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Interviews & Artikel

FIDDLER’S GREEN

This is just a folk punk song

Sie spielen Irish Folk durchsetzt mit Punk und Metal und gehören mit nunmehr 14 Alben zu den fleißigsten Bands des Genres hierzulande: FIDDLER’S GREEN aus Erlangen. Ihre neue Platte heißt „Heyday“, Das bedeutet „Blütezeit“ oder „Hochzeit“ im Sinne von „Hoch-Zeit“. Und warum das so ist, was man unter der Giftliste des Irish Folk verstehen kann, wieso der Song „Wild Rover“ nervig ist und warum politische Songs heuer wieder notwendig sind – das erklärt Bassist und Gründungsmitglied Rainer Schulz im Telefongespräch.

Rainer, wir telefonieren an einem Sonntag miteinander. Schön, dass du dir Zeit genommen hast, ehe du dich wieder aufs Sofa legen kannst.


Kein Problem. Gerne. Das Mittagessen habe ich hinter mir. Den Abwasch erledigt. Und mit Ausruhen ist nicht: Wir machen gerade eine kleine Tour durch Irish Pubs. Ganz kuschelige Konzerte im süddeutschen Raum. Nürnberg, Bayreuth, Nürnberg – und am heutigen Abend München.

Das kann man an einem Sonntag mal machen. Diese Städte sind schließlich nah dran an eurer Heimat Erlangen. Da könnt ihr kurz mal hin und zurück – oder liegt es daran, dass die Süddeutschen begeisterungsfähiger sind für Irish Folk als Menschen aus anderen Landesteilen?

Das ist alles näher an Erlangen. Das stimmt. Aber das mit der Begeisterung könnte stimmen. Denn dass diese Tour nur durch Bayern und Co. führt, hat vor allem damit zu tun, dass ich auch in NRW oder im Osten des Landes mehrere Pubs angefragt habe und eigentlich dachte, die würden sich die Finger nach derlei Auftritten lecken. Aber es kam nichts zurück. Kein Interesse. Sehr seltsam. Denn: Wir würden denen ja unplanmäßig die Bude voll machen, ohne dass die Betreiber viel Aufwand hätten. Den hätten wir. Die würden vor allem mehr Bier verkaufen, haha.

Sind diese kleinen Konzerte für euch das typische Back-to-the-roots-Ding?

Ja. Absolut. Klar: Diese Auftritte sind schon anstrengender als größere Konzerte, weil sie weniger komfortabel sind. Aber durch die Nähe zum Publikum und die spartanischen Ausrüstung in Sachen Instrumente und Technik fühlt man sich eben immer wunderbar an die Frühphase der Band erinnert.

Kürzlich war wieder St. Patrick’s Day, der irische Nationalfeiertag. Da sind überall Konzerte und Partys. Macht ihr bei so was auch mit – oder ist euch das schon wieder zu viel Klischee?

Da machen wir mit. Das ist ein willkommener Anlass für Konzerte. Die Leute wollen noch mehr feiern als sonst. Das passt schon.

Worauf ich mit dem Verweis auf den St. Patrick’s Day hinaus will: Die Klischees, mit denen der Irish Folk spielt. Es ist eine Musik, die man entweder liebt. Oder zu der man sagt: „Nein! Bitte nicht schon wieder! Das ist alles so totgenudelt!“

Das gibt es natürlich. Man kann auch tatsächlich Vieles aus dem Genre ziemlich schrecklich finden. Es gibt Pubs, da läuft die Standard-Irish-Folk-Playlist rauf und runter. Da kriege ich durchaus schon mal zuviel. Aber ich denke: Wir machen unsere eigener Art dieser Musik – mit viel Punk und anderen Anleihen. Wir haben viel Eigenes. Und insofern reiten wir nicht so sehr auf den Klischees herum.

Welche Lieder sind denn auf dieser schlimmen Playlist?

Der „Wild rover“ etwa ist schon hart an der Grenze. Das haben wir aber vor allem KLAUS UND KLAUS zu verdanken, die diesen eigentlich schönen Song zumindest im deutschen Kulturkreis stark beeinträchtigt haben. Von den DROPKICK MURPHYS etwa gibt es eine großartige Version. Aber wir planen tatsächlich schon länger, uns vielleicht auch mal an diese Giftliste aus Irish-Folk-Stücken heranzuwagen und etwas daraus zu machen, was vielleicht auch uns Spaß macht.

Aber jetzt erst mal „Heyday“.

Genau. Eine Platte, auf der bis auf einen Song, „John Kanaka“, alle Stücke von uns sind.

Und auf der mit „No anthem“, der ersten Single, ein Song enthalten ist, der gleich eine klare Ansage an den Zeitgeist im Lande ist.

So ist es. Und das passt. Denn streng genommen ist FIDDLER’S GREEN ja auch aus einer Antifa-Aktion heraus entstanden. Es gab 1990 ein Konzert „Rock gegen Reps“, das wir mit organisiert hatten. Gegen die Republikaner, die ja damals aufkamen. Das Konzert fand statt im E-Werk Erlangen vor 800 Zuschauern – obwohl offiziell eigentlich nur 400 reinpassen. Und aus diesem Anlass heraus ist tatsächlich die Band entstanden. Wir haben immer mal wieder politische Songs eingestreut seit damals. Aber selten explizit. In den letzten Monaten und Jahren aber hat sich dann doch immer wieder gezeigt, dass man noch mal betonen sollte, wo man steht. Das dürfte bei uns zwar ohnehin jedem klar sein ...

Aber als Künstler, als Musiker, der in der Öffentlichkeit steht, ist man dazu verpflichtet?

Ja. Ich fand es lange Zeit immer etwas schwierig und problematisch, politische Gedanken zu äußern und daraus auch noch kommerziellen Profit zu schlagen. Aber irgendwann muss man dann auch zusehen, dass man seinen Mund aufmacht. Gerade wenn man, wie wir, Menschen durch Musik erreicht. Nicht jeder muss sofort aktiv werden und auf die Straße gehen – auch wenn das wünschenswert ist. Aber: Jeder sollte den Mund aufmachen und sagen, wo er steht.

Was sagt der Albumtitel „Heyday“ aus?

Das ist einfach positiv gemeint. Die Blütezeit. Hoch-Zeit. Unsere Hoch-Zeit. Es ist ja unser 14. Album. Das davor hatten wir entsprechend „Devil’s Dozen“ genannt und 13 Songs draufgepackt. Und irgendwie stand das unter keinem guten Stern: Wir mussten die Studioproduktion verschieben, weil unserem Sänger die Stimme wegblieb. Wir mussten die Veröffentlichung verschieben. Wir mussten die Tour verschieben wegen eines Todesfalls. Unser Schlagzeuger musste während der Tour zweimal ins Krankenhaus. Und obwohl wir nicht abergläubisch sind, dachten wir uns, dass wir dieses Mal vielleicht doch lieber einen anderen Ansatz wählen, haha.

Was denkst du: Warum ist alles, was mit Irish Folk zu tun hat, so unkaputtbar?

Tja. Auf jeden Fall war es unser Glück von Anfang an, uns dieser Musik gewidmet zu haben. Die Band war ja ganz sicher nicht als so ein langes Projekt geplant. Aber diese Art der Musik hat uns schon zu Beginn volle Häuser beschert, ohne dass die Leute uns gekannt hätten. Und später sowieso. Ich denke, es ist diese Mischung aus Power, „Leck mich doch am Arsch“-Einstellung und Melancholie, die Irish Folk so erfolgreich macht. Das ist eine Melange, die bei vielen Menschen ins Schwarz trifft.

Was würdest du, wenn du an die Anfangstage von FIDDLER’S GREEN zurückdenkst, den Jungspunden von damals gerne sagen?

Oh, da gibt es viel. Zunächst mal: „Zieht euch was anderes an.“ Da existieren Fotos aus der Frühphase, da schüttelt es mich wirklich, haha. Und ich würde sagen: „Lasst das mit dem wilden Experimentieren sein. Bleibt bei eurer Kernkompetenz.“ Denn das haben wir zwischendurch auch mal gemacht – und das war nicht so gut. Das hätten wir uns lieber erspart. Sagen würde ich auch: „Seid konzentrierter. Trinkt auch mal Wasser.“ Früher waren wir nicht so fokussiert, sondern haben lieber viel Bier getrunken. Hätten wir das nicht getan, dann hätten wir vielleicht hier und da noch etwas mehr Erfolg haben können. Und mehr Erfolg führt ja schließlich auch dazu, dass man wieder mehr Bier trinken kann, haha.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #143 (April/Mai 2019)

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