten, die auch nur oberflächlich am Reichtum der Musikstile kratzen, aus denen sich die Trottel mit der Akustikgitarre bedienen. Inspirierende Funken schlägt da nur das Lagerfeuer. Bitte, geht doch in eure Wälder und lebt das „einfache“ Leben, aber dann auch „authentisch“, ohne Hightech-Angel und Allrad-Pickup, so wie Ragan in Interviews das Leben seiner Großeltern als Selbstversorger mystifiziert. Ich nenne das bittere Armut und ein Ausgeliefertsein gegenüber der Natur. Ragan und Co. machen daraus einen romantischen Abenteuerurlaub für Zivilisationsmüde, einfach konsumierbar in Konzert- und Albumform, präsentiert von den ewig gleichen Gesichtsgestrüppen in ihren Flanelluniformen. Furchtbarste Befindlichkeitsmusik aus der Spießerhölle.

Simon Brüggemann

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #142 (Februar/März 2019)

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